«Sehr schädlich für den Fussball» - CEO der Swiss Football League kritisiert die Superliga-Pläne scharf
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«Sehr schädlich für den Fussball»CEO der Swiss Football League kritisiert die Superliga-Pläne scharf

Fussball-Europa erschüttert ein Erdbeben. Zwölf Topclubs wollen eine Superliga gründen. Verbände, Spieler und Fans sind erzürnt. Auch Claudius Schäfer, der CEO der Swiss Football League, kritisiert die Pläne scharf.

von
Nils Hänggi
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Claudius Schäfer hält gar nichts von einer Superliga. 

Claudius Schäfer hält gar nichts von einer Superliga.

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Im Interview sagt er: Die Pläne widersprechen jeglichen Werten, die wir eigentlich vorleben. Es geht nur noch um das kommerzielle Produkt Fussball. Nur noch darum, dass die Clubs ihre riesigen Schulden mit dem vielen Geld aus der Superliga tilgen können.»

Im Interview sagt er: Die Pläne widersprechen jeglichen Werten, die wir eigentlich vorleben. Es geht nur noch um das kommerzielle Produkt Fussball. Nur noch darum, dass die Clubs ihre riesigen Schulden mit dem vielen Geld aus der Superliga tilgen können.»

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Und: «Das ist sehr schädlich für den Fussball.»

Und: «Das ist sehr schädlich für den Fussball.»

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Darum gehts

  • Claudius Schäfer, der CEO der Swiss Football League, kritisiert die Superliga-Pläne scharf.

  • Im Interview mit uns spricht er über die Folgen, die eine solche Liga haben könnte.

  • Und sagt, dass der Schweizer Fussball weiter abgehängt werden könnte.

Herr Schäfer, was halten Sie von der Superliga?

Claudius Schäfer: Die Pläne widersprechen jeglichen Werten, die wir eigentlich vorleben. Es geht nur noch um das kommerzielle Produkt Fussball. Nur noch darum, dass die Clubs ihre riesigen Schulden mit dem vielen Geld aus der Superliga tilgen können. Für den internationalen Club-Fussball sind die Pläne absolut verheerend, aber natürlich auch für den nationalen. Insbesondere die Ligen in England, Spanien und Italien sind derzeit betroffen.

Weshalb?

Im Vorfeld äusserten sich die Ligen stets dahingehend, dass sie Clubs, die an einer Superliga teilnehmen, ausschliessen würden. Monatelange Rechtsstreits wären die Folge. Denn die Clubs wollen sicherlich nicht freiwillig aus den heimischen Ligen ausscheiden. Kurz: All das ist sehr schädlich für den Fussball!

Sollte die Superliga kommen, was könnte das für Folgen für die Super League haben?

Auch für die Schweiz hat eine Superliga Auswirkungen. Schweizer Clubs nehmen schliesslich an internationalen Wettbewerben der Uefa teil. Und diese Wettbewerbe sind bei einer Superliga akut gefährdet. Denn schliesslich finanzieren sich diese zu einem beträchtlichen Teil auch durch die Teilnahme der Topclubs. Für den Zyklus 2021 bis 2023 sind viele TV-Verträge etwa bereits ausgehandelt. Wenn sich die grossen Clubs nun aber zurückziehen, dann müssten die Verträge neu ausgehandelt werden.

Und dann?

Das hätte zur Folge, dass insgesamt massiv weniger Geld im Umlauf wäre in den Wettbewerben. Schweizer Clubs würden das auch bei den Solidaritätsbeiträgen spüren. Zuletzt äusserte sich die Uefa dahingehend, dass diese Gelder, welche zweckgebunden für den Nachwuchsfussball eingesetzt werden müssen, in Zukunft grösser werden. Mit einer Superliga als Konkurrenzprodukt wäre das aber sicherlich nicht mehr der Fall. Vielleicht wären sogar die gesamten Uefa-Clubwettbewerbe gefährdet.

Werden kleinere Fussball-Ligen also immer mehr abgehängt, wenn sich die grossen Clubs zusammenschliessen?

Die Gefahr besteht natürlich – vor allem finanziell. Bei einer Superliga würden sich viele TV-Stationen und Marketingpartner auf dieses Projekt konzentrieren, da vor allem die Fans in den asiatischen und amerikanischen Märkten die attraktivsten, die grössten Clubs sehen wollen.

Sehen Sie gar keine positiven Aspekte?

Die Topclubs müssen sich schon fragen: Wollen sie sich vom lokalen Markt abwenden und nur noch den globalen bedienen? Ich habe nämlich bisher noch keine einzige positive Stimme gehört in Europa. Von keinem Spieler, keinem Medium, keinem Fan. Wenn ja, könnte sich eine Nische für die anderen Clubs auftun. Clubs in fannahen mittelgrossen oder kleinen Ligen, welche die ursprünglichen Werte des Fussballs vorleben. Aber das ist Spekulation. Ich lehne jegliche Pläne einer Superliga entschieden ab.

Was sind die nächsten Schritte der SFL?

Wir als Swiss Football League haben natürlich keine grossen Handlungsmöglichkeiten. Im Netzwerk der «European Leagues» werden wir aber gemeinsam mit der Uefa alles versuchen, um eine Superliga zu verhindern.

«Spieler nicht als Druckmittel nutzen»

Im Streit um eine europäische Super League hat die Spielervereinigung Fifpro davor gewarnt, Fussballer als Druckmittel zu nutzen. «Wir werden uns energisch gegen Massnahmen beider Seiten aussprechen, die die Rechte der Spieler beeinträchtigen würden, beispielsweise den Ausschluss aus ihren Nationalmannschaften», teilte die Fifpro am Montag mit. Der Präsident des europäischen Fussballverbands Uefa, Aleksander Ceferin, hatte angekündigt, Spieler, die mit ihren Mannschaften in der Super League antreten, würden von Europa- und Weltmeisterschaften ausgeschlossen. «Spieler werden weiterhin als Werte und Hebel bei diesen Verhandlungen missbraucht», kritisierte die Fifpro. Dies sei inakzeptabel.

Die Swiss Association of Football Players bläst ins gleiche Horn. «Der vorgeschlagene Schritt könnte die Stärke und Leidenschaft für die nationalen Fussballmeisterschaften beeinträchtigen und das Interesse für die grosse Mehrheit der europäischen Ligen und Fans auf dem gesamten Kontinent negativ tangieren», so Dr. Lucien Valloni, Präsident der SAFP. Und: «Die Spieler dürfen weder für die eine noch für die andere Seite zum Spielball der Interessen degradiert werden.» Die SAFP werde mit den Spielern, dem SFV, der SFL und über die FIFPRO mit anderen Spielergewerkschaften zusammenarbeiten, um die besten Interessen des Fussballsports zu vertreten. (nih)

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