Aktualisiert 03.11.2009 18:52

EpidemieEine Viertelmillion Ukrainer hat Schweinegrippe

In der Ukraine hat die Zahl der Schweinegrippe-Infektionen epidemische Ausmasse erreicht. Im Westen des Landes kam das öffentliche Leben zum Erliegen.

Schulen und Kindergärten blieben geschlossen, Massenveranstaltungen wurden abgesagt. Bisher sind laut dem ukrainischen Gesundheitsministerium 255 000 Menschen infiziert.

Gemäss WHO befinden sich 235 Patienten auf Intensivstationen. Nach Angaben vom Dienstag starben in der Ukraine 71 Personen an der Grippe.

Überall werden Engpässe mit Medikamenten beklagt. Aus Westeuropa treffen immer wieder Lieferungen der dringend benötigten Schutzmasken ein.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) entsandte ein achtköpfiges Expertenteam, welches auch Proben zur Untersuchung nach London schicken wollte. Das Team war am Montagabend in der Ukraine eingetroffen.

Verhalten des Virus' erforschen

Die WHO erhofft sich, anhand der Epidemie in der Ukraine aufzuzeigen, wie sich der Grippevirus in der nördlichen Hemisphäre in der Winterzeit verhält, insbesondere in Osteuropa. Dies teilte die WHO am Dienstag mit.

Die Slowakei schloss am Dienstag zwei Grenzübergänge zur Ukraine. An den anderen drei Grenzübergängen wurden die Reisenden stichprobenweise auf Fieber und andere Grippesymptome kontrolliert.

Zugleich kündigte das slowakische Innenministerium an, unverzüglich insgesamt 300 000 Schutzmasken in die unmittelbar an der ukrainischen Grenze gelegenen Dörfer zu liefern.

18 Grippe-Tote in Italien

Auch andere europäische Länder meldeten neue Fälle von Erkrankungen und Todesfällen. So stieg in Italien die Zahl der Toten durch die Schweinegrippe auf 18. Von der Epidemie besonders betroffen ist die Region um Neapel, wo neun Personen an der Grippe starben.

Zusammen mit Spanien ist Italien das Land mit den meisten Ansteckungen in Europa, wie das italienische Gesundheitsministerium bekanntgab. Auf 100 000 Italiener kommen laut Statistik derzeit 380 Krankheitsfälle.

Gesundheitsexperten sagen den Höchststand der Epidemie in Italien für Ende November voraus. Die Lage sei jedoch «unter Kontrolle» und das Grippevirus «leicht», erläuterte Vize-Gesundheitsminister Ferruccio Fazio. Er selbst werde sich vorerst nicht impfen lassen. «Senioren und Kinder haben in dieser Phase den Vorrang», meinte Fazio.

Südkorea rief wegen der unaufhaltsamen Ausbreitung der Schweinegrippe die höchste Grippe-Alarmstufe aus. Dies bedeutet unter anderem, dass sämtliche Behörden zum Durchsetzen von Aktionen gegen die Grippe mobilisiert werden können.

WHO beunruhigt

Die WHO sieht die Schweinegrippe-Impfmüdigkeit in vielen Ländern mit Unbehagen. «Es bereitet schon Sorge wenn Menschen, die Zugang zu Impfstoffen haben, dies nicht nutzen», sagte WHO-Sprecher Gregory Hartl in Genf.

«Der Impfstoff ist eines der besten Mittel, die es zur Bekämpfung der Pandemie gibt», sagte Hartl. «Die Vorteile, sich impfen zu lassen, wiegen die Nachteile bei weitem auf.» Hartl verwies darauf, dass sich das aggressive H1N1-Virus verändern könne - entweder abschwächen oder verstärken.

Dass es bei immer grösser werdender Zahl von Impfungen auch Nebenwirkungen gebe, sei normal, sagte der Sprecher. Hartl rief vor allem dazu auf, dass sich Schwangere impfen lassen. Diese seien weitaus mehr gefährdet als andere Menschen.

(sda)

Wozu Adjuvans im Ah1N1-Vakzin (Schweinegrippe-Impfstoff)?

In den beiden bisher zugelassenen Impfstoffen Pandemrix und Focetria ist Adjuvans enthalten - eine Art Wirkstoffverstärker. Das Öl Squalen (Squalus, lat. für Haifisch) eignet sich als Adjuvans, weil es eine Depotwirkung hat. Es löst im Körper also nicht nur eine Reaktion des Immunsystems aus, sondern gleich mehrere. Das macht eine zweite Impfung in den meisten Fällen unnötig. Heftige Nebenwirkungen zeigen nichts anderes, als dass der Körper besonders gut auf die Impfung anspricht.

Grundsätzlich gilt: Je weniger Antigene, desto mehr Adjuvans ist in einem Impfstoff enthalten. Ausserdem ist Sorbitol Bestandteil eines Adjuvans, ein Stoff, der auch in der Glace-Herstellung Verwendung findet. Sorbitol wird als Emulgator zur Mischung von Fett und Eiweiss benötigt. Vitamin E wird ebenfalls beigemischt, es wirkt als Antioxidant und hemmt gewisse Effekte des auftretenden Entzündungsprozesses.

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