Hohe Fallzahlen : «Einen zweiten Lockdown würde die Clubszene nicht überleben»

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Hohe Fallzahlen «Einen zweiten Lockdown würde die Clubszene nicht überleben»

Die Corona-Fallzahlen steigen in der ganzen Schweiz stark. Clubbetreibern macht diese Entwicklung Angst: Sie fürchten sich vor strengeren Massnahmen und sogar dem Bankrott.

von
Michelle Muff
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In der ganzen Schweiz sind die Corona-Fallzahlen stark am Steigen. 

In der ganzen Schweiz sind die Corona-Fallzahlen stark am Steigen.

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Am vergangenen Freitag meldete das BAG 1487 neue Ansteckungen mit Corona. Das ist ein Rekord. Zuvor lag der Höchstwert der täglich gemeldeten Zahlen bei 1390 Fällen und stammt vom 27. März.

Am vergangenen Freitag meldete das BAG 1487 neue Ansteckungen mit Corona. Das ist ein Rekord. Zuvor lag der Höchstwert der täglich gemeldeten Zahlen bei 1390 Fällen und stammt vom 27. März.

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In einer Lagebeurteilung vom vergangenen Freitag schrieb die Taskforce des Bundes, dass es eine Möglichkeit sei, in Regionen mit wachsenden Fallzahlen «Anzahl und Grösse von Versammlungen» zu reduzieren, um «eine Stabilisierung der Fallzahlen» zu erreichen.

In einer Lagebeurteilung vom vergangenen Freitag schrieb die Taskforce des Bundes, dass es eine Möglichkeit sei, in Regionen mit wachsenden Fallzahlen «Anzahl und Grösse von Versammlungen» zu reduzieren, um «eine Stabilisierung der Fallzahlen» zu erreichen.

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Darum gehts

  • Vergangenen Freitag erreichten die Corona-Fallzahlen einen Höchstwert.
  • Mit dem Anstieg der Zahlen drohen Clubs strengere Massnahmen.
  • Bei Clubbetreibern ist die Verunsicherung gross: Strengere Massnahmen oder gar eine Schliessung der Lokale können sich die meisten nicht leisten.

Vergangenen Freitag erreichte die Schweiz einen neuen Höchstwert: 1487 Neuansteckungen mit dem Coronavirus meldete das BAG am 9. Oktober. Mit dem Anstieg der Zahlen drohen den Clubs strengere Massnahmen. So schrieb die Covid-Taskforce des Bundes in einer Lagebeurteilung vom vergangenen Freitag, dass es in Regionen mit wachsenden Fallzahlen eine Möglichkeit sei, «Anzahl und Grösse von Versammlungen» zu reduzieren, um «eine Stabilisierung der Fallzahlen» zu erreichen: «Das betrifft auch organisierte Anlässe.»

Das Statement der Taskforce und die Entwicklung der Fallzahlen machen der Schweizer Clubszene grosse Sorgen. Unter den Zürcher Veranstaltern und Clubbetreibern herrsche «grosse Verunsicherung», sagt etwa Alexander Bücheli, Mediensprecher der Bar- und Clubkommission Zürich: «Die Clubs sind nun seit sieben Monaten von Covid-19-Schutzmassnahmen betroffen, und Kredite wie Reserven neigen sich dem Ende zu.»

«Clubbetreiber putzen momentan sogar die WCs selber»

Bücheli warnt, viele Lokale könnten weitere Einschränkungen «finanziell nicht verkraften»: «Für die meisten Clubs ist es jetzt schon schwierig, wirtschaftlich sinnvoll zu veranstalten. Viele Partys können nur stattfinden, weil alle aufeinander Rücksicht nehmen.» Deswegen arbeiteten viele Clubbetreiber momentan «selber an der Front»: «Sie machen Einlasskontrollen, arbeiten hinter der Bar und putzen sogar die WCs. Man spart, wo man kann, und jeder Franken, den man einnimmt, ist willkommen.» Etwa die Hälfte der Zürcher Clubs wissen laut Bucheli nicht, ob sie «bis Ende Jahr überleben».

Doch nicht nur die Clubs, auch die Partygänger seien wegen der steigenden Fallzahlen «verunsichert»: «Dieses Wochenende war in vielen Schweizer Clubs deutlich weniger los als die Wochen davor. Viele Gäste haben Angst vor einer Ansteckung oder fürchten sich davor, in Quarantäne zu müssen», so Bücheli.

Über das Wochenende wurde bekannt, dass sich im Kanton Bern wegen zwei positiv auf das Coronavirus getesteten Personen über 1500 Menschen in Quarantäne begeben müssen. Sie hatten sich in Klubs und Bars aufgehalten, die auch von den Corona-Infizierten besucht worden waren.

Weitere Einschränkungen könne man finanziell nicht tragen

Die aktuelle Lage in Bern bereite den Clubbetreibern in Sorgen, sagt Max Reichen, Co-Präsident der Bar- und Clubkommission Bern, gegenüber 20 Minuten: «Wir sind die Branche, die als Erstes von den Corona-Massnahmen betroffen war und es wohl auch am längsten sein wird. Ein zweiter Lockdown würde die Clubszene ohne Entschädigungen nicht überleben.»

Viele Veranstalter seien zudem «genervt» davon, wie die Behörden mit der aktuellen Lage umgingen: «Bereits zu Beginn der Corona-Krise haben wir gesagt, dass wir in der Clubszene lieber früh tragbare Einschränkungen einführen, als plötzlich sehr harte Massnahmen zu ergreifen.» Doch Reichen macht sich keine Illusionen: «Mit den momentanen Fallzahlen wird es wohl bald wieder grosse Einschränkungen geben, die viele Clubs finanziell nicht tragen können.»

«Wir leisten auch unseren Beitrag zur Eindämmung»

Ausserdem hat der Bund gemäss Reichen «bezüglich finanzieller Entschädigungen für Clubbetreiber» noch «keine einheitliche Lösung» präsentiert: «Wir werden momentan viel zu wenig finanziell unterstützt – das finden wir tragisch.» Eine freiwillige Schliessung der Clubs sei für Veranstalter deswegen aktuell «keine Lösung»: «Das wäre unser finanzieller Ruin.»

Trotzdem wolle man zur Eindämmung des Virus beitragen, betont Reichen: «Wir analysieren die aktuelle Lage und werden unseren Mitgliedern auf nächstes Wochenende bezüglich Veranstaltungen Empfehlungen abgeben.»

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