Patienten-Rundumschutz: Eine Pflege-Versicherung lohnt sich nicht
Aktualisiert

Patienten-RundumschutzEine Pflege-Versicherung lohnt sich nicht

Je älter der Mensch, desto höher das Risiko, ein Pflegefall zu werden. Und dann wirds richtig teuer. Doch hierzulande ist es nicht sinnvoll, eine Pflegeversicherung abzuschliessen.

von
Elisabeth Rizzi
Wer in der Schweiz pflegebedürftig wird, dem greift der Staat bei Bedarf finanziell unter die Arme. Eine Pflegeversicherung lohnt sich kaum.

Wer in der Schweiz pflegebedürftig wird, dem greift der Staat bei Bedarf finanziell unter die Arme. Eine Pflegeversicherung lohnt sich kaum.

Die zunehmende Überalterung der westlichen Gesellschaften eröffnet Versicherern einen interessanten Markt; jenen der Pflegeversicherungen. Denn je älter Menschen werden, desto eher werden sie pflegebedürftig. Und das kostet: 80 Prozent der Gesundheitskosten verursachen Menschen in den letzten zwei Lebensjahren. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geht davon aus, dass sich die Pflegekosten bis 2050 mindestens verdoppeln werden.

Kein Wunder decken private Pflegeversicherungen in Japan (dem Land mit der stärksten Überalterung der Welt) bereits 7 Prozent der gesamten Pflegekosten. In den USA sind es 5 Prozent. Und in Frankreich besitzen bereits 15 Prozent der Bevölkerung eine Police für Langzeitpflege.

Pflege geht ins Geld

Auch in der Schweiz kann Langzeitpflege schnell ins Geld gehen. Unterkunfts- und Verpflegungskosten in einem Heim belaufen sich schnell auf 5000 bis 10 000 Franken. Das sind Kosten, die nicht von der Krankenkasse oder vom Kanton getragen werden, sondern voll zulasten des Patienten gehen. Seit diesem Jahr müssen Pflegebedürftige auch maximal 20 Prozent an den höchsten vom Bundesrat festgesetzten täglichen Pflegebeitrag der Krankenkassen beitragen. Das sind derzeit 21.60 Franken pro Tag. Nichtsdestotrotz: Überstürzte Hast ist nicht angebracht.

In der Schweiz sind Pflegeversicherungen ein absolutes Nischenprodukt. Helsana als Marktführerin verzeichnet für ihre Pflegeprodukte «Cura» und «Vivante» gerade eben mal 124 000 Kunden. Bei Visana ist die Zahl der Pflegeversicherten in den letzten Jahren um 10 000 auf knapp noch 62 500 Personen gesunken. Und Generali erzielte mit entsprechenden Produkten lediglich 132 Abschlüsse.

Das hat seinen Grund: Die Versicherungsprodukte sind ziemlich teuer, sie kosten nämlich zwischen 70 und 351 Franken monatlich. Die Leistungen hingegen sind angesichts der hohen Pflegekosten ziemlich bescheiden. Bei Generali kriegt man beispielsweise für die Monatsprämie von 351 Franken bloss eine Rente von 2500 Franken monatlich für einen Heimaufenthalt bzw. 625 für ambulante Pflege. Kommt hinzu: Pflege durch Angehörige wird nicht entschädigt.

Freie Rente als Alternative

Für Vermögende lohnt sich somit eine Pflegeversicherung nicht. Die teuren Prämien können sinnvoller angelegt werden. Personen mit wenig Ersparnissen können sich dagegen eine Pflegeversicherung gar nicht leisten. Für letztere gibt es aber auch andere Lösungen. So greift der Staat mit Ergänzungs- und nach längerer Pflegebedürftigkeit Hilflosenleistungen ein, wenn die Pflegekosten die finanziellen Möglichkeiten übersteigen. Bereits mehr als jeder zweite Heimbewohner ist auf Ergänzungsleistungen angewiesen.

Für den Mittelstand mit einigen Hunderttausend bis einer Million Franken Ersparnissen dagegen, empfiehlt es sich, trotz miesem Zinsumfeld eine reine Rentenversicherung fürs hohe Alter abzuschliessen. Denn das hierüber ausgezahlte Geld ist nicht an einen Verwendungszweck gebunden und kann somit auch für andere Ausgaben genutzt werden.

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