Falklandinseln: Eine Volksbefragung unter «Kolonisten»
Aktualisiert

FalklandinselnEine Volksbefragung unter «Kolonisten»

Die Bewohner der Falklandinseln haben entschieden: Sie wollen zu Grossbritannien gehören. Argentinien anerkennt das Votum nicht und wittert Manipulationsversuche.

von
Karin Leuthold
Buenos Aires

Die Bewohner der Falklandinseln stimmten am Sonntag und Montag über ihre Zukunft ab. Rund 1500 Wahlberechtigte waren zu einem Referendum aufgerufen, in dem es um den Verbleib des Überseegebietes bei Grossbritannien ging. Auf das Resultat brauchte man aber nicht zu warten: Eine überwältigende Mehrheit – 98,8 Prozent - hat mit Ja gestimmt.

Klarheit hin oder her: Die Volksbefragung wird weder von Argentinien noch von der UNO anerkannt. Das argentinische Aussenministerium bezeichnete das Referendum als «Manipulationsversuch», um den bilateralen Konflikt zwischen Grossbritannien und Argentinien zu vertuschen. Allein direkte Verhandlungen zwischen London und Buenos Aires seien gemäss UNO-Resolutionen zur Lösung des Konflikts zulässig.

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Bewohner sind britisch, das Territorium aber nicht

Die Falkländer wollten mit ihrem Ja der argentinischen Regierung ihre «Britishness» beweisen. Mit dem Referendum sollte sowohl an Argentinien als auch die internationale Gemeinschaft ein Signal gesandt werden, sagte Dick Sawle von der Regionalverwaltung gegenüber dem Sender BBC.

Grossbritannien begründete die Befragung mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker. Dabei wird nach Ansicht der Argentinier ein wichtiges Detail übersehen: «Dieses Recht steht Minderheiten oder Ureinwohnern eines Gebiets zu - aber nicht einer Gruppe Kolonisten», erklärt die argentinische Botschafterin in London, Alicia Castro. Grossbritannien verhalte sich doppelzüngig: «Weder die Hongkonger noch die Einwohner des Chagos-Archipels wurden gefragt, ob sie sich britisch fühlten oder nicht. Wieso fragt man die Falkländer?», wundert sie sich.

Präsenz verschärft

Keine der 40 UNO-Resolutionen zum Falkland-Konflikt erwähnt die Selbstbestimmung der Bewohner. Wieso wurde die Befragung nun trotzdem durchgeführt? Botschafterin Castro glaubt, dass das mit der sinkenden Popularität von Premierminister David Cameron zu tun hat. Sie spricht Klartext: «Wir respektieren, dass die Bewohner weiter britisch sein wollen, aber das von ihnen bewohnte Territorium ist nicht britisch.»

Die Geschichte steht auf der Seite der Südamerikanern. Die karge Inselgruppe war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zunächst von Franzosen, Briten und Spaniern bewohnt. Grossbritannien zog sich aber nach der Unabhängigkeitserklärung der USA 1776 zurück. Danach wurden die Inseln von Buenos Aires aus verwaltet. Nachdem Argentinien im Jahr 1810 die Unabhängigkeit von Spanien erklärte, gehörten sämtliche Inselgruppen im Südatlantik dem argentinischen Staat.

1833 vertrieb jedoch die britische Kolonialmacht die Vertreter der argentinischen Behörden. Die argentinische Militärjunta hatte am 2. April 1982 versucht, die Falklandinseln zurückzuerobern. Der bis zum 14. Juni andauernde Krieg endete für das südamerikanische Land mit einer Niederlage. Seither haben die Briten ihren Militärstützpunkt auf den Falklandinseln deutlich ausgebaut. Die Regierung in London muss jährlich rund 284 Millionen Franken für den Erhalt des Status quo aufwenden.

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