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Weltenbummler-BlogEine Reise zum schönsten Fluss der Welt

An Farbenpracht ist der Caño Cristales in Kolumbien kaum zu überbieten. Dafür lohnt sich auch die lange Anfahrt.

von
Claudio Sieber

Einst die «Bank der Farc», ein beruchtigtes Koka-Anbaugebiet und Konfliktzone. Neuerdings ein abgelegenes und interessantes Reiseziel. Der Nationalpark Serranía La Macarena im Sudosten Kolumbiens hat seit einiger Zeit offiziell seine Pforten geöffnet. Um die 30 Prozent der weltweiten Koka-Produktion stammte aus der Region. Vor ungefähr acht Jahren hat das Militär angefangen, die Kokafelder von Flugzeugen aus mit Glyphosat zu bespruhen. Vor der sicheren, aber umweltgefährdenden Methode wurden die Pflanzen noch von Hand aus dem Boden gerissen. Ein Spiel mit dem Feuer, denn auf dieses – aus Sicht der Rebellen – rucksichtslose Verhalten verhängten die Guerillas die Todesstrafe. Kolumbiens Regierung hat seither rund 85 Prozent der Kokaplantagen in diesem Departement vernichtet. Geschätzte 8000 Farc-Mitglieder halten sich noch in den sudlichen Gebieten versteckt. Nach wie vor werden Jugendliche Landsleute zwangsrekrutiert.

Anreise im Kleinflugzeug

Im Hangar in Villavicencio werden Gepäck und Person gewogen und dabei Kaffee ausgeschenkt. Mit einem schunkelnden Kleinflugzeug mit Platz fur vier Personen fliege ich nach Serranía La Macarena und freue mich auf eine abenteuerliche Zeit im Einklang mit diesem mystischen Ort und auf den schönsten Fluss der Welt. Vorbei die kitschige Vorfreude. Am Flughafen werde ich von Dauerregen und kolumbianischen Militärs empfangen. Den Hotelnamen solle ich zu meiner eigenen Sicherheit angeben. Auch die verbundeten Gringos aus den Vereinigten Staaten haben hier ein Bataillon stationiert. Ausser mir will momentan niemand anreisen. Logisch, denn der Park öffnet erst in zwei Wochen. Das birgt eigentlich nur Gutes. Es gibt keine nervigen Touristenströme, ich muss weder Eintritte noch uberteuerte Transportmittel zahlen und bekomme den obligaten Fuhrer fur mich allein. Und zwar den Mann, den sie anrufen, wenn sonst niemand kann. Oscar. Gezeugt im Nationalpark, eins mit der Natur. Die Farc hat während einem Aufstand in La Macarena vor acht Jahren seinen Vater und seinen Bruder ermordet. Trotzdem ist er geblieben. Er wird die nächsten Tage mein Mentor und Begleiter sein.

Wie ein flüssiger Regenbogen

Dass hier jeder Kokapflanzen anbauen will, liegt auf der Hand. Ein Kilo der fast fertigen Ware kann der Bauer fur 1000 Dollar an die Farc verkaufen, 40 Prozent davon frisst jedoch der Prozess. Ein Kilo Kakao verkauft ein Campesino fur 20 Dollar. Ein Kilo Yuca oder Mais bringt dem Bauern gerade mal 50 Cent auf dem Markt. Die Risikobereitschaft ist entsprechend hoch. Auf dem Motorrad duse ich mit Oscar uber marode Feldwege fur zwei Tage zum Fluss Caño Cristales. Wie ein flussiger Regenbogen strömt er durch den Nationalpark. Keine Magie, keine Alchemie. Reine Biologie. Ein Parasit klammert sich an einen Teppich aus Algen und verbindet sich mit der uralten dunklen Steuerinformation. Von Blassrosa bis Blutrot schimmert es durch das Wasser. An den von Blattwerk uberdachten Stellen sind die Algen noch grun. Je stärker die Sonneneinstrahlung, desto schneller die Photosynthese, umso intensiver die Farben. Verschiedenfarbige Wasserfälle und kristallklare, bunte Flusse plätschern dahin. Nur wenige Meter entfernt vom Fluss finden wir einen Unterschlupf bei Doña María um die Nacht zu verbringen. Inzwischen hat sich das Militär bei Oscar erkundigt, wo denn der Schweizer steckt.

Weltenbummler

Claudio Sieber spurtete 15 Jahre lang für die grafische Branche. Heute setzt der 33-Jährige seine Energie für sich selbst ein. Als Fotograf und Reiseblogger. Seit Januar 2014 ist der Langzeit-Nomade bereits unterwegs, um die Schönheit dieser Erde zu erkunden. Dabei lernt der Ostschweizer die vielseitigsten Menschen kennen und steigert täglich sein Bewusstsein für die Welt.

Auf seinem Blog Travelbuddy.ch und auf 20 Minuten teilt er seine Erlebnisse.

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