Aktualisiert 10.10.2016 12:21

Zu Gast in AndorraEine WM-Kampagne mit Drittliga-Charme

Eine Medienkonferenz vor einer WM-Qualifikation in einer Turnhalle kommt nicht oft vor. Im winzigen Andorra aber regelmässig.

von
E. Tedesco & A. Stäuble, Andorra

Das sagt Vladimir Petkovic über die beschwerliche Reise, mentale Frische und Verwandte. (Video: 20 Minuten)

Ein spezieller Ort für eine Medienkonferenz vor einem WM-Qualifikationsspiel: In Andorra findet dieser Termin in einer Turnhalle statt. Der guten Laune bei Nati-Trainer Vladimir Petkovic, Granit Xhaka und Admir Mehmedi tut das keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Lachend klettern die drei Protagonisten auf das provisorische Gerüst in der zu einem Pressesaal umfunktionierten Turnhalle. Die Akustik? Na ja. Die Luft? Na ja. Die Stimmung? Dank der bisherigen beiden Siege in der Qualifikation für Russland top, auch wenn die Umgebung eher an die dritte Liga erinnert.

«Die Stimmung nach Siegen ist immer besser», sagt Admir Mehmedi. «Wir sind mit sechs Punkten in diese Qualifikation gestartet, aber jetzt gilt es weiterzumachen. Die Stimmung war nie schlecht, auch weil wir sehr gute Typen in der Mannschaft haben. Aber eben: Nach Siegen ist es immer einfacher zu reden.» Weiter geht es am Montag. Auf der für eine WM-Quali gar winzigen Bühne. Die Schweiz trifft auf die Weltnummer 203, auf Fussballzwerg Andorra. Eine vermeintlich einfache Aufgabe.

Bodenhaftung und Tore

«Wir müssen mit den Füssen auf dem Boden bleiben, denn in der Euphorie passieren die grössten Fehler», sagte Petkovic schon nach dem 3:2-Sieg gegen Ungarn in Budapest. Am Sonntag bekräftigte er seine Worte noch einmal, fügte aber an: «Ob die Mannschaft die Bodenhaftung hat, will ich auf dem Platz sehen», sagt der Nati-Coach.

Petkovics Matchplan: «Wir müssen versuchen, schnell ein Tor zu erzielen. Wenn uns das nicht gelingt, braucht es Geduld. Es gibt nicht so viele Gegner, die hier klar gewonnen haben», so der Tessiner. Die Frage kam auf Französisch. Mediensprecher Marco von Ah übersetzte ins Deutsche. Die Antwort gab Petkovic italienisch, Von Ah übersetzte sie in die englische Sprache und die Dolmetscherin dann auch noch in die Landessprache Katalanisch. Gepunktet hat die Nati da schon.

Der Nati-Coach war auch für ein Spässchen zu haben. «Was, die beiden sind verwandt? Das höre ich jetzt zum ersten Mal», so Petkovic auf die Frage nach Gelson und Edimilson Fernandes, die seit der Nachnominierung des Sitteners erstmals gemeinsam bei der Nationalmannschaft weilen, breit grinsend.

Gunner Granit und die Vogelperspektive

Rund 13 Stunden war die Nati am Samstag von Budapest mit dem Flugzeug nach Barcelona und dann mit dem Car weiter nach Andorra la Vella unterwegs. «Die Reise war ein wenig kompliziert. Nach der Landung in Barcelona mussten wir noch drei Stunden Bus fahren. Wir waren alle ein bisschen müde», so Mehmedi, der schon wieder gut lachen hatte. Logisch sei das, denn «am Montag spielen wir ein Länderspiel für die Schweiz. Es geht um drei Punkte, es muss uns niemand motivieren. Wir wollen alle zur WM nach Russland. Ich denke, alle, die hier sind, sind voll fokussiert.»

Admir Mehmedi über Andorra

Admir Mehmedi spricht über den Gegner Andorra und die anstrengende Reise in den Zwergenstaat zwischen Spanien und Frankreich. (9.10.2016)

Admir Mehmedi über die «komplizierte Anreise» nach Andorra. (Video: 20 Minuten)

Granit Xhaka war der dritte im Bunde auf der Bühne im Estadi Nacional. Am Freitag war der Gunner gesperrt und musste sich den Sieg von der Tribüne aus ansehen. Er habe durchaus auch aus der Vogelperspektive positive Sachen mitnehmen können. «Aber ich hoffe doch, dass ich deshalb nicht mehr oft auf der Tribüne sitzen muss», so der Basler. Wenn die Nati in Andorra nachlegen und mit drei Siegen den besten Qualifikationsstart seit 1994 egalisieren will, ist der Chefstratege im Mittelfeld wieder mit von der Partie. Und er hat seine Marschrichtung erklärt: «In einem Jahr sind wir qualifiziert.»

Xhaka kehrt in die Mannschaft zurück

Beim 3:2 in Budapest sass Granit Xhaka auf der Tribüne. Gegen Andorra kehrt der Arsenal-Söldner nach seiner Sperre in die Mannschaft zurück. (9.10.2016)

Beim 3:2 in Budapest sass Granit Xhaka auf der Tribüne. Gegen Andorra kehrt der Arsenal-Söldner nach seiner Sperre zurück. (Video: 20 Minuten)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.