12.08.2020 06:43

Pensionär«Eine Sucht nach Aufmerksamkeit» – heftige Kritik an Daniel Koch

Dem ehemaligen BAG-Delegierten Daniel Koch wird vorgeworfen, sich nach seiner Pensionierung zu häufig in den Mittelpunkt zu drängen. Er selbst reagiert jedoch gelassen.

von
Claudius Seemann

Darum gehts

  • Daniel Koch ist trotz Pensionierung kaum von der Bildfläche verschwunden und noch häufig in den Medien präsent und erteilt der Politik Ratschläge.
  • Für manche zu viel: Kritiker werfen ihm nun «Selbstdarstellerei» vor.
  • Koch selbst sagt, er habe sich immer für die Sache eingesetzt.

Ob auf Instagram, als Gast in Fernsehshows oder Experte in den Zeitungen: Obwohl der ehemalige BAG-Delegierte Daniel Koch seit Ende Mai pensioniert ist, ist er in der Öffentlichkeit immer noch sehr präsent. So sprach er sich vor wenigen Tagen dafür aus, die Begrenzung der Besucher von Grossveranstaltungen aufzuweichen.

Neben zahlreichen Interviews im Ruhestand gründete er zudem eine eigene Consulting-Firma, schreibt zurzeit ein Buch und nahm ein Beratermandat beim SC Bern an.

«Nutzt Popularität aus»

Jetzt mehren sich die Stimmen, denen die häufigen Auftritten von «Mr. Corona» zu viel werden. So etwa der grünen Nationalrätin Greta Gysin aus dem Kanton Tessin. Gegenüber dem Newsportal Ticino-libero.ch sagt sie, es habe «etwas Krankhaftes», wie Koch trotz Pensionierung noch im Mittelpunkt stehen wolle und medial präsent sei. Zu 20 Minuten sagt sie: «Es scheint fast eine Sucht nach Aufmerksamkeit: Herr Koch will in den Medien präsent sein und im Gespräch bleiben.»

Der ehemalige BAG-Delegierte sei eine wichtige Figur in der Corona-Krise gewesen, doch seit seiner Pensionierung dränge sich Koch regelrecht an die Öffentlichkeit, so die Grünen-Politikerin. «Koch nutzt seine Popularität in dieser Krise aus.» Daraus Kapital zu schlagen und sich vorzudrängen, sei aber nicht angezeigt, findet Gysin, gerade auch in Hinblick auf seine neue Beratungstätigkeit. Sie fände es besser, wenn sich Koch etwas mehr aus der Öffentlichkeit zurückziehen würde: «Er muss nicht zu jedem neuen Entscheid Stellung beziehen, das führt zu noch mehr Verwirrung in der Bevölkerung. Wieso hat er das Bedürfnis dazu?», fragt sich die Tessinerin.

Twitter-Gemeinde nervt sich

Auch auf Twitter häufen sich die kritischen Kommentare gegenüber Koch. «Daniel Koch nervt jetzt», schreibt ein User.

Andere Twitterer sprechen von «Selbstdarstellerei von Daniel Koch» und finden, dass man ihm vorübergehend keine Medienpräsenz mehr geben solle.

Bundesrat Alain Berset wollte sich in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» kein Urteil über die Rolle seines ehemaligen Mitarbeiters fällen: «Was soll ich da sagen? Er ist pensioniert. Jetzt darf er tun, was er will.» Dass Koch die Bestimmungen für Grossveranstaltungen lockern will, ist laut Berset dessen eigene Meinung.

«Könnte ohne diesen Hype leben»

Daniel Koch stört diese Kritik nicht, wie er gegenüber 20 Minuten sagt. «Es geht und ging mir immer um die Sache und nicht darum, ob ich finanziell oder öffentlich davon profitiere.» Er sehe keinen Grund, dass er sein Fachwissen vorenthalten soll, wenn man ihn anfrage.

Das Problem der Coronavirus-Bekämpfung sei noch nicht vorbei. Wenn immer er sehe, dass er etwas beitragen könne, dann mache er es auch: so etwa mit den Instagram-Videos. «Ich habe Instagram gewählt, weil es die junge Generation anspricht. Gerade in dieser Altersgruppe haben wir bei den Neuinfektionen nämlich zurzeit das grösste Problem», so Koch.

Er selbst sei aber überhaupt nicht süchtig nach Aufmerksamkeit. «Ich könnte sehr gut auch ohne diesen Hype leben», versichert Koch. Dass eine gewisse Müdigkeit herrscht, kann er verstehen: «Ich begreife jene absolut, die finden, sie hätten genügend von mir gesehen.» Man könne es aber nie allen recht machen. «Wer mich nicht sehen und nichts von mir hören will, muss auch nichts von mir lesen.»

Auf Twitter wird Daniel Koch jedoch auch verteidigt: So etwa von Arena-Moderator Sandro Brotz.

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