Mentalhilfe: Eine schöne Psychiaterin für Aegerter
Aktualisiert

MentalhilfeEine schöne Psychiaterin für Aegerter

Nach dem durchzogenen Saisonstart handelt der Schweizer Töffpilot Dominique Aegerter. Der 19-jährige Berner arbeitet mit der ehemaligen Mentaltrainerin von Tom Lüthi zusammen.

von
Klaus Zaugg
Barcelona
Marlies Bernhard: Mit Tom Lüthi im Jahr 2005 in einer Boxengasse. (Bild: Keystone)

Marlies Bernhard: Mit Tom Lüthi im Jahr 2005 in einer Boxengasse. (Bild: Keystone)

«Braucht Dominique Aegerter (19) einen Psychiater», hatte 20 Minuten Online vor gut einer Woche gefragt. Und damit den Kern des Problems des Berner Moto2-Töffstars getroffen. Die Mentaltrainerin Marlies Bernhard kümmert sich jetzt um Aegerter. Die schöne Seeländerin hatte 2005 Weltmeister Tom Lüthi betreut.

Nach dem Debakel beim GP von Holland in Assen (33. im Training/18. im Rennen) rügte Teamchef Alain Bronec die Verkrampfung seines Piloten. Gemäss Bronec gerät Aegerter im Training bei der Suche nach der schellen Rundenzeit zu stark in Stress und verkrampft sich. «Er muss locker bleiben und im Training unter die ersten 20 fahren. Nur so hat er eine Chance auf Klassierungen in den ersten zehn Plätzen.» Tatsächlich hat Aegerter sein bestes Saisonresultat (9.) nach einem 13. Trainingsplatz in Silverstone geholt.

Mentalhilfe wirkte noch nicht

Wenn der ehemalige französische Weltklassepilot (Übername: «Töff-Sarkozy») ein Problem erkannt hat, dann handelt er rasch. Beim GP von Katalonien in Barcelona waren erstmals Aegerters langjähriger Physiotherapeut René Schürch plus die neue Mentaltrainerin Marlies Bernhard vor Ort. Die Seeländern ist im Fahrerlager und im Schweizer Sport legendär. Sie hat Tom Lüthi in der Saison 2005 betreut und die SCL Tigers im Abstiegskampf von 2007. Lüthi ist Weltmeister geworden und die Tiger sind nicht abgestiegen.

Die Präsenz von Schürch und Bernhard hat Aegerters Selbstvertrauen in Barcelona gestärkt: 26. im ersten, 10. im zweiten freien Training und 16. im Abschlusstraining: Das zweitbeste Trainingsresultat der Saison. Doch die Früchte der neuen Zusammenarbeit konnte er nicht ernten. Es rumpelte schon in der ersten Runde. Es kam zu einem Domino-Effekt: Der gefürchtete Bruchpilot Alex Debon rempelte Mike Di Meglio aus dem Sattel, DiMeglio holte Aegerter von der Maschine und Aegerter brachte Roberto Rolfo zu Fall. Schliesslich lagen neun Piloten im Staub, darunter auch Aegerters Teamkollege Shoya Tomizawa, der nach diesem Unfall und «Nuller» seinen zweiten Platz im WM-Gesamtklassement an Tom Lüthi abgeben musste. «Ich hatte gar keine Chance. Hinterher konnte ich die Maschine wieder aufstellen und trotz kaputter Verschalung in die Box zurückfahren. Wir haben dann im Team entschieden, das Rennen nicht mehr fortzusetzen», schildert Aegerter 20 Minuten Online das Missgeschick.

Es war Aegerters zweiter Rennsturz in dieser Saison (nach Le Mans) und zum zweiten Mal war er das unschuldige Opfer von Konkurrenten, die zu hohe Risiken eingingen. «Es ist wirklich schade. Ich hatte einen guten Start und wenn ich die Rundenzeiten sehe, die dann gefahren worden sind, hätte es wohl für einen Platz unter den ersten zehn gereicht.»

Immerhin hatte er Glück im Unglück und ist ohne Verletzungen davongekommen. Debon dagegen musste mit schweren inneren Verletzungen nach Barcelona ins Spital überführt werden.

Deine Meinung