Aktualisiert 19.11.2007 12:54

Eine Samenbank im Ewigen Eis

Drei Millionen Samen von Pflanzen sollen bei minus 18 Grad eingelagert werden. Im Ernstfall kann mit diesen tiefgefrorenen Samen die Flora der Welt wieder reproduziert werden. Zum Beispiel nach einer Apokalypse.

Was derzeit auf der Insel Svalbad in Norwegen vor sich geht, könnte aus einem Science-Fiction-Roman entstammen: Die Norwegische Regierung lässt mehrere Hallen ins ewige Eis fräsen. Ihr Ziel: Ein Lager für über drei Millionen Pflanzensamen anzulegen. Nach einem atomaren Angriff, einer Klimakatastrophe oder einer Epidempie soll mit Hilfe dieses pflanzlichen Mega-Gedächtnisses die Flora der Welt reproduziert werden können.

Arktische Samenkammer

Bauarbeiter frästen in den vergangenen Monaten Tunnel in die Erde, die sich über 120 Meter erstrecken. Jeweils fünf Meter breit und hoch sind die Gänge, die in den eiskalten Fels getrieben werden.

Nun haben die Ingenieure mit der Kühlung der Tiefkühl-Schatztruhe begonnen. Auf minus 18 Grad Celsius sollen die unterirdischen Hallen heruntergebracht werden - kalt genug, um die Pflanzensamen einzulagern und zu konservieren. Fällt der Strom aus, sorgt immer noch der Permafrost für Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Der Permafrost-Tresor wird vom Global Crop Diversity Trust (GCDT) gebaut und betreut, einer internationalen Non-Profit-Organisation zum Erhalt der Kulturpflanzen unter Beteiligung der Vereinten Nationen. Auch die Schweiz zählt zu den Unterstützern des Trusts. Ebenso beteiligt sich das Schweizer Unternehmen Syngenta mit einer Million Dollar am Aufbau der eiskalten Samendatenbank.

«Der perfekte Platz»

Dicke Betonmauern, Folien, luftleer gepumpte Tüten aus Aluminium, Luftschleusen und eine spezielle Schutzhülle um den Tunnel sollen die Feuchtigkeit von den Samen fernhalten, damit sie viele Jahre, Jahrhunderte und gar Jahrtausende überdauern.

«Es ist der perfekte Platz, um die Samen über Jahrhunderte sicher aufzubewahren», sagte Cary Fowler, Direktor des Diversity Trust, der BBC. Zwar zählen die Statistiker der Vereinten Nationen schon mehr als 1400 Samenbanken auf der ganzen Welt - die Schätzung umfasst alle botanischen Archive von der Regalsammlung im Uni-Institut bis hin zu grossen Nationalarchiven.

«Die meisten Saatgutlager sind unzureichend gesichert - im Falle einer Naturkatastrophe oder bei politischen Unruhen sind die Bestände bedroht», sagt Fowler.

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