US Open Halbfinal: Eine weitere bittere Niederlage für Federer
Aktualisiert

US Open HalbfinalEine weitere bittere Niederlage für Federer

Erstmals seit 2002 hat Roger Federer in einem Kalenderjahr keinen Major-Titel gewonnen. Im US-Open-Halbfinal unterlag er Novak Djokovic nach zwei Matchbällen 7:6 (9:7), 6:4, 3:6, 2:6, 5:7.

2011 wird als das Jahr in die Schweizer Tennisgeschichte eingehen, in welchem Roger Federer seit langem wieder einmal ohne Grand-Slam-Titel dastand. Eine Ära geht damit zu Ende. Im Halbfinal des US Open unterlag der Schweizer Novak Djokovic mit 7:6 (9:7), 6:4, 3:6, 2:6, 5:7. Und dies, nachdem er selber zwei Matchbälle hatte.

Für Federer gab es in der letzten Phase der Partie die bitterste Duplizität der Ereignisse: Nachdem er im Vorjahr im Halbfinal dem Serben nach zwei vergebenen Matchbällen unterlegen war, fehlte ihm im fünften Satz diesmal bei 5:3, 40:15 wieder nur ein Pünktchen zum Einzug in den 24. Major-Final. Im Gegensatz zu 2010 hatte er diesmal sogar eigenen Aufschlag, aber dies änderte nichts, im Gegenteil: Djokovic wehrte den ersten Matchball mit einem der wohl schnellsten Vorhand-Returns in der Turniergeschichte ab und hatte dann Glück, dass Federers Vorhand beim nächsten Punkt via Netzkante ins Out segelte. Kurz darauf nützte er dann seinen ersten Siegpunkt nach 3:51. «Das ist mein wohl wichtigster Sieg in diesem Jahr, wenn man die ganzen Umstände betrachtet», so Djokovic unmittelbar nach dem Spiel.

Vorentscheidend für die Wende war wohl der Anfang des dritten Satzes gewesen: Bei Djokovic wuchs die Frustration, da er keinen Weg gegen Federers dominantes Spiel zu finden schien und der Baselbieter liess umgekehrt nach den beiden ersten Sätzen kurzzeitig etwas nach. Die Weltnummer 1 gewann aber in dieser delikaten Phase die Oberhand: Im zweiten Game schaffte der «Djoker» nach einem Game, das fünffmal über Deuce führte, das 2:0. Von da an dominierte er zwei Sätze lang, auch, weil Federers Fehlerquote massiv anstieg. Erst im fünften Satz spielte Federer dann wieder deutlich besser.

Federers starker Start

Federer hatte sich den Zweisatz-Vorsprung mit starkem Spiel in den wichtigen Momenten verdient. Im ersten Satz hatte er versucht, bei den Aufschlagsspielen seines Gegners viel Druck zu machen, war aber vor allem beim Return viel zu fehlerhaft. Im Tiebreak ging die Taktik dann aber auf und Federer verwertete schliesslich den fünften Satzball.

Im zweiten Satz zeigte der Baselbieter, dass er sich in den letzten Wochen wieder stark verbessert und deutlich an Selbstvertrauen gewonnen hat. Er spielte auch von der Grundlinie aus grossartig und die einhändige Topspin-Rückhand war so stark, wie seit langem nicht mehr. Entscheidend war letztlich Federers zweiter Servicedurchbruch im viel zitierten siebten Game, das er zu Null schaffte.

Wieder nach 2:0 out

In seinen 48. ersten Grand-Slam-Turnieren hatte Federer nie nach Zweisatz-Führung noch verloren, nun ist ihm dies zum zweiten Mal in Serie passiert. In Wimbledon war er im Viertelfinal an Jo-Wilfried Tsonga gescheitert, ohne sich in den letzten dreieinhalb Stunden der Partie auch nur einen Breakball zu erspielen. Auch für Djokovic war die gestrige Partie ein seltenes Ereignis: Er hatte bisher erst einmal nach 0:2 noch gewonnen, 2005 in Wimbledon gegen Guillermo Garcia-Lopez.

«Nur» ein Major-Final in diesem Jahr

Gemessen an seinen aussergewöhnlich hohen Standards kann Federer mit dem Grand-Slam-Jahr nicht zufrieden sein. Er stand einzig beim French Open im Final, nachdem er als bisher einziger Spieler Djokovic eine Niederlage zugefügt hatte und erreichte die Halbfinals des Australian und US Open sowie den Viertelfinal von Wimbledon.

(si)

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