Aktualisiert 28.07.2016 10:06

Insel Samos«Eine Robbe hat meine Tochter angeknabbert»

Eine Robbe soll eine 10-jährige Schweizerin am Strand der griechischen Insel Samos angegriffen haben. Der Vater des Mädchens sagt, es sei nicht der erste Vorfall.

von
Qendresa Llugiqi
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Die Narbe sei bereits etwas verheilt, so der Vater.

Die Narbe sei bereits etwas verheilt, so der Vater.

zvg
Die blauen Flecken sind aber noch sichtbar.

Die blauen Flecken sind aber noch sichtbar.

zvg
Schuld daran soll eine Robbe gewesen sein.

Schuld daran soll eine Robbe gewesen sein.

Facebook/Archipelagos

Robben gelten eigentlich als menschenscheu. Einer jungen Schweizerin gegenüber wurde ein solches Tier auf der griechischen Insel Samos jedoch gefährlich. Ihr Vater ist überzeugt, dass das berühmte Robbenweibchen Argiro (siehe Box) vergangenen Mittwoch seine 10-jährige Tochter angegriffen hat.

Die Familie habe gerade am Lemonakia Beach ihre Ferien zu geniessen begonnen. «Unsere Tochter war im Wasser rund fünf Meter vom Strand entfernt, als sie plötzlich rief: ‹Mama, die Robbe ist da›», erinnert sich Vater S. F.*

Verletzungen am Bein

Die Eltern seien daraufhin gleich aufgesprungen und über den Strand gerannt, um ihrer Tochter aus dem Wasser zu helfen. «Gott sei Dank hatten wir schon einmal eine Begegnung mit der Robbe, als diese noch ein Baby war», sagt er zu 20 Minuten. So habe seine Tochter gewusst, dass sie sich ganz ruhig zu verhalten habe und langsam aus dem Wasser gehen sollte.

«Trotzdem stockte mir der Atem und ich hatte das Gefühl, mein Blut würde in den Adern gefrieren, als ich Argiro sah», sagt F. «Die zwei Meter grosse Robbe war so riesig neben unserer Tochter, die am ganzen Körper zitternd aus dem Wasser kam.»

«Das Knie blutete. Am Oberschenkel und an beiden Waden hatte sie blaue Flecken vom Druck des Kiefers. Argiro hatte meine Tochter angeknabbert.» Der Vorfall sei zum Glück glimpflich ausgegangen. Wenn seine Tochter jedoch weggerannt oder sich zu schnell bewegt hätte, hätte sie schwere Fleischwunden davongetragen, ist sich der Schweizer sicher.

Andere Verletzte angetroffen

Die Familie sei mit dem Mädchen direkt zum Arzt gefahren. Dort habe sie ein weiteres Opfer mit Bisswunden angetroffen, das rund 30 Minuten zuvor am Tsabou Beach ebenfalls von einer Robbe gebissen worden sei. «Sie hatte zwei Bisswunden, am Oberschenkel und an der Wade», erzählt der Mann.

Nachdem die Ärztin seine Tochter versorgt habe, habe sie den Vorfall gemeldet. «Offenbar bringt das aber nichts», sagt der Vater des Mädchens. «Die Robbe ist geschützt und die lokalen Naturschützer auf Samos hätten zwar verschiedene Lösungen, diese werden aber von der nationalen Stelle abgeschmettert.»

Laut F. gibt es an der betroffenen Nordküste keine Warnhinweise für Touristen. Zudem habe die Familie herausgefunden, dass 2015 rund 36 Touristen und Einheimische gebissen worden seien. «Fakt ist, es ist reiner Zufall, dass noch niemand ums Leben gekommen ist», so der Mann. «Unsere Tochter hat jetzt Angst ins Wasser zu gehen. Wir auch.» Er und seine Familie werden im nächsten Jahr, falls Argiro noch da ist, nicht mehr nach Samos reisen.

Weitere Fälle

Auf Samos kam es letzten Freitag zu einem weiteren Vorfall mit einer Robbe am Strand, wie das «Hamburger Abendblatt» berichtet. Eine junge Frau sei rund 30 Meter vom Strand entfernt von einer Robbe in den Oberschenkel gebissen worden.

Ein deutscher Bundespolizist aus Cuxhaven habe der jungen Frau das Leben gerettet, indem er sie aus dem Wasser geholt und sie versorgt habe. Ob es sich bei der Mönchsrobbe ebenfalls um Argiro handelte, sei unklar.

* Name bekannt

Wer sind Argiro und seine Artgenossen?

Laut Anastasia Miliou, Wissenschaftliche Leiterin am Archipelagos Institute of Marine Conservation, gibt es in Samos zwar einige Robben. Diese würde man aber kaum sehen. Die einzige Interaktion, die zwischen Mensch und Robben bestehe, sei diejenige mit der Mittelmeeer-Mönchsrobbe Argiro. «Die Mittelmeer-Mönchsrobben sind eine vom Aussterben bedrohte Robbenart. Weltweit gibt es nur noch 450 Tiere», sagt Miliou zu 20 Minuten.

Das Robbenweibchen Argiro sei das erste Mal im April 2014 in Samos aufgetaucht. Damals sei sie rund 6 Monate alt gewesen. Ihre Mutter wurde vorsätzlich getötet. Diese vorsätzlichen Tötungen haben laut Miliou zugenommen. «In den letzten 14 Monaten haben wir alleine in der Ost-Ägäis sieben tote Tiere entdeckt.»

Weshalb beissen sie Touristen?

Argiro werde sowohl von den Einheimischen als auch von den Flüchtlingen respektiert. Diese würden sogar auf Distanz gehen. Sobald es aber Sommer werde, kämen viele Touristen auf die Insel. «Leider benehmen sich viele Touristen daneben», so Miliou. «Sie scheinen den Eindruck zu haben, dass sie alles machen können und ihnen hier alles gehört, inklusive der Robbe Argiro, nur weil sie für ihren Urlaub bezahlt haben.»

Die Touristen würden sogar die Barrieren ignorieren, die aufgerichtet worden seien, um für Sicherheit zu sorgen. «Die Menschen setzen ihr Leben aufs Spiel, um ein cooles Video oder Selfie machen zu können. Sie locken die Robbe an, behandeln sie wie einen Hund und wollen mit ihr spielen, erzählt Miliou. «Dann sind sie geschockt, wenn die Robbe zubeisst.» Dieses Verhätscheln eines wilden Tieres führe dazu, dass das Tier denkt, es könne mit jedem so umgehen. Dadurch wird die Robbe auch für jene gefährlich, die sich anständig benehmen.

«Das Zubeissen ist die Art der Robbe mit seinen Artgenossen zu spielen», erklärt Miliou weiter. «Ihnen macht es aber nichts aus, weil sie eine dicke Haut haben. Diese Art zu spielen kann aber den Menschen gefährlich werden.»

Werden die Robben überwacht?

Seit dem ersten Tag, an dem Argiro aufgetaucht sei, hätten Forscher, Studenten und Wohltätige des Archipelagos rund 5000 Stunden damit verbracht, dass Tier zu beobachten. «Wir wollten damit sowohl für die Sicherheit des Tieres als auch der Menschen sorgen», so Miliou. Sie hätten immer ein Team bereit, dass ausrücken würde, wenn die Robbe gesehen werde. «Wir sorgen dafür, dass die Menschen dem Tier nicht zu nahe kommen oder holen die Menschen aus dem Wasser.» Konstantes Monitoring sei aber schwierig, da die Robbe sich auf einem Gebiet von 20 Kilometern bewegt.

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