Aktualisiert 01.04.2010 16:08

Affäre GaddafiEine Stunde frische Luft für Max Göldi

Die Libyen-Geisel Max Göldi sitzt seit dem Wochenende in einer fensterlosen, feuchten und stinkenden Zelle. Nun durfte er für kurze Zeit im Gefängnishof Luft schnappen.

Max Göldi, der in Libyen eine viermonatige Strafe absitzt, war am Wochenende in eine Zelle ohne Frischluft versetzt worden. Am Montag war ihm der Hofgang verweigert worden. Nur am Dienstag durfte er eine Stunde lang im Gefängnishof Luft schnappen, sagte Daniel Graf, Sprecher von Amnesty International, am Donnerstag. Die Atempause sei dem Mann sehr willkommen gewesen.

Göldi werde vom Gefängnispersonal anständig behandelt. Seine Gesundheit, die eine Zeitlang Anlass zur Sorge gab, habe sich verbessert, sagte Graf. Der Gefangene habe indessen immer noch keinen direkten Zugang zu warmem Wasser. Amnesty verfügt zurzeit über keinen Hinweis, dass Göldis Gefangenschaft bald ein Ende finden könnte.

Die libyschen Behörden begründeten Göldis Verlegung in das feuchte und fensterlose und übelriechende Verlies mit Sicherheitsbedenken. Seine vorherige Zelle liege in einem Trakt, in den 90 Schwerkriminelle verlegt werden sollten, hiess es. Die Gefängnisleitung versicherte Göldis Anwalt, sie werde das Nötige zur Verbesserung der Lage des Gefangenen vorkehren. An sechs Tagen pro Woche erhält er Besuch von einem Botschaftsvertreter.

Wieder Wirbel um Hannibal Gaddafi

Unterdessen sorgte Hannibal Gaddafi für neuen Wirbel. Bei einem Besuch in einem Istanbuler Nobelclub kam es zu Handgreiflichkeiten. Personenschützer Hannibals hätten einen vor dem Nachtclub wartenden Fotoreporter attackiert und geschlagen, berichteten türkische Zeitungen am Donnerstag.

Zu dem Handgemenge sei es gekommen, weil der Fotograf der Zeitung «Hürriyet» seine Kamera nicht herausgeben wollte. Selbst als türkische Polizisten eingriffen, habe der Journalist nicht nachgegeben. «Seit ihr Gaddafis Polizei?», habe er wütend gerufen. Hannibal war mit seiner Begleiterin in dem für Bauchtanz und nahöstliche Speisen bekannten Club.

Bei Auslandsreisen sind bereits mehrere Gaddafi-Söhne oder ihre Personenschützer in Schlägereien und Festnahmen verwickelt gewesen. Die zeitweise Festnahme Hannibals im Juli 2008 in Genf löste immer noch anhaltende Spannungen aus. Hannibal wird vorgeworfen, Angestellte misshandelt zu haben.

Der libysche Diktator Muammar al-Gaddafi liess kurz darauf die Schweizer Geschäftsleute Max Göldi und Rachid Hamdani festnehmen. Hamdani konnte den Wüstenstaat verlassen, Göldi büsst eine viermonatige Haft wegen Visavergehen ab.

(sda)

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