Farbproben beanstandet: «Eine Tätowierung ist eine Zeitbombe»
Aktualisiert

Farbproben beanstandet«Eine Tätowierung ist eine Zeitbombe»

Juckreiz, Nesselfieber, Lungenkrebs – die Folgen von Billigfarben in Tätowiertinte können gefährlich sein. Tätowierer kümmert dies wenig. Denn fehlbare Studios werden nicht gebüsst.

von
Janko Skorup
«Eine Tätowierung ist eine Zeitbombe»: Je farbenfroher ein Tattoo, desto grösser sind mögliche gesundheitliche Risiken.

«Eine Tätowierung ist eine Zeitbombe»: Je farbenfroher ein Tattoo, desto grösser sind mögliche gesundheitliche Risiken.

Die Kantonslabore Basel-Stadt und Aargau schlagen Alarm: Von 26 geprüften Tätowier­tinten sind 22 beanstandet worden – eine Quote von satten 85 Prozent. Unter anderem wurden verbotene Farbpigmente und krebserregende Verunreinigungen wie Polyaromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden. «Diese entstehen bei der Herstellung und kommen etwa auch in Autopneus vor», sagt der Basler Kantonschemiker Urs Hauri. «Vor allem schwarze Farben werden durch unvollständige Verbrennung von Öl- und Gasgemischen hergestellt. Wenn das schlecht gemacht wird, enthalten sie PAK.»

Chemikalien lebenslang ausgesetzt

Das kann gefährlich enden: Laut Reinhard Dummer, Dermatologe am Unispital Zürich, können PAK Leukämie, Lungen- oder Darmkrebs verursachen. Er warnt: «Eine Tätowierung ist eine Zeitbombe.» Denn unter Umständen sei der Träger den giftigen Chemikalien lebenslang ausgesetzt.

Fehlbare Studios werden nicht gebüsst

Trotzdem haben Tattoo-Studios offenbar nichts gelernt. Denn obwohl Kontrollen schon 2009 und 2011 diverse Mängel aufgezeigt haben, gibt es noch immer Verstösse gegen die Vorschriften des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Und dafür werden sie nicht einmal gebüsst: Fehlbare Tattoo-Studios müssen lediglich die Analysekosten bezahlen. Laut Luc Grossenbacher, Präsident des Verbands Schweizerischer Berufstätowierer, fehlen Bussen und regelmässige Kontrollen. «Da muss auf Bundesebene etwas geschehen», sagt er. Das BAG plant aber «keine zusätzlichen Massnahmen». Kontrolle sei Sache der Kantone.

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