«Politically Incorrect»: Eine schrecklich hasserfüllte Familie
Aktualisiert

«Politically Incorrect»Eine schrecklich hasserfüllte Familie

Schweizer und deutsche Rechtsaussen spannen zusammen, um gemeinsam gegen den Feind vorzugehen: Mit Propaganda und Pauschalisierungen machen sie Front gegen die «Fremden».

von
Philipp Dahm

«In Deutschland und dem übrigen Europa arbeiten Juden seit Jahrzehnten beharrlich und mit immer grösserem Erfolg an der Übernahme unseres Kontinents. Das zentrale Ziel des Judentums ist die Weltherrschaft. Diesem Ziel ist das GESAMTE ‹religiöse› Leben des Judentums untergeordnet. In Anbetracht der verfassungswidrigen Ent-Ethnisierung der deutschen Bevölkerung halte ich daher die Zeit für gekommen, die schonungslose Anwendung des Widerstandsrechts (und der Widerstandspflicht) aller Deutschen auszurufen! Das Widerstandsrecht erlaubt diesen Kampf ausdrücklich mit allen Mitteln, auch bewaffnet. Bürger Deutschlands! Polizeien Deutschlands! Soldaten und Offiziere Deutschlands! Erhebt euch!»

Sammellager für Hassprediger und Agitatoren

Was sich liest wie die (grammatikalisch falsche) Standard-Propaganda aus dem Dritten Reich ist in Wahrheit ein Aufruf vom 8. April 2011, der auf «Politically Incorrect» (PI) veröffentlicht wurde. Die Seite ist ein Sammellager für Hassprediger und Agitatoren, aber nicht für Antisemiten. Im obigen Gewaltaufruf von «Michael Mannheimer» wurden die Begriffe Muslime und Islam durch Juden und Judentum ausgetauscht: Was den Knüppel-Jargon angeht, brauchen sich moderne Rechtsaussen nicht hinter Alt-Nazis zu verstecken. Leider zählen auch Schweizer Schäfchen und Hirten zu jener Gemeinde, die zum Dschihad gegen den Islam bläst: Ein Politiker und eine Pfarrerin sind willige Helfershelfer der «Anders-Nazis».

Das überlieferte Faschistenbild passt nicht zu der Gruppe, weil die sich oberflächlich von Antisemitismus und Antiamerikanismus distanziert. Was sie zusammenhält, ist der Hass auf den Islam, der durch ihr Sprachrohr «PI» verbreitet wird. Stefan Herre gründete das Portal im November 2004 als Fanseite für George W. Bush. 2007 will er die Leitung Christine Dietrich übertragen haben, die in der Gemeinde Siselen BE tätig ist, doch Recherchen der «Frankfurter Rundschau» und der «Berliner Zeitung» ergaben, dass das deutsch-schweizerische Duo gemeinsame Sache gegen Muslime machte. Unter ihrer Führung mauserte sich das Portal zum Sammelbecken für rechtsgerichtete Organisationen wie «Die Freiheit» und «PRO»-Bewegung (siehe Bildstrecke).

Das Manifest des Attentäters

«Türkenfritz» und «Kopftuchschlampe»

Aus der NS-Darstellung des Juden mit der Hakennase wird bei «PI» der Muslim mit der Schweinenase, den Europa vom Kontinent vertreibt. Andersgläubige werden als «Kopftuchschlampe», «Türkenfritz» oder als «muslimisch-osmanische Verbrecherhorden» beschimpft, während ihre Kritiker als «Vaterlandsverräter», «Gutmenschen» oder «linke Geier» abgestempelt werden. Das Portal habe «sektenähnlichen Charakter», sagte Aussteiger Jens von Wichtingen 2007: «Man lebt in seiner eigenen Welt. Gut und Böse. Schwarz und Weiss. Man steigert sich in einen… Wahn.» Wohin solcher Wahn führen kann, bewies ein norwegischer Attentäter, der am 22. Juli aus seiner anti-islamischen Haltung heraus 69 Menschen tötete.

Obwohl Anders Breiviks Meinungen explizit auf «PI» vertreten werden, bemühte sich Gründer Stefan Herre eiligst, seiner missionarischen Gemeinde den Mund zu verbieten, weiss die «Frankfurter Rundschau». Bei Fragen zu dem Massaker müssten sich die Autoren klar von jeglicher Gewalt distanzieren und zum Grundgesetz bekennen, um nicht als geistige Brandstifter zu gelten. Seine Schweizer Mitstreiterin Dietrich gab aber selbst zu, dass das Gedankengut des Täters «auch in diesem Forum stehen» könnte. Inzwischen hat sich die Pfarrerin vordergründig von dem Hassportal losgesagt. «Ich distanziere mich hiermit offiziell von Politically Incorrect», sagte sie dem «Tages-Anzeiger».

«Noch nicht wahrgenommen, dass das ein Problem ist»: Christine Dietrich im November 2009 bei einem Interview anlässlich des Besuchs des islamkritischen Schriftstellers Robert Spencer. Spencer wurde von Anders Breivik in dessen «Manifest» 162-mal zitiert. Quelle: YouTube

Keine Blatt passt dagegen zwischen Oskar Freysinger und PI: Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Berlin mit dem niederländischen Scharfmacher Geert Wilders sprach auch das «Schweizer Urgestein», wie auf «PI» nachzulesen ist: «Der Schweizer Nationalrat monierte, dass man ganz ernsthaft versuche, die tickende Zeitbombe der gefährlichen islamischen Weltanschauung mit immer mehr Sozialhilfe-Zuwendungen einzudämmen», lobt das Portal den SVP-Mann. «Diese Rede des Schweizer Freiheitskämpfers wird mit Sicherheit einmal als historisch gewertet werden.»

Freysingers Rede in Berlin am 3. September 2011. Quelle: YouTube

Wohin solche Reden und die Beschwörung der «muselmanischen Gefahr» führen, zeigt sich auch in Anschlägen auf Moscheen. Mit Schmierereien, Schweineblut oder Kot werden Gotteshäsuer geschändet: Der Online-Dienst «heise» schreibt von einer «schleichenden Kristallnacht» und spielt damit auf den November 1938 an, als Nazis 1406 Synagogen zerstörten.

Ein Bericht des Satiremagazins «Quer» vom «Bayerischen Rundfunk» über PI. Quelle: YouTube

«Islam ist keine Religion, sondern eine intolerante Ideologie»: Nach Robert Spencer halten die «Freiheit»-Parteimitglieder Rene Stadtkewitz und Marco Pino (PI-Name «Frank Furter») am 11. Septemer 2011 in New York eine Rede (Quelle: YouTube).

Ein «Kulturzeit»-Bericht über PI mit einem Interview mit Henryk Broder. Quelle: YouTube

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