«Waggis-Waage»: Eine Tonne Wurfmaterial pro Tag an der Fasnacht

Aktualisiert

«Waggis-Waage»Eine Tonne Wurfmaterial pro Tag an der Fasnacht

130 Wagencliquen rollen an der Fasnacht durch die Basler Strassen. Mit dabei: tonnenweise Wurfmaterial. Ein Augenschein bei der Alte Bäbeli Clique 1947.

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Die elf Waggis der Alti Bäbeli Clique 1947 um Obmann Marc Emmenegger (oben Mitte). Rund zwei Tonnen Wurfmaterial laden sie in zwei Fasnachtstagen auf den Wagen.

Die elf Waggis der Alti Bäbeli Clique 1947 um Obmann Marc Emmenegger (oben Mitte). Rund zwei Tonnen Wurfmaterial laden sie in zwei Fasnachtstagen auf den Wagen.

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Die Abdeckungen um die Räder sollen Unfälle vermeiden. Die Sicherheit hat laut Emmenegger an der Fasnacht oberste Priorität.

Die Abdeckungen um die Räder sollen Unfälle vermeiden. Die Sicherheit hat laut Emmenegger an der Fasnacht oberste Priorität.

Christian Kempf
500 Arbeitsstunden hat die Clique in ihren Wagen investiert. Benutzen wird sie ihn an den beiden Cortège-Tagen insgesamt acht Stunden.

500 Arbeitsstunden hat die Clique in ihren Wagen investiert. Benutzen wird sie ihn an den beiden Cortège-Tagen insgesamt acht Stunden.

Christian Kempf

Jeder kennt sie. Aber keiner schaut sie. Angeblich. Sendeformate wie «Bauer sucht Frau», in denen verzweifelte Junggesellen den Gang ins Fernsehen als letzte Chance auf die grosse Liebe sehen. Diesem Thema widmet sich dieses Jahr an der Fasnacht die Alte Bäbeli Clique 1947. Elf Waggis beglücken am Cortège die Zuschauer als willige «Waggöösen», wie sie die weiblichen Waggis nennen, in ihrem fahrenden Bauernhäuschen – mit tonnenweise Geschenken.

Am Sonntagabend wird das Wurfmaterial auf den Wagen gepackt. Für die beiden Tage hat die Alti Bäbeli Clique rund 540 Kilogramm Räppli, je eine halbe Tonne Süssigkeiten und Orangen, weitere 500 Kilogramm Gemüse und 66 Kilo Mimösli parat. Die Wagen-Cliquen kaufen vieles über die Dachorganisation IG Wagen ein. 111 der 130 Wagen-Cliquen sind in der Interessengemeinschaft zusammengeschlossen.

Deren Einkäufer Christian Schäfer hat für diese Fasnacht Bestellungen für rund zehn Tonnen Orangen erhalten. «Man muss allerdings bedenken, dass nicht alle bei uns einkaufen.» Gesamthaft beobachtet er einen Rückgang der bestellten Ware über die letzten Jahre. Das bestätigt auch Marc Emmenegger, Obmann der Alti Bäbeli Clique: «Dieses Jahr haben wir weniger eingekauft. Wir übergeben die Geschenke lieber persönlich, anstatt sie mit beiden Händen aus dem Wagen zu werfen.»

Ein teurer Spass

Das Vergnügen auf dem Wagen während den «drey scheenschte Dääg» ist nicht nur mit viel Arbeit verbunden, sondern hat auch seinen Preis. «Insgesamt bezahlt jedes Mitglied rund 1000 Franken», rechnet Emmenegger. Auf dem Wagen hat dann jeder seinen festen Platz, an dem er sich einrichten kann. Nicht alle stehen auf dem Wagen. «Jeder interpretiert seine Rolle individuell. Die einen sind mehr auf dem Wagen, die anderen gehen direkt auf der Strasse auf die Leute zu.» Das Interagieren mit den Menschen ist für Emmenegger das Schönste an der Fasnacht als Wagen-Waggis. «Das Geben und die grossen Augen der Kinder sind die Kosten allemal wert.»

Alkohol liegt für ihn an der Fasnacht kaum drin. «Es ist ein Klischee, dass die Waggis immer besoffen sind.» Während des Cortèges sei Alkohol ein absolutes Tabu. Die Möglichkeit eines Unfalls wie vor acht Jahren, als ein 6-jähriger Knabe von einem Wagen überrollt wurde und starb, nimmt Emmenegger sehr ernst. «Wir halten uns strikt an die für Waggis-Wagen geltenden Sicherheitsvorschriften Besibe und gehen immer noch einen Schritt weiter. Nach solch einem Unfall wäre die Fasnacht für mich wohl für immer gestorben.»

IG Wage verlost Goldvreneli

Zum zweiten Mal organsiert die IG der Wagencliquen Basel den Wettbewerb "S goldige Räppli". Fasnachtsbesucher können mit einem SMS an die Nummer 9234, dem Vermerk "Waage" plus der Nummer ihres Lieblingswagens für ihren Favoriten stimmen. Zusammen mit einer Jury werden dann die besten zehn Wagen prämiert. Unter allen Teilnehmern wird ein Goldvreneli im Wert von rund 200 Franken verlost.

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