Ottmar Hitzfeld: «Eine traurige Geschichte für den Verband»
Aktualisiert

Ottmar Hitzfeld«Eine traurige Geschichte für den Verband»

Die Nati testet gegen Deutschland und Rumänien. Einen Tag vor dem Zusammenzug bezieht Trainer Ottmar Hitzfeld zu diversen Themen Stellung. So auch zur Chaos-Meisterschaft 2011/12.

von
Eva Tedesco

Die Schweizer Nationalmannschaft testet am 26. Mai in Basel gegen Deutschland und vier Tage später in Luzern gegen Rumänien. Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld spricht über die Rolle der Schweizer in den beiden Testspielen. (Video: 20 Minuten Online)

Der Fussballverband informierte im Rahmen einer Medienorientierung über die neue Partnerschaft mit der Athleticum Sportmarkets AG. Nach der Präsentation stellte sich Ottmar Hitzfeld den Fragen der Medien. Der Nati-Trainer, der am Morgen aus Rom zurückgekehrt war, wo er sich den Cupfinal zwischen Juve und Napoli mit seinen drei Natispielern Stephan Lichtsteiner, Blerim Dzemaili und Gökhan Inler angesehen hat, spricht über diverse Themen.

Hitzfeld zum italienischen Cupfinal: «Es war ein spannendes Spiel, in dem ich mitgefiebert habe. Alle drei Spieler sind zum Einsatz gekommen und haben eine gute Leistung gezeigt. Es war ein kampfbetontes, hartumkämpftes Spiel und ich bin deshalb froh, das sich keiner verletzt hat. Inler, Dzemaili und Lichtsteiner werden am Dienstagabend in Feusisberg einrücken. Ich wollte ursprünglich, dass sie schon zum Mittagessen da sind, aber Napoli hat noch etwas zu feiern und von da her brauchen die Spieler Zeit für sich.»

...zur Super-League-Saison 2011/12: «Es war eine fantastische Saison für den FC Basel – man soll ja immer mit dem Positiven beginnen. Es war phänomenal, was der FCB geleistet und welche Glanzpunkte er mit den Siegen gegen ManU und Bayern gesetzt hat. Das war beste Werbung für den Schweizer Fussball. Ansonsten hat der Verband sehr viel Arbeit mit Konkursen und Punktabzug gehabt. Das hat dem Verband international geschadet. Wenn die Fifa und Uefa eingeschaltet werden, ist das schlecht und eine traurige Geschichte für einen Verband.»

... zur Euro 2012: «Ich werde die Euro nicht vor Ort verfolgen, weil kein Qualifikationsgegner von uns dabei sein wird. Es wird für mich interessant sein zu sehen wie sich die Favoriten verkaufen und welche Taktik sich die einzelnen Teams gegen die Grossen ausdenken werden. Ausserdem interessiert mich, welche Trends sich entwickeln und Systeme gespielt werden.»

... zum Zusammenzug der Nati und den Neuen: «Ich habe noch einmal die Gelegenheit neuen Spielern eine Chance zu geben, ehe es im Herbst mit der Qualifikation für die WM losgeht. Michel Morganella hat bei Novara in Italien regelmässig gespielt und Fortschritte gemacht. Er ist ein junger Spieler, der auf der Position des rechten Aussenverteidigers eingesetzt werden kann. Er spielt sehr körperbetont und ist laufstark. Adrian Winter hat sich durch konstant gute Leistungen beim FC Luzern aufgedrängt. Er ist einer, der spät entdeckt wurde, aber jetzt eine eindrucksvolle Karriere nachweisen kann. Er kann im rechten und linken Mittelfeld und auch ganz vorne eingesetzt werden. Er ist ein Offensivspieler, der seine Schnelligkeit unter Beweis stellt, technisch gut ist und Torinstinkt hat. Alain Wiss ist ein junger, begnadeter Spieler, der eine gute Ausstrahlung hat. Er ist einer, der nicht so auffällig spielt, aber sehr wertvoll für die Mannschaft ist, weil er die Löcher im Mittelfeld stopft, ein gutes Stellungsspiel und hohe Spielintelligenz hat. Er wird auch bei Olympia in London dabei sein.

... zum Test gegen Deutschland: «Wir werden versuchen, Deutschland ein Bein zu stellen. Deutschland ist unter Druck, weil sie zum einen das letzte Spiel gegen Frankreich verloren haben und zum anderen die Euro vor der Tür steht. Die Bewertung fällt in so einer Zeit immer sensibler aus. Deshalb werden sie topmotiviert auftreten. Für uns ist das ein Highlight und eine grosse Möglichkeit, uns zu präsentieren, weil diese Spiele nicht nur in der Öffentlichkeit wichtig sind, sondern in ganz Europa beobachtet werden. Wir wollen zeigen, was wir können. Ich freue mich gegen Deutschland spielen zu können, als Deutscher. Aber es nicht wichtig, dass für mich einige Emotionen mehr da sind wie für andere: Ich freue mich, dass die Schweizer Nationalmannschaft gegen Deutschland antreten kann und wir werden versuchen, uns so teuer wie möglich zu verkaufen.»

... zur Favoritenrolle: «Gegen Deutschland sind wir nicht der Favorit. Wir können gelöster auftreten und nur gewinnen. Für mich ist wichtig, dass wir die Balance zwischen der defensive und dem Spiel gegen vorne finden. Wir wollen versuchen mitzuspielen und nicht nur zu kontern. Gegen Rumänien sind wir der Favorit und können auch etwas verlieren – an Prestige und Selbstvertrauen. Deshalb ist für mich das Spiel in Luzern einen Tick wichtiger, als das gegen Deutschland.»

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