Opfer war 17-jährig – «Eine relativ milde Vergewaltigung» – Urteilsbegründung sorgt für Empörung
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Opfer war 17-jährig«Eine relativ milde Vergewaltigung» – Urteilsbegründung sorgt für Empörung

Ein damals 24-Jähriger vergewaltigte eine 17-Jährige. Nun wurde er zu zwölf Monaten Haft verurteilt. Es sei eine «milde Vergewaltigung» gewesen, sagte der Richter.

von
Zoé Stoller
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Ein Richter am Bezirksgericht Olten-Gösgen begründete ein Urteil damit, die Vergewaltigung sei «mild» gewesen.

Ein Richter am Bezirksgericht Olten-Gösgen begründete ein Urteil damit, die Vergewaltigung sei «mild» gewesen.

20 Minuten
Das Opfer war zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt.

Das Opfer war zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt.

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Die Leiterin der Opferhilfe Solothurn stört sich an der Argumentation.

Die Leiterin der Opferhilfe Solothurn stört sich an der Argumentation.

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Darum gehts

  • Die Urteilsbegründung in einem Vergewaltigungsfall sorgt für Aufsehen.

  • Das Amtsgericht Olten-Gösgen verurteilte einen heute 27-Jährigen lediglich zu zwölf Monaten Haft.

  • Grund dafür sei, dass es sich um eine «milde Vergewaltigung» gehandelt habe.

Ein damals 24-Jähriger vergewaltigte im Februar 2018 eine 17-Jährige in einem Hotelzimmer. Vor Gericht sagte sie, sie habe klar gesagt, dass sie weder eine Beziehung noch Sex mit ihm wolle. Nachdem er daraufhin den Geschlechtsverkehr trotzdem erzwungen hatte, erhob sie Anklage gegen den jungen Mann.

Das Amtsgericht Olten-Gösgen sprach den jungen Mann am Mittwochabend schuldig, wie das «Oltner Tagblatt» schreibt. Der heute 27-Jährige erhält eine Haftstrafe von 28 Monaten, von denen er für zwölf ins Gefängnis muss. Zudem wird er mit einem Landesverweis von sieben Jahren belegt, muss eine Genugtuung bezahlen und die Verfahrenskosten übernehmen.

Die vergleichsweise tiefe Strafe – bei Vergewaltigung sind bis zu zehn Jahre Haft möglich – begründete Amtsgerichtspräsident Valentin Walter folgendermassen: «Es war eine relativ milde Vergewaltigung, wenn man das überhaupt so sagen kann.» Die Tat habe im Vergleich zu anderen Fällen nur kurz gedauert und sei mit dem Minimum an nötiger Gewalt begangen worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte an der Hauptverhandlung Ende Oktober drei Jahre Gefängnis und einen zehnjährigen Landesverweis gefordert. Die Verteidigung plädierte ihrerseits auf Freispruch.

Agota Lavoyer, Leiterin der Opferhilfe Solothurn, reagierte auf Twitter bereits auf die Urteilsbegründung. «Nein, kann man nicht, Herr Amtsgerichtspräsident», schreibt sie. Zahlreiche Userinnen und User sind entsetzt: «Was ist bitte eine ‹relativ milde Vergewaltigung›?!», schreibt eine Userin. Und ein anderer: «Ich krieg echt das kalte Kotzen. Und sowas 2021.»

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