LKW durchbrach Blockade: «Eine solche Protestaktion ist halt kein Kindergeburtstag»

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LKW durchbrach Blockade«Eine solche Protestaktion ist halt kein Kindergeburtstag»

Renovate Switzerland will den LKW-Fahrer, der die Strassenblockade durchbrochen hat, nicht anzeigen. Stattdessen wollen die Aktivisten ihn zum Kaffee einladen.

von
Lucas Orellano

Hier fährt der Lastwagen durch die Aktivistinnen und Aktivisten.

Twitter/Joel Espi

Darum gehts

Ein LKW ist am Dienstagmorgen durch die Gruppe der Aktivistinnen und Aktivisten von Renovate Switzerland gefahren, die die Autobahnzufahrt Bern Wankdorf blockierten. Die Firma, der der Lastwagen gehört, untersucht den Vorfall intern, wie der Geschäftsführer zu 20 Minuten sagt. Die Polizei hat ebenfalls Abklärungen aufgenommen. Gelassen bleiben dagegen die Aktivistinnen und Aktivisten selber.

«Nein, wir werden ganz sicher nicht einen Mann anzeigen, der in einem Stressmoment eine falsche Entscheidung getroffen hat», sagt Anaïs Tilquin von Renovate Switzerland auf Anfrage von 20 Minuten. Tilquin war selber an der Aktion beteiligt. «Was er gemacht hat, ist nicht richtig, aber die wahren Kriminellen sind unsere Regierungen, die Bürgerinnen und Bürger überhaupt in diese Situation bringen. Indem sie ihren Job nicht machen und die Welt vor dem drohenden Kollaps bewahren.»

«Wir kennen die Risiken»

«Ziviler Widerstand ist kein Kindergeburtstag, sondern etwas, was Menschen aus Verzweiflung angesichts der Ungerechtigkeit tun», sagt Tilquin weiter. «Wir kennen die Risiken, die wir an solchen Aktionen eingehen, ganz genau. Wir tun unser Möglichstes, um das physische Risiko für alle zu reduzieren.»

Nachdem 20 Minuten berichtet hatte, dass die Firma, bei der der LKW-Fahrer angestellt ist, eine interne Untersuchung startete, entschlossen sich die betroffenen Aktivistinnen und Aktivisten, einen Brief zu schreiben. Darin wollen sie darum bitten, dass der Fahrer nicht bestraft wird. «Wir würden uns am liebsten mit ihm treffen und bei einem Kaffee über den Vorfall reden», sagt Tilquin.

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Ein Lastwagen fährt durch die Aktivistinnen und Aktivisten von Renovate Switzerland.

Ein Lastwagen fährt durch die Aktivistinnen und Aktivisten von Renovate Switzerland.

Twitter/Joel Espi
Sein Arbeitgeber will der Sache nun intern nachgehen.

Sein Arbeitgeber will der Sache nun intern nachgehen.

Twitter/Joel Espi
Renovate Switzerland verzichtet auf eine Anzeige.

Renovate Switzerland verzichtet auf eine Anzeige.

Twitter/Joel Espi

Kritik an der Blockade

Zahlreiche Mitglieder der 20-Minuten-Community zeigen sich mit der Message von Renovate Switzerland zwar einverstanden, nicht aber mit der Art des Protestes. «Das ist sehr unintelligent von ihnen», schreibt beispielsweise ein User. «Sie vergessen, dass es Leute gibt, die keine andere Möglichkeit haben, zur Arbeit zu kommen.» Ein anderer: «Dies ist zu 100 Prozent der falsche Weg, andere auf die Probleme aufmerksam zu machen. Diese Aktionen verärgern die Verkehrsteilnehmer und führen eher zum Gegenteil ihres Anliegens.»

Das sieht Tilquin anders: «Wir kreieren keine Konflikte, wir zeigen nur einen, der schon besteht: dass unsere Regierungen uns im Stich lassen. Zum Beispiel: In diesem Sommer litten wir unter grosser Trockenheit, die Flüsse trockneten teilweise fast aus. Wenn wir nicht bald reagieren, wie lange können wir noch Nahrungsmittel herstellen?»

Einsatzkräfte ziehen Demonstrierende von der Strasse.

20min/News-Scout

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