Aktualisiert 27.10.2009 16:36

Zulassung von SnusEine starke Dosis Nikotin - ohne Rauch

Eine neue Form des Tabakkonsums soll sich in der Schweiz ausbreiten: der schwedische Mundtabak Snus. Er sei weniger krebserregend als früher, behauptet die Zigarettenindustrie. Der Bund prüft jetzt eine Zulassung.

von
Lukas Mäder

In Zeiten der Rauchverbote wäre die rauchfreie Zigarette der Hoffnungsschimmer für die Zigarettenindustrie. Bisher hatte noch keines der skurrilen Modelle von Elektro- oder Dampfzigaretten Erfolg. Zu steril erscheint der Konsum. Erlösung für Zigarettenhersteller könnte der Mundtabak Snus bringen, wie er sich in Schweden schon seit Jahrzehnten grosser Beliebtheit erfreut. Heute ist Snus in der Schweiz nur zum Eigenkonsum erlaubt, der gewerbsmässige Import und der Handel sind verboten. Das könnte sich ändern: Eine Ende September eingereichte Interpellation von FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen (BE) will vom Bundesrat wissen, welche gesundheitlichen Risiken durch Snus entstehen und welche rechtlichen Hindernisse Handel und Vertrieb in der Schweiz entgegenstehen.

Schwedens Raucherquote als Argument

Als Argument dafür, die Zulassung von Snus zu prüfen, führt Wasserfallen Schweden an, wo der Mundtabak im Unterschied zu den übrigen EU-Ländern erlaubt ist. Das skandinavische Land hatte sich Mitte der 1990er-Jahre bei den Beitrittsverhandlungen eine Ausnahmeregelung erstritten. Dort sei der Mundtabak eine Alternative zum Rauchen, schreibt Wasserfallen in der Begründung. Als Folge davon habe das skandinavische Land die europaweit tiefste Raucherquote sowie die niedrigste Rate an Lungenkrebserkrankungen.

Tatsächlich rauchten 2006 nur 13 Prozent der schwedischen Männer und 17 Prozent der Frauen täglich. In der Schweiz rauchten 2008 hingegen 30 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen. Dass in Schweden Männer weniger rauchen als Frauen, hat mit dem Snus-Konsum zu tun. 24 Prozent der Männer konsumieren täglich Snus, bei den Frauen sind es weniger als 5 Prozent. Der markante Rückgang der Raucherquote in Schweden seit 1980, als sie noch bei rund 30 Prozent lag, stimmt zeitlich überein mit einem Anstieg des Snus-Konsums. Bezüglich des Risikos von Mundkrebs unterscheidet eine Studie der Europäischen Kommission zwischen den Herkunftsländern. In den USA würde ein starker Zusammenhang zwischen dem Konsum von Mundtabak und Mundkrebs bestehen, schreiben die Autoren. «In Schweden sind die Belege für ein erhöhtes Risiko weniger klar.»

Auf diesen Umstand stützt sich die Zigarettenindustrie, die mit ihrem Lobbying dafür sorgt, dass die Snus-Zulassung in Europa ein Thema ist. So wirbt British American Tobacco (BAT) in Deutschland mit Inseraten für eine Zulassung des schwedischen Tabakprodukts. Und in der Schweiz steht BAT im Kontakt mit Politikern wegen diesem Anliegen. Der Konkurrent Philip Morris hat sich ebenfalls in Position gebracht, um sich mit Snus-Produkten eine neue Geldquelle zu erschliessen. Im Februar hat sich der Konzern mit dem Snus-Hersteller Swedish Match auf ein Joint Venture geeinigt, um gemeinsam weltweit Mundtabakprodukte zu vermarkten.

Snus 1995 wegen Krebsgefahr verboten

Die Diskussion um Snus ist nicht neu. Anfang 1988 prüfte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Zulassung des Feuchttabaks, der zwischen Oberlippe und Zähne gesteckt wird, und äusserte gesundheitliche Bedenken. In den Medien erregte das Tabakprodukt vor allem als Droge der Eishockeyspieler Aufsehen. Der Eishockeyverband überlegte sich ein Verbot, da nicht zuletzt auch jugendliche Spieler das Snus konsumierten. Mitte 1995 verbot die Schweiz im Rahmen des neuen Lebensmittelrechts Import und Verkauf von Snus. Die damalige Begründung des BAG: Snus führe sehr schnell zu Mundkrebs.

Heute schätzt zwar das BAG den Konsum von Snus als weniger gesundheitsschädigend ein als das Rauchen von Zigaretten. Trotzdem weist es auf Gefahren hin: Das Nikotin mache abhängig. Krebserregende Stoffe könnten Krebs im Mundbereich oder der Bauchspeicheldrüse verursachen. Der Mundtabak könne das Zahnfleisch und die Mundschleimhaut schädigen. Zudem können Entzündungen entstehen, wo Snus auf die Mundschleimhaut gelangt. Deshalb rät das Bundesamt auch vom Konsum von Snus ab. Ob das BAG Einwände gegen eine Zulassung des Mundtabaks hat, will Sprecherin Karine Begey nicht sagen: «Bis die Antwort zur Interpellation Wasserfallen vorliegt, kann sich das BAG dazu nicht äussern.»

Lesen Sie auch das Interview mit dem Geschäftsführer von British American Tobacco, Ralf Wittenberg, über Snus und Rauchverbote: «Snus könnte die Risiken des Rauchens vermindern»

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