Aktualisiert 16.04.2012 14:18

Juan «Bumbum» Carlos

Eine schrecklich schiesswütige Familie

Juan Carlos wollte auf Safari Elefanten jagen, als er sich die Hüfte brach. Zuvor hatte Spaniens König und WWF-Ehrenpräsident schon Bären erlegt - und auch sein Bruder und sein Enkel wurden getroffen.

von
phi

Blöd gelaufen, Juan Carlos. Am Freitag, den 13. April, ist der König von Spanien auf der Treppe einer Jagdhütte in Botswana gestürzt. So ein Pech! Der 74-Jährige brach sich die Hüfte, die am Folgetag in einem Spital in Madrid durch eine Prothese ersetzt wurde. Doch der Monarch ist noch lange nicht über den Berg: Während es medizinisch keine Komplikationen gibt, steht das Image Juan Carlos' seit seiner Safari schwer unter Beschuss.

Das Volk leidet derzeit nämlich schwer an der europäischen Krise. Knapp 23 Prozent der Spanier sind arbeitslos, bei den Jugendlichen sucht sogar knapp jeder Zweite eine Beschäftigung. Der König widmet sich unterdessen seiner Lieblingsbeschäftigung: Der Jagdausflug nach Botswana kostet laut spanischen Tageszeitung «El País» knapp 53 000 Franken. Seine Untertanen verdienen im Jahr im Durchschnitt die Hälfte davon. «Man kann nicht sagen, dass die Tausenden jungen Menschen ohne Arbeit das Staatsoberhaupt um seinen Schlaf bringen», sagte Cayo Lara von der Vereinigten Linken.

WWF? Schuss in den Ofen!

Für Empörung sorgt ausserdem, dass Juan Carlos Ehrenpräsident der spanischen Sektion der Umweltorganisation WWF ist, die Elefanten als bedrohte Art einschätzt. «Er hatte eine Genehmigung», versuchte Jeff Ramsay den Jagdtrieb seines Vorgesetzten zu verteidigen. Kein Wunder, dass der Regierungssprecher diesen Umstand so betont: 2004 soll der Royal nämlich mit anderen Blaublütern und Bonzen wilde Bären erlegt haben, die unter Schutz standen. Der Tatort: die rumänischen Karpaten.

Unter der Führung des früheren Tennis-Managers Ion Tiriac, der Boris Becker unter seinen Fittichen hatte, schoss die Gruppe demnach 185 Bären, obwohl nur 550 insgesamt in dem Gebiet leben: Die Abschussquote ist mehrfach übertroffen worden. Auf Juan Carlos' Konto sollen neun tote Tiere gehen, berichtete damals «Radio Free Liberty Europe». Unter seinen Trophäen war demnach auch eine trächtige Bärin. WWF hatte die Jagd damals kritisiert, doch der Einspruch störte den Ehrenpräsidenten der Organisationen offenbar nicht.

Promille-Bär und Tolpatsch-Enkel

2006 wurde kolportiert, dass Juan Carlos einen Bären in der russischen Vologda-Region getötet habe. Der lokale Jagdsaufseher Sergei Starostin schrieb an die Zeitung «Kommersant», dass ein zahmer Bär namens Mitrofan erst mit Honig und Wodka abschussreif gemacht und dann in einem Revier ausgesetzt worden sei, wo er zur königlichen Beute wurde. «Natürlich war das schwer angetrunkene Tier ein einfaches Ziel. Seine Hoheit Juan Carlos tötete Mitrofan mit einem Schuss.» Das Königshaus dementierte diese Meldung.

Ebenfalls im Jahr 2006 war Juan Carlos schon einmal in Botswana auf Safari. Ein Erinnerungsfoto davon zeigt ihn vor einem erlegten Elefanten (siehe Bildstrecke).

Der Jagdtrieb scheint den spanischen Royals im blauen Blut zu liegen. Erst vor wenigen Tagen hatte sich ein Enkelkind des Königs in den Fuss geschossen. Der 13-jährige Felipe Juan Froilán erholt sich derzeit in einem Krankenhaus, nachdem er am 9. April auf einem Landsitz seines Vaters mit einer kleinkalibrigen Waffe hantiert hatte, aus der sich schliesslich ein Schuss löste.

Todesschuss im Kinderzimmer

Das Staatsoberhaupt kennt diese Szene aus eigener Erfahrung. Als seine Familie noch im portugiesischen Exil in Estoril weilte, endete ein ähnlicher Unfall tödlich. Der damals 14-jährige Prinz Alfonso und der 18-jährige Juan Carlos waren alleine in einem Zimmer, als der Jüngere angeblich beim Reinigen einer Waffe in den Kopf getroffen wurde. Eine Untersuchung der Tragödie gab es trotz Forderungen von Carlos' Onkel Juan de Borbón nie. Die Todeswaffe versenkte Exilkönig Juan de Borbón höchstpersönlich im Meer.

Kopfschuss: So wirbt «Rann Safaris» für die Elefantenjagd in Botswana. Quelle: YouTube (phi/dapd)

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