Atomwaffen: Eine Weltmacht, 5113 Atomsprengköpfe
Aktualisiert

AtomwaffenEine Weltmacht, 5113 Atomsprengköpfe

Die USA haben erstmals seit langem Zahlen zu ihrem Atomwaffenarsenal offengelegt: Die Amerikaner gebieten demnach über 5113 einsatzfähige Sprengköpfe.

Am Montag wurde ein streng gehütetes Staatsgeheimnis gelüftet. Die US-Regierung habe sich zu einem Ende der Geheimhaltung entschlossen, um «im Namen der atomaren Nichtweiterverbreitung die Transparenz über die Arsenale zu erhöhen», teilte das Verteidigungsministerium in Washington mit.

Seit 1961 hatten die USA keinerlei Zahlen mehr zu ihrem Atomarsenal offengelegt. Laut den am Montag veröffentlichten Daten hatte das US-Arsenal im Jahr 1967 im Kalten Krieg mit 31 255 Atomsprengköpfen seinen Höchststand erreicht.

Das Pentagon wies darauf hin, dass der Bestand an Sprengköpfen im Vergleich dazu um 84 Prozent verringert worden sei. Den Angaben zufolge verschrotteten die USA zwischen 1994 und 2009 genau 8748 Atomsprengköpfe. «Tausende weitere Sprengköpfe erwartet dasselbe Schicksal», teilte das Ministerium mit.

Weltweit 22 000 Atomsprengköpfe

In der nun bekannt gewordenen Zahl von 5113 Sprengköpfen seien jene nicht eingerechnet, die bereits zur Verschrottung vorgesehen sind. Darin enthalten seien aber alle strategischen und nicht-strategischen sowie alle stationierten wie nicht stationierten Sprengköpfe. Die Zahlen spiegelten den Stand von Ende September 2009 wider.

Tausende Atombomben, die deaktiviert wurden, könnten aber theoretisch immer noch genutzt werden. Schätzungen zufolge könnten die USA insgesamt zwischen 8000 und über 9000 der Waffen besitzen. Mit der Veröffentlichung einer genauen Zahl will die Regierung Beobachtern zufolge auch andere Länder bewegen, mehr Zahlen offenzulegen. So verrät China bislang sehr wenig über die Zahl seiner Atomwaffen. Experten gehen davon aus, dass es weltweit insgesamt mehr als 22 000 Atomsprengköpfe gibt.

Vertrag sieht nur 1550 Sprengköpfe vor

Presseberichten zufolge hatte die US-Regierung intern seit Monaten darüber beraten, Details zum Atomarsenal offenzulegen. Washington wolle mit der Kehrtwende seine Glaubwürdigkeit bei der am Montag eröffneten UNO-Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag in New York zu erhöhen, hiess es. Die Offenlegung fiel mit dem Auftakt der Konferenz zusammen.

Im Vorfeld des UNO-Treffens hatte die US-Regierung in mehreren Schritten ihren Willen zur Abrüstung und zur Eindämmung der Weiterverbreitung unterstrichen. Im neuen START-Abrüstungsvertrag einigten sich die USA und Russland darauf, die Zahl ihrer strategischen Atomwaffen auf 1550 pro Seite zu begrenzen.

In ihrer neuen Nukleardoktrin erhöhte die US-Regierung die Hürden für den militärischen Einsatz von Atomwaffen. Im April lud US-Präsident Barack Obama zudem zu einer Konferenz über Atomsicherheit in Washington ein.

USA fordern Bestrafung Irans

Die US-Regierung kritisierte den Auftritt des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad an der UNO-Konferenz. US-Aussenministerin Hillary Clinton hat dem Iran wegen seines umstrittenen Atomprogramms erneut die Missachtung internationaler Regeln vorgeworfen und eine harte Bestrafung gefordert.

Ahmadinedschad hatte in seiner Rede die USA und Israel scharf angegriffen. Delegierte aus europäischen Ländern und der USA verliessen den grossen Plenarsaal.

Zentrales Instrument der Rüstungskontrolle

Die UNO-Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag soll bis zum 28. Mai dauern. Die USA wollen den Vertrag, den sie als zentrales Instrument der Rüstungskontrolle sehen, durch bessere Kontrollmechanismen verschärfen.

Das 1970 in Kraft getretene Abkommen ruht auf drei Pfeilern: Es verbietet die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen, verpflichtet atomar aufgerüstete Staaten zur Abrüstung und garantiert den Unterzeichnerstaaten den Zugang zur friedlichen Nutzung von Kernenergie. (sda/dapd)

Calmy-Rey: Atombomben sind «Ausrottungswaffen»

In ihrer Ansprache vor der Überprüfungskonferenz zum Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen (NPT) hat die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey am Montagabend Atomwaffen als «unbenutzbar, unmoralisch und illegal» bezeichnet. Die Konferenz sei eine einzigartige Gelegenheit, um einen Aktionsplan zu lancieren, der die nukleare Abrüstung auf konkrete und pragmatische Weise angehe.

Der START-Vertrag vom 8. April zwischen den USA und Russland, die neuen Nukleardoktrinen der beiden Länder und der Gipfel über die nukleare Sicherheit in Washington hätten zwar Bewegung in der Atomfrage gezeigt, die Auswirkungen seien aber bescheiden. Denn diese Waffenart, so argumentierte Calmy-Rey, werde in den militärischen Strategien noch immer nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Atomwaffen spielten damit weiterhin auf unverantwortliche Weise mit der Zukunft der Menschheit.

Nuklearwaffen seien «Ausrottungswaffen», die unterschiedslos alle Menschen töteten, sagte sie. Sie seien deshalb unmoralisch und illegal, verletzten sie doch die Grundlagen des humanitären Völkerrechts. Die Schweiz nehme an dieser Konferenz in Erwartung einer Abschlusserklärung teil, in der die nukleare Abrüstung konkret, progressiv und pragmatisch voran getrieben werde. (SDA)

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