«Eine Woche lang wusste ich nicht, wo die Kinder sind»
Aktualisiert

«Eine Woche lang wusste ich nicht, wo die Kinder sind»

Für eine Woche wurde einem Elternpaar die Kinder weggenommen. Der Onkel soll sie geschlagen haben – doch die Justiz ermittelt nur wegen Tätlichkeiten.

Am 10. Februar kamen die Kinder von Sefceta Künzle-Erovic (41) nach der Schule nicht mehr nach Hause. Dafür besuchte Gemeindepräsident Arthur Lieberherr die besorgten Eltern. Er, auch Präsident der Vormundschaftsbehörde von Ebnat-Kappel, habe ihr erklärt, ihre Kinder seien weg – an einem sicheren Ort, so Künzle.

Es bestehe der Verdacht, dass sie geschlagen worden seien. Nicht die Eltern standen unter Verdacht, sondern der Onkel der Kinder, der im selben Haus wohnt. Die folgenden Tage ging Künzle durch die Hölle. «Das Schlimmste war, dass ich nicht wissen durfte, wo meine Kinder sind», sagt sie. Erst nach einer Woche wurden diese zurückgebracht – von einer Frau der regionalen Amtsvormundschaft in Wattwil.

Wenn der Onkel tatsächlich etwas Gravierendes getan habe, müsse man doch diesen aus dem Haus holen, statt die Kinder aus dem Familienverband zu reissen, sagte Künzles Rechtsanwalt Fredy Fässler gegenüber der Sendung «Rundschau». Man sei so vorgegangen, um die Kinder befragen zu können, ohne dass jemand aus der Familie Einfluss auf sie nehmen könne, sagt der Gemeindepräsident.

Das Untersuchungsamt Uznach ermittelt weiter – wegen Tätlichkeiten. In der Zwischenzeit sagt das Mädchen, es habe fälschlicherweise rumerzählt, der Onkel schlage sie: weil er ihr Vorschriften gemacht habe.

Felix Burch

Unprofessionelle Behörden?

Bereits vor vier Jahren sorgte ein Sorgerechtsentzug in Bad Ragaz für Schlagzeilen. Die übereifrige Vormundschaftsbehörde hatte einem Ehepaar das Sorgerecht für seine Tochter entzogen. Erst nach zweieinhalb Jahren Kampf konnte das Mädchen wieder heimkehren – drogensüchtig und schwer traumatisiert von den Institutionen. Alt-SVP-Kantonsrätin Vreni Kurer hat sich nach dem Fall vergeblich um eine Ombudsstelle und um eine Professionalisierung dieser Behörden bemüht. Heute sagt sie desillusioniert: «Man hört immer wieder von solchen Fällen.»

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