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Bau- oder KunstwerkEine Pferdekoppel sorgt für Aufregung

Ein weisser Koppelzaun sorgt in Biel derzeit für eine hitzige Debatte. Spätestens im Sommer soll er aufgestellt werden.

von
stm
Der Koppelzaun in Biel existiert erst als Fotomontage.

Der Koppelzaun in Biel existiert erst als Fotomontage.

zvg

Die Parking AG will auf dem ehemaligen Gaswerkareal ein Kunstwerk aufstellen lassen. Die Firma betreibt dort die öffentlichen Parkhäuser. Beim Kunstwerk handelt es sich um einen Zaun, der ein 113 auf 12 Meter grosses Stück Magerwiese und eine Tribüne einzäunt. Doch im Zaun soll es weder eine Lücke noch ein Tor geben. «Die zeitgenössische Skulptur ‹Texas› überschreitet Grenzen, indem sie sie thematisiert», sagt Barbara Meyer Cesta vom Künstlerduo Haus am Gern, das die Idee zum Koppelzaun hatte. Dennoch wirft das Projekt in Biel die Frage auf, welche baulichen Anforderungen ein Kunstwerk überhaupt enthalten muss.

Politiker und Quartierverein wehren sich

«Behinderte Personen können diese Barriere, die den öffentlichen Raum hermetisch umschliesst, nur mit grossen Schwierigkeiten überwinden», sagt SP-Stadtrat Mohamed Hamdaoui in einem Antrag an den Gemeinderat. Dies berichtet «Der Bund». Der örtliche Quartierverein kritisiert zudem in einer Einsprache: «Insbesondere bei nassem Wetter besteht eine erhöhte Verletzungsgefahr beim Übersteigen des Zaunes durch ein Abrutschen.»

Auch sorgt er sich um die Sicherheit der Kinder, wenn sie, um zu spielen, den Zaun überqueren wollen, oder das Wohlbefinden der Strassenputzer: «Es entspricht nicht einem verhältnismässigen staatlichen Handeln, wenn die Mitarbeitenden des Strasseninspektorats über einen Zaun steigen müssen, um im Innern wieder Ordnung schaffen zu können.»

Doch damit nicht genug. Auch die Fachstelle für hindernisfreies Bauen, Procap, kritisiert das Projekt in einem negativen Amtsbericht.

Bau- oder Kunstwerk

Die Parking AG hat vormals einen Wettbewerb ausgeschrieben, worauf «Texas» als Sieger hervorging. Das Budget für das Projekt beträgt 80'000 Franken. Dieses liegt derzeit beim Regierungsstatthalter vor. Dieser muss nun die Entscheidung fällen, ob es sich bei der Koppel um ein Bau- oder Kunstwerk handelt. Der Entscheid muss in spätestens einem Monat gefällt werden.

Barbara Meyer Cesta hofft, dass das Kunstwerk bewilligt wird und spätestens im Sommer aufgestellt werden kann. «Der Zugang zum Kunstwerk ist vollständig garantiert», sagt sie. «Das Betreten des Werks, die Grenz- beziehungsweise Zaunüberschreitung ist nicht verboten, geschieht aber auf eigene Verantwortung.» Anders als ein Kinderspielplatz könne das Projekt nicht mit Auflagen belegt werden, da eine Kunstinstallation zweckfrei sei. Meyer Cesta: «Es verlangt auch niemand, dass man sich auf ein Gemälde stellen kann.»

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