Aktualisiert 21.01.2011 15:35

Nach Schiesserei in Tucson

Eine Waffenshow – wie wenn nichts wäre

In Las Vegas läuft derzeit die grosse Sands-Waffenschau. 1600 Aussteller präsentieren dort die neusten und leistungsfähigsten Waffen der Welt. An die Schiesserei in Tucson denkt hier keiner.

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Seit dem Attentat in Tucson, im US-Bundesstaat Arizona, bei dem der 22-jährige Jared Loughner sechs Menschen kaltblütig erschoss und 13 weitere teilweise schwer verletzte – darunter die Abgeordnete Gabrielle Giffords – setzen sich Waffengegner für schärfere Waffengesetze ein.

Am Sands Expo and Convention Center in Las Vegas sieht aber alles anders aus: Seit Donnerstag beherbergt das Areal die 1600 Aussteller an der weltweit grössten Waffenmesse. Gefragt, ob sie sich wegen den jüngsten Ereignissen in Tucson Gedanken machen, sagen sie klipp und klar: «Nein, das wäre der falsche Ansatz.» Was in Arizona passiert sei, habe mit dem Waffengesetz überhaupt nichts zu tun, betonte Lawrence Keane, Mitglied der National Shooting Sports Foundation, gegenüber der «Washington Post». Den Fehler sieht Keane eher im «System zur Kontrolle der Geisteskranken».

Stände – von farbig bis rustikal

Die Statistiken geben den Organisatoren der Shot Show allerdings Recht: Noch nie zuvor haben die Amerikaner so stark Gebrauch gemacht vom zweiten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, der ihnen den Besitz und das Tragen von Waffen erlaubt. «Die Verkaufszahlen erreichen fast neue Rekordwerte», freut sich Steve Sanetti, Präsident eines Schützenvereins. Das Geschäft mit den Waffen sei «eine Industrie mit einem Umsatz von jährlich 28 Milliarden Dollar.

Auf über 58 000 Quadratmetern präsentieren Waffenhersteller wie Bushmaster oder Smith & Wesson ihre neuen Modelle und Ausrüstungen. Dafür haben einige ihre riesigen Stände in Glitzerfarben dekoriert, andere wählten die Variante der rustikalen Holzhütte, um die Kundschaft zu empfangen. Auf grossen Leinwänden werden Jagdszenen aus dem afrikanischen Busch gezeigt.

Interesse an Waffen … und an leicht bekleideten Damen

Auch die Vertreter des österreichischen Herstellers Glock sind nach Las Vegas gereist. Dass der Amokschütze Loughner vor zwei Wochen mit einer Pistole aus deren Produktion durch die Gegend geballert hatte, lässt sie unbeeindruckt. Den Vorfall wollten sie nicht kommentieren. Sie wiesen lediglich darauf hin, dass Loughner seine semiautomatische Glock 19 am 30. November in einem Waffenladen in Tucson «legal» erworben habe. «Wir beten für die Familie und wünschen ihnen eine rasche Erholung», sagte Vizepräsident Josh Dorsey. Schliesslich trügen auch 65 Prozent der Polizei in den USA eine solche Waffe, fügte er hinzu.

Die Shot Show ist allerdings nicht dem breiten Publikum zugänglich. Die 55 000 erwarteten Besucher - mehrheitlich Männer – sind in erster Linie Händler und Unternehmer aus dem Sicherheitsbereich. In den nächsten Tagen dürften sie aber mehr als nur die Neuigkeiten des Waffenmarktes zum Begutachten haben – am Eingang werden sie von leicht bekleideten Damen mit Gewehren willkommen geheissen, die ihnen gerne Kalender überreichen.

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