Leichtathletik: Eine Premiere im 25. Marathon
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LeichtathletikEine Premiere im 25. Marathon

In der Nacht auf morgen Sonntag bestreitet Viktor Röthlin den 25. Marathon seiner Karriere. Bei seiner Premiere am Lake-Biwa-Marathon im japanischen Otsu strebt der Europameister von 2010 eine Zeit von deutlich unter 2:10 Stunden an.

Röthlin will möglichst nahe an seine persönliche Bestzeit von 2:07:23 Stunden, die er im Frühjahr 2008 bei seinem Sieg in Tokio aufgestellt hat, heran laufen. Da das Rennen entlang des Biwa-Sees für die einheimischen Läufer als Qualifikationslauf für die Weltmeisterschaften im August in Moskau zählt, rechnet Röthlin mit einer Siegerzeit von 2:07 bis 2:08 Stunden. «Ich hoffe, wenn alles zusammenpasst, dass ich in der Spitzengruppe mitlaufen kann», so der 38-jährige Obwaldner. Der Kenianer Vincent Kipruto, die Nummer 1 der Entry List und WM-Zweiter von 2011 in Daegu, hat eine Bestzeit von 2:05:13 Stunden.

Die letzten Tage vor dem Rennen verliefen für Röthlin nicht ideal. Eine Erkältung machte dem Schweizer Rekordhalter zu schaffen. Beim Abschlusstraining am letzten Dienstag habe er noch kein gutes Gefühl gehabt, so Röthlin. Druck verspürt er allerdings keinen. «Ich freue mich sehr und hoffe, das Rennen geniessen zu können.» Von Röthlin ist keine Limite gefordert, da er an den Weltmeisterschaften in Moskau nicht teilnehmen wird. Röthlins letztes grosses Ziel an Meisterschaften sind die europäischen Titelkämpfe 2014 im eigenen Land, wo er in Zürich, im letzten Marathon seiner Karriere als Spitzenläufer, die erfolgreiche Verteidigung seines 2010 in Barcelona errungenen Titels anstrebt. In Otsu will Röthlin in erster Linie den Beweis erbringen, dass er auch mit 38 noch einen Marathon schnell laufen kann.

Der Lauf am Biwa-See bietet gute Voraussetzungen, damit Röthlin sein Ziel, eine seiner Top-4-Zeiten zu laufen, erreichen kann. Der Marathon um den grössten Südwassersee Japans auf der Insel Honshu, der 1946 bei seiner Premiere noch in Osaka ausgetragen worden ist, weist ein flaches Profil auf und gilt als schnell. Der Streckenrekord steht bei 2:06:13 Stunden, aufgestellt vom Kenianer Wilson Kipsang.

Bereits vor zehn Tagen war Röthlin, der von Frau und Tochter und von seinem Physiotherapeuten Daniel Troxler begleitet wird, nach Japan gereist, wo er am letzten Wochenende im Rahmen einer Ausstellung anlässlich des Tokio-Marathons an einer Talkshow teilnahm. Danach stattete er in Kobe dem Forschungs- und Entwicklungszentrum seines Ausrüsters Asics einen Besuch ab. Der Verzehr eines Kobe-Beefs durfte dabei nicht fehlen. Inzwischen ist das traditionelle japanische Nachtessen zu einem Ritual bei Röthlins Besuchen im Fernen Osten geworden. «Dieses spezielle Rindfleisch hat mir schon 2007 und 2008 in Tokio Glück gebracht.»

Mit Ausnahme der Erkältung verlief Röthlins 14 Wochen dauernde Vorbereitung auf das Rennen in Otsu ohne grössere Zwischenfälle. Ein dreieinhalbwöchiges Trainingslager in der Region Eldoret in Kenia Anfang des Jahres bildete den Schwerpunkt, nachdem er noch im alten Jahr die Basis gelegt und sich bei den Strassenläufen in Basel, Genf und Zürich ersten Formtests unterzogen hatte. Insgesamt absolvierte Röthlin knapp 150 Trainingseinheiten und legte pro Woche im Durchschnitt über 180 Kilometer zurück. Aufgrund des harschen Winters in der Schweiz musste Röthlin ungewöhnlich oft Trainingseinheiten auch auf dem Laufband absolvieren. Dem letzten Test unter Rennbedingungen hatte er sich vor einem Monat bei einem Halbmarathon im spanischen Granollers unterzogen. Zwar verlief dieser nicht befriedigend, doch dafür gab es eine Erklärung. Das Rennen hatte nur wenige Tage nach Röthlins Rückkehr aus Kenia stattgefunden. (si)

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