Vom Comedian zum Präsidenten  – «Einer der grössten Ehrenmänner!» –  Selenski wird im Netz gefeiert

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Vom Comedian zum Präsidenten «Einer der grössten Ehrenmänner!» –  Selenski wird im Netz gefeiert

Spätestens seit dem russischen Angriff auf sein Land steht Ukraine-Präsident Wolodimir Selenski im Fokus der Weltöffentlichkeit. Für die Ukrainer ist er zum Hoffnungsträger geworden.

von
Jonas Bucher

Wolodimir Selenski wendet sich am Samstagmorgen an sein Volk.

20min/dsc

Darum gehts

Er beschwört den Widerstand, lehnt eine Flucht ab und macht seinen Landsleuten Mut. Auf Twitter gibt Ukraine-Präsident Wolodimir Selenski fast stündlich Updates zur Situation in seinem Land. Auf ein US-Fluchtangebot hat er geantwortet: «Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit.» Damit wird der 44-Jährige zum Hoffnungsträger für die Ukrainerinnen und Ukrainer. Auch im Netz wird das Staatsoberhaupt gefeiert. Auf Twitter wird Selenski als «einer der grössten Ehrenmänner» bezeichnet.

Dass der Präsident sich in Uniform bei den Truppen zeigt, beeindruckt die Social-Media-User.

«Jetzt ist er ein wahrer Präsident»

Der «Corriere della Sera» bezeichnet den 44-Jährigen als «einen wahren Präsidenten». Die italienische Tageszeitung schreibt dazu am Samstag: «Er verschwindet und taucht wieder auf. Er geht in den Bunker und dann auf die Strasse. Er taucht in der Nacht ab und kommt bei Tag wieder hervor. Der persönliche Kampf des Wolodimir Selenski ist keine Tragödie eines lächerlichen Mannes, so wie ihn einst fast alle dargestellt hatten. Der ukrainische Präsident vertraut in diesen dramatischen Stunden auf Videos. Einige mit dem Handy gedreht, wie Selfies; andere, bei denen er Soldaten grüsst und Stärke signalisiert; bei allen macht er stets klar: Nein, Selenski gibt nicht auf. (...) Als Verfolgter und Hauptdarsteller eines Stückes, dem er eigentlich nicht gewachsen ist, hat sich Selenski in der Krise verändert. Er war Komödiendarsteller, der mal einen fiktiven Präsidenten gespielt hat, und Präsident eher aus Zufall. Nun ist er ein wahrer Präsident.»

Vom Comedian zum Staatsoberhaupt

Selenski regiert die Ukraine seit dem 20. Mai 2019. Aus Russland erhielt Selenski nach seiner Wahl herablassende Ratschläge vom damaligen Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew, aber keine Gratulation – dafür «sei es zu früh», hiess es damals. Die russischen Staatsmedien wurden dazu aufgefordert, Selenski nicht zu loben. Auch bei der Amtseinführung gab es keine Gratulation aus Moskau.

Nach seinem Jurastudium arbeitete Selenski als Schauspieler, Drehbuchautor, Synchronsprecher und Filmproduzent. 2003 gründete er das Filmstudio Studija Kwartal-95. Landesweite Bekanntheit erlangte Selenski 2006 mit seiner Teilnahme an der ukrainischen Version von «Dancing with the Stars». 2015 trat der heutige Präsident der Ukraine auf dem populärsten inländischen TV-Sender 1+1 in der satirischen Fernsehserie «Diener des Volkes» als Geschichtslehrer Wassili Petrowitsch Holoborodko auf.

Die Figur Holoborodko ist von der Korruption ukrainischer Politiker angewidert, macht über Social Media Wahlkampf, sammelt Geld über eine Crowd-Funding-Kampagne und wird unversehens zum Präsidenten gewählt. Als ehrlich bleibender Präsident räumt Holoborodko dann in der notorisch korrupten ukrainischen Politik auf. Die Fernsehserie wurde zum Grundstein für Selenskis politischen Durchbruch. 

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