Kritik an Pflegenden - «Eine Pflegekraft, die sich nicht impfen lässt, ist eine Fehlbesetzung»
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Kritik an Pflegenden«Eine Pflegekraft, die sich nicht impfen lässt, ist eine Fehlbesetzung»

In den sozialen Medien bezeichnet der Genfer Gesundheitsdirektor Pflegepersonal, das sich nicht impfen lassen möchte, als «Castingfehler». Für eine Impfpflicht ist er nicht, fordert aber Aufgaben ohne Patientenkontakt für ungeimpfte Pflegende.

von
Angela Rosser
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Aus Mauro Poggias Sicht verhalten sich Pflegerinnen und Pfleger, die sich nicht impfen lassen möchten, verantwortungslos.

Aus Mauro Poggias Sicht verhalten sich Pflegerinnen und Pfleger, die sich nicht impfen lassen möchten, verantwortungslos.

Tamedia/Lucien FORTUNATI
In der Pflegebranche liegt die Impfbereitschaft tiefer als beim Rest der Bevölkerung.

In der Pflegebranche liegt die Impfbereitschaft tiefer als beim Rest der Bevölkerung.

20min/Simon Glauser
Poggia fordert, dass ungeimpftes Personal nur Arbeiten ohne Patientenkontakt ausführen dürfen soll.

Poggia fordert, dass ungeimpftes Personal nur Arbeiten ohne Patientenkontakt ausführen dürfen soll.

20min/Francois Melillo

Darum gehts

  • Der Genfer Gesundheitsdirektor Mauro Poggia ärgert sich über impfunwilliges Pflegepersonal.

  • Pflegende, die sich nicht impfen lassen möchten, werden von ihm als Fehlbesetzung bezeichnet.

  • Die Leiterin des Schweizer Berufsverbandes für Pflegefachfrauen und -männer findet das unfair.

Der Genfer Gesundheitsdirektor Mauro Poggia schiesst in den sozialen Medien scharf gegen impfunwilliges Pflegepersonal. Auf Twitter und Facebook bezeichnet er Pflegende, welche sich nicht impfen lassen möchten, als «erreur de casting», also als Castingfehler oder auch Fehlbesetzung. Auf eine Impfpflicht in der Branche plädiert Poggia nicht, spricht sich aber dafür aus, dass Ungeimpfte nur Aufgaben ohne Patientenkontakt ausführen sollen, schreibt der «Tages Anzeiger». Mit seiner Wortwahl und seiner Sicht, dass sich Pflegende, die sich nicht impfen lassen wollen, verantwortungslos verhalten, löste er auf den verschiedenen Plattformen viele Reaktionen aus.

Impfbereitschaft nur bei 40 Prozent

Impfen sei eine freie Entscheidung. Die Freiheit des Pflegepersonals aber über die Gesundheit und das Leben von Patientinnen und Patienten zu stellen, sei nicht in Ordnung. Auch Alain Berset zeigt sich besorgt darüber, dass sich ein grosser Teil des Personals in Heimen oder auch von der Spitex nicht impfen lassen wolle. «Das gefährdet ältere Menschen, sogar diejenigen, die geimpft sind, weil der Impfschutz nie hundertprozentig wirkt. Das darf nicht sein», sagte er in einem Interview mit der NZZ.

Die Impfbereitschaft der Bevölkerung ist von März bis Juli von 54 auf 63 Prozent gestiegen, was der Corona-Monitor der SRG zeigt. Rund ein Viertel der Bevölkerung lehnt eine Impfung aber grundsätzlich ab. In den Heimen und Spitälern deuten die Zahlen darauf hin, dass die Impfbereitschaft beim dortigen Personal tiefer ist als bei der restlichen Bevölkerung. Gemäss Poggia hätten sich im Genfer Universitätsspital gerade mal 40 bis 45 Prozent der Angestellten impfen lassen.

«Es ist unfair, das Pflegepersonal anzuprangern»

Solche Vorwürfe kommen beim Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und -männer schlecht an. Druck bringe nichts, könne sogar kontraproduktiv sein, meint Roswitha Koch, Leiterin der Abteilung Pflegeentwicklung. «Natürlich hoffen wir, dass sich möglichst viele impfen lassen», sagt Koch. Es sei aber unfair, das Pflegepersonal an den Pranger zu stellen: «Ausgerechnet das Pflegepersonal, das in den letzten Monaten alles gegeben hat», meint Koch. Stattdessen könnte man sich auf die vollen Stadien bei Fussballspielen oder die Verbreitung durch den Tourismus fokussieren.

Es brauche Aufklärung, um auch Unentschlossene zu erreichen. Und dass das mit Überzeugungsarbeit gelinge, davon ist Koch überzeugt: «Immer mehr Pflegende lassen sich impfen. Die Quote ist nicht schlecht.» Auch sei es so, dass sich die Impfbereitschaft der Pflegenden weiterentwickle.

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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