23.07.2014 10:13

«Club» auf SRF

Eine sehr, sehr brave Diskussion über Sex

Der «Club» nahm sich gestern die Sexsucht zur Brust. Doch trotz des heissen Themas wehte bloss ein laues Lüftchen durchs TV-Studio.

von
cat

Ab wann werden die ständigen Gedanken an Sex zum Problem - und was kann man dagegen tun? Im gestrigen «Club» nahm sich eine Expertenrunde unter der Leitung von Karin Frei des Themas Sexsucht an.

Und der Talk geriet allzu brav. Für einmal kam jeder zu Wort, der wollte. Und ausreden durften die Experten und der zugeschaltete Betroffene Gilles auch. Sexsucht scheint nicht eines der Probleme zu sein, das zu leidenschaftlichen Diskussionen anregt. Auf dem runden Sofa im TV-Studio tat sich genauso wenig wie im Gesicht von Moderatorin Frei.

Sexsucht als Krankheit gibt es nicht

Was ist das eigentlich, Sexsucht? Und gibt es sie überhaupt? Darüber diskutierten im Studio Martin Bachmann, Männerberater «Mannebüro Züri» und Sexualberater, Sexologin Esther Schütz, Sexcoach Maggie Tapert und Psychotherapeut Franz Eidenbenz.

Dass Sexsucht nicht anhand von objektiven Kriterien diagnostizierbar ist, versetzte der Talkrunde gleich zu Beginn den Todesstoss. Sexsucht als Krankheit gebe es nicht, sagt Sexologin Schütz. Immerhin gabs nach fünf Minuten ein erstes Fazit: Männer sind deutlich öfter betroffen als Frauen. Wer hätte das gedacht! Und Sexcoach Maggie Tapert bringt auf den Punkt, was wir insgeheim schon immer befürchtet haben: Männer masturbieren zu viel, Frauen zu wenig.

Nina Hagen macht sichs selbst

Auch wenn sich Männer gern und oft liebevoll ihres Geschlechtsteils annehmen, sei dies auch 2014 noch ein Tabu. «Alle kriegen rote Ohren, wenn man über Selbstbefriedigung spricht», sagt Bachmann über seine Erfahrungen aus dem Männerbüro.

Brav plätscherte die gepflegte Diskussion dahin, doch die Sexsucht blieb bis zum Schluss ohne Gesicht. Dafür hätte der Betroffene Gilles sorgen können, doch der wollte anonym bleiben und schaltete sich ab und an per Telefon zu. Auch deshalb blieb der erhoffte Schlagabtausch ein harziger Versuch, Licht ins Dunkel um das komplexe Phänomen zu bringen.

Dass Talks über Sex auch aufregend und kontrovers sein können, bewies Nina Hagens schräger Auftritt in einer ORF-Talkshow im Jahr 1979. Die Punk-Sängerin beschrieb darin sehr anschaulich Techniken der weiblichen Selbstbefriedigung:

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