Aktualisiert 31.03.2015 14:27

Germanwings-Katastrophe

Eine Woche nach Absturz – was bekannt ist, was nicht

Vor einer Woche stürzte ein Airbus A320 der Germanwings in den französischen Alpen ab. Schnell wurden erste Ermittlungsergebnisse publik. Eine Zusammenstellung der Fakten.

von
woz
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Am 24. März 2015 stürzte eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ab. 150 Personen kamen ums Leben.

Am 24. März 2015 stürzte eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ab. 150 Personen kamen ums Leben.

Keystone/Guillaume Horcajuelo
Der Pilot Andreas Lubitz hatte das Flugzeug absichtlich abstürzen lassen.

Der Pilot Andreas Lubitz hatte das Flugzeug absichtlich abstürzen lassen.

epa/Foto-team-mueller
Der Pilot hatten den Airbus 320 vor dem Crash absichtlich beschleunigt.

Der Pilot hatten den Airbus 320 vor dem Crash absichtlich beschleunigt.

Am Dienstag um 10.01 Uhr startete die Germanwings-Maschine in Barcelona. Doch am Zielort Düsseldorf kam das Flugzeug nie an. Kurz nach dem Erreichen der regulären Reiseflughöhe von 38'000 Fuss (11,5 Kilometer) ging die Maschine ohne Hinweis an die französische Flugkontrolle oder ein Notsignal in einen schnellen Sinkflug über. Kurz darauf zerschellte der Airbus A320 in den französischen Alpen bei Seyne-les-Alpes. Eine Explosion gab es zuvor nicht, wie die französische Untersuchungsbehörde BEA mitteilte.

Was wir wissen:

Personen an Bord

An Bord der Maschine waren 150 Personen: der Pilot Patrick S. (34), der Co-Pilot Andreas Lubitz (27), vier weitere Besatzungsmitglieder und 144 Passagiere. Die meisten von ihnen kamen aus Deutschland und Spanien.

Patrick S. hatte mehr als 6000 Stunden Flugerfahrung, grösstenteils im Airbus A320. Zur Lufthansa war er vor zehn Jahren gekommen.

Sein Arbeitskollege Andreas Lubitz war seit 2013 Co-Pilot bei Germanwings. Der 28-Jährige hatte 630 Flugstunden absolviert. Laut Lufthansa arbeitete er aber schon vorher etliche Jahre für den Konzern, auch als Flugbegleiter. In der Pilotenausbildung gab es vor sechs Jahren eine mehrmonatige Unterbrechung, danach sei der Mann als «100 Prozent flugtauglich» getestet worden, teilte die Lufthansa mit. Verschiedene Medien berichteten jedoch, dass Lubitz an Depressionen und einem Burnout gelitten habe. Am Unglückstag war der 27-Jährige krankgeschrieben. Lubitz verheimlichte seinem Arbeitgeber aber offenbar seine Erkrankung. Am Montag wurde bekannt, dass Lubitz vor seiner Karriere als Pilot in psychotherapeutischer Behandlung gewesen war. Er galt als suizidgefährdet.

Das sagte der Staatsanwalt am Montag:

Die Unglücksursache

Der Co-Pilot Andreas Lubitz soll den Airbus A320 auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich in einen Sinkflug versetzt haben, als der Kapitän das Cockpit kurz verliess. Die französische Staatsanwaltschaft schloss aus den Aufzeichnungen des rasch gefundenen Stimmenrekorders, dass der 27-Jährige den Piloten aus dem Cockpit aussperrte. Der zweite Flugschreiber wird nach wie vor gesucht.

Aus dem Cockpit ist bis zum Aufprall schweres Atmen zu hören, der Co-Pilot war also am Leben. Zuletzt hämmerten Flugkapitän und Crew von aussen an die automatisch verriegelte Tür. Schreie von Passagieren sind erst in den letzten Sekunden aufgezeichnet.

Stellungnahme der Lufthansa:

Der Terrorverdacht

Die Ermittler haben keine Hinweise auf einen Terrorakt. Auch das Bundesinnenministerium hat derzeit «keine Hinweise auf einen irgendwie gearteten terroristischen Hintergrund».

Was wir nicht wissen:

Das Motiv

Lubitz' Beweggründe für die Tat sind noch nicht gänzlich geklärt. «Ein Hauptmotiv für uns ist derzeit, dass Lubitz offenbar Angst hatte, wegen seiner medizinischen Probleme die Flugtauglichkeit zu verlieren», sagte ein Ermittler zur «Bild». Bei Hausdurchsuchungen wurde kein Abschiedsbrief gefunden.

Bergung

Bisher haben die Ermittler mehr als 4000 Teile von der Unglücksstelle zurückgebracht. 78 Opfer konnten anhand der DNA-Proben identifiziert werden. Bis zum endgültigen Ergebnis der DNA-Analysen könnte es aber «zwei bis vier Monate» dauern. Unklar ist, ob alle Opfer je identifiziert werden können.

Auch der zweite Flugschreiber konnte noch nicht geortet werden. «Wir vermuten, dass die Blackbox verschüttet wurde», heisst es bei der Polizei. Um die Bergung zu beschleunigen, wurde eine Strasse zum Unglücksort gebaut.

Die Konsequenzen

Die Lufthansa wusste offenbar nichts von den Krankheiten des Co-Piloten. Nun stellt sich die Frage, ob der Absturz hätte verhindert werden können. Eine Diskussion um die Schweigepflicht der Ärzte ist entbrannt.

Kurz nach dem Absturz führten diverse Airlines auf der ganzen Welt die Zwei-Personen-Regel im Cockpit ein – darunter auch die Swiss. Diese besagt, dass während des Flugs immer zwei Personen im Cockpit anwesend sein müssen. Experten sind sich aber uneins, ob mit dieser Regel die Katastrophe hätte verhindert werden können.

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