Bergsturz in Bondo GR: «Eine Riesen-Tragödie für den Tourismus im Bergell»
Aktualisiert

Bergsturz in Bondo GR«Eine Riesen-Tragödie für den Tourismus im Bergell»

Nach dem Bergsturz stornieren erste Gäste ihre Ferien. Dabei lebt die Region vom Tourismus und ist eigentlich sicher, sagt ein Hotelier.

von
J. Furer / S. Ehrbar
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Bedrohliche Gesteinsmassen: Eine weitere Million Kubikmeter  könnte jederzeit vom Piz Cengalo abbrechen.

Bedrohliche Gesteinsmassen: Eine weitere Million Kubikmeter könnte jederzeit vom Piz Cengalo abbrechen.

AFP
Musste Bergung abbrechen: Einsatzleiter Andrea Mittner informiert die Medien. (26. August 2017) Bild: Thomas Egli

Musste Bergung abbrechen: Einsatzleiter Andrea Mittner informiert die Medien. (26. August 2017) Bild: Thomas Egli

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Erneuter Murgang: Schlammlawine in Bondo. (25. August 2017)

Erneuter Murgang: Schlammlawine in Bondo. (25. August 2017)

AFP/Miguel Medina

Wenn Hotelier T. B.* aus dem Fenster seines Hotels oberhalb von Bondo blickt, sieht er einen Berg in Bewegung. Am Piz Cengalo fallen auch am Sonntag laufend weitere Felsbrocken hinunter, es staubt und im Tal liegt massenweise Schlamm und Geröll.

Für B. war der Bergsturz vom Mittwoch keine Überraschung. Schon Wochen zuvor beobachteten er und seine Gäste unzählige Steinschläge am Berg. Dass der Bergsturz von historischer Dimension ist, bemerkte er allerdings erst beim Morgenessen. «Es tönte wie ein lauter Donner, das Tal war voller Staub», sagt B. Er griff zum Hörer und warnte Bondo.

«Bereits jetzt sagen erste Gäste ihre Ferien ab»

Er sei nicht der einzige gewesen, der Alarm geschlagen hat. Das Dorf selbst liege in einem akustischen Schatten. «Dort hörte man den Abbruch später als bei uns.» Dass acht Personen vermisst werden, sei eine riesige Tragödie, sagt er. Doch das Unglück hat auch eine weitere tragische Dimension. «Die Region rund um den Berg lebt vom Tourismus. Bereits jetzt sagen erste Gäste ihre Ferien ab», klagt B.

Die Region werde noch monatelang unter der Tragödie leiden. «Wir haben Stammgäste, die trotzdem anreisen. Doch andere fürchten sich vor der Gegend und sagen ihre Reise hierhin vorzeitig ab», sagt B. Dabei sei das Tal mit Ausnahme der roten Zonen weiterhin sicher. Ausserdem habe man schon lange mit einem grossen Abbruch gerechnet und sei vorbereitet gewesen.

Der Piz Cengalo ist weiter in Bewegung und staubt

Berg in Bondo GR 2

(Video: 20 Minuten / jen/ehs)

Dorfkern steht noch

In Bondo selbst seien nur die neueren Bauten beschädigt worden, erzählt der Hotelier, der alte Dorfkern stehe noch. «Früher wusste man noch, wo man die Dörfer bauen muss», sagt B.

Er hofft, dass die Masse, die am Berg noch in Bewegung ist, Stück für Stück runterkommt und keine grösseren Schäden mehr anrichtet. «Dass noch rund eine Million Kubikmeter runterkommt, ist sicher.» Auf seiner Terrasse wird B. weiterhin das Geschehen beobachten – und wenn nötig wieder Alarm schlagen.

*Name der Redaktion bekannt

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