«Time-out» mit Klaus Zaugg: Eine WM als Eishockey-Festspiele

Aktualisiert

«Time-out» mit Klaus ZauggEine WM als Eishockey-Festspiele

Wie wird die Geschichte die WM 2009 beurteilen? Es war keine WM mit Skandalen, mit sportlichen Dramen oder mit einer überragenden Leistung unserer Nationalmannschaft. Aber es waren Festspiele.

von
Klaus Zaugg

Wir haben keine neuen Superstars entdeckt. Die besten Mannschaften haben als Teams überzeugt und die Russen holten den Titel als Team und nicht dank überragenden Einzelleistungen. Ja, wir haben nicht einmal einen wirklich grossen, charismatischen, dominierenden Torhüter erlebt, der uns lange in Erinnerung bleiben wird. Und so gesehen wird es keine WM sein, die in den Geschichtsbüchern einen besonderen Platz einnehmen wird. Im Rückblick wird wahrscheinlich die WM in Kanada 2008 als «Gründungsjahr» der neuen russischen Eishockey-Dynastie bezeichnet. Und nicht die WM 2009 in Kloten und Bern.

Also eine gewöhnliche WM, die wir bald vergessen werden? Nein.

Bestorganisierte WM der Geschichte

Die WM 2009 in Kloten und Bern geht als eine der bestorganisierten aller Zeiten in die Geschichte ein. Als eine WM, die in Kloten und in Bern als Eishockey-Festspiele inszeniert worden sind. Mit unzähligen kompetenten, freundlichen freiwilligen Helfern, die ihren Teil zur festlichen Stimmung in Kloten und in Bern beigetragen haben. Mit hochprofessionellen Organisatoren, die in jedem Bereich (fast) perfekt gearbeitet haben - die totale Perfektion gibt es ja nur in der Theorie. Deshalb werden wir uns alle - auch die ausländischen Gäste - noch lange und gerne an dieses Turnier erinnern. Slawa Bykow ergriff nach der offiziellen Medienkonferenz zum Endspiel das Wort und bedankte sich ausdrücklich bei allen - den Fans, den Organisatoren - für die tolle WM. Das hat es so noch nie gegeben.

Ich habe seit 1982 viele stimmungsvolle WM-Partien erlebt. Vor allem dann, wenn die einheimische Mannschaft spielte - die Finnen in Helsinki, die Schweden in Stockholm, die Tschechen in Prag, die Russen in Moskau, die Letten in Riga oder die Kanadier in Halifax und Quebec City.

Imagegewinn für die Schweiz

Aber ich habe keine WM mit so vielen stimmungsvollen Partien und so vielen zufriedenen und freundlichen Menschen erlebt. Die Schweiz ist dem Ruf, ein Eishockey-Land zu sein, voll und ganz gerecht geworden und der Imagegewinn ist weit über die Welt des Eishockeys hinaus enorm.

Das Finale in Bern war der Höhepunkt dieser Eishockey-Festspiele und die Atmosphäre in der PostFinance Arena war während des Endspiels prickelnder, intensiver, mitreissender als bei den Spielen des SC Bern.

Wahrscheinlich wird die Finalstimmung von 2009 in der PostFinance Arena erst übertroffen, wenn sich der SC Bern wieder für die Playoff-Halbfinals qualifiziert. Wann das sein wird, wissen wir alle noch nicht. Darum freuen wir uns noch ein wenig an der WM 2009.

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