Obergericht Zürich: «Einer der brutalsten Raubmorde, die ich sah»
Aktualisiert

Obergericht Zürich«Einer der brutalsten Raubmorde, die ich sah»

Nachdem drei junge Männer einen Rentner brutal überfallen, stirbt dieser 10 Tage später an einem Herzinfarkt. Nun sollen die Täter härter bestraft werden.

von
mor
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In diesem Haus in Aeugst am Albis überfielen die jungen Männer 2012 den Rentner zwei Mal hintereinander und wendete Gewalt an. Nach dem zweiten Raub verstarb das Opfer zehn Tage später an einem Herzinfarkt.

In diesem Haus in Aeugst am Albis überfielen die jungen Männer 2012 den Rentner zwei Mal hintereinander und wendete Gewalt an. Nach dem zweiten Raub verstarb das Opfer zehn Tage später an einem Herzinfarkt.

Tagesanzeiger.ch
Das Bezirksgericht Affoltern am Albis verurteilte zwei der Täter wegen Mordes und mehrfachen Raubes zu 13 Jahren Freiheitsstrafe.

Das Bezirksgericht Affoltern am Albis verurteilte zwei der Täter wegen Mordes und mehrfachen Raubes zu 13 Jahren Freiheitsstrafe.

Keystone/Ennio Leanza
Die Staatsanwaltschaft legte dagegen Berufung ein. Am 15. November 2016 fand vor dem Obergericht die Verhandlung statt. Ein Tag später folgte das harte Urteil: Der Beschuldigte N.* wurde zu 14 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. J.* gar zu 15 Jahren. Der dritte Täter T. erhielt dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe für die Tat.

Die Staatsanwaltschaft legte dagegen Berufung ein. Am 15. November 2016 fand vor dem Obergericht die Verhandlung statt. Ein Tag später folgte das harte Urteil: Der Beschuldigte N.* wurde zu 14 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. J.* gar zu 15 Jahren. Der dritte Täter T. erhielt dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe für die Tat.

Keystone/Walter Bieri

Es fällt einem schwer zu glauben, welches Verbrechen die drei jungen Männer begangen haben sollen, als sie am Dienstagmorgen den Grossen Gerichtssaal des Obergerichts Zürich betraten. Gemäss Staatsanwalt sollen die drei unauffälligen und vier Jahren nach den Geschehnissen noch immer sehr jugendlich aussehenden Männer einen «der brutalsten Raubmorde, die ich in meinen 25-jährigen Laufbahn erlebt habe», begangen haben. Er fordert deshalb bedeutend höhere Strafen für die Angeklagten.

Es geht dabei um zwei Vorfälle in verschiedenen Täterkonstellationen, jedoch dem gleichen Opfer: Einem zum Tatzeitpunkt 85 Jahre alten Rentner.

Beute von gerade einmal 20 Franken

Am 21. Mai 2012 entschieden sich J.* und N.* – damals 20 beziehungsweise 18 Jahre alt – gemeinsam mit zwei jüngeren Kollegen (gegen die beiden letztgenannten wurde je ein separates Verfahren bei der Jugendstaatsanwaltschaft Zürich und Bülach geführt) den 85-jährigen A.* in seinem Haus in Aeugst am Albis zu überfallen. Die Vier kannten A. und wussten, dass der Mann seine AHV-Rente in bar in seiner Kommode im Wohnzimmer aufbewahrte.

Als der Rentner ihnen die Tür öffnete, überwältigten sie ihn, in dem sie ihm einen schwarzen Plastiksack über den Kopf streiften und ihn zu Boden warfen. Die Täter flüchteten mit einer Beute von 650 Franken, welche sie untereinander aufteilten. Der zweite Vorfall ereignete sich nur knapp sieben Wochen später und sollte für das Opfer tödlich enden.

Am 5. Juli 2012 überzeugte N. seinen Kollegen T.* bei einem erneuten Überfall dabei zu sein. Die zwei Freunde, sowie J. und ein weiterer Täter suchten wiederum das Haus von A. auf. Dieses Mal stülpten sie dem Rentner, nachdem er ihnen die Tür öffnete, drei ineinander gesteckte Coop-Plastiksäcke über den Kopf. Der 85-Jährige wurde erneut zu Boden geworfen und geschlagen während T. nach Geld suchte.

Die Täter wurden jedoch von den Nachbarn überrascht und flüchteten mit einer Beute von 110 Franken. Einen Grossteil davon verloren sie unterwegs, so dass sie am Schluss gerade mal 20 Franken untereinander aufteilen konnten. Zehn Tage nach dem Vorfall verstarb das Opfer an einem Herzinfarkt.

«Buchstäblich zu Tode geprügelt»

Das Bezirksgericht Affoltern sah es 2014 als erwiesen an, dass das Opfer den Herzinfarkt als Folgen seiner Verletzungen erlitt und verurteilte J. und N. wegen Mordes und mehrfachen Raubes zu 13 Jahren Freiheitsstrafe. Der am zweiten, aber nicht dem ersten Überfall beteiligte T., wurde wegen Raubes vom Bezirksgericht Affoltern zu 39 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein und verlangt für die drei Täter eine Freiheitsstrafe von je 18,5 Jahren. Der Rentner wurde «buchstäblich zu Tode geprügelt», so der Staatsanwalt am Dienstag vor Gericht. Seiner Meinung nach hat auch der dritte Täter T. gleich viel Mitschuld am Tod des Opfers wie die zwei Haupttäter.

Die Verteidiger von J. und N. verlangten am Dienstag für ihre Mandanten hingegen eine Massnahme für junge Erwachsene. Während N. die Verurteilung wegen Mordes akzeptierte, forderte der Anwalt von J. einen Freispruch vom Mordvorwurf. Seiner Auffassung nach könne nicht nachgewiesen werden, dass der Rentner tatsächlich an den Folgen der Verletzungen verstarb, zudem habe sein Mandant keinen Vorsatz gehabt, ihn zu töten. Der dritte Täter akzeptierte das Urteil des Bezirksgerichts Affoltern. Der 24-Jährige hat seine Strafe von 39 Monaten bereits abgesessen. Das Urteil folgt am Mittwoch.

*Namen der Redaktion bekannt

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