Aktualisiert

Didier Défago«Einer der schönsten Tage in meinem Leben»

Bei der Olympia-Abfahrt in Whistler steht ein Didier zuoberst auf dem Treppchen. Doch es ist nicht etwa Top-Favorit Didier Cuche - es ist Namensvetter Défago. Die Freude beim Walliser ist riesig.

von
Monika Brand

Die ganze Schweiz hatte auf Didier Cuche gehofft. Der Neuenburger lag in beiden Trainings auf der Olympiapiste vorne, er war bereit wie noch nie. Didier Défago hingegen musste um seine Abfahrts-Teilnahme bangen, als vierter Fahrer rutschte er dann schliesslich doch noch ins Schweizer Team. Aber: Der Walliser hat es einmal mehr allen gezeigt. Nach seinen beiden Siegen in den Klassikern in Wengen und Kitzbühel vor einem Jahr sicherte er sich mit einer beherzten Fahrt Olympia-Gold. Und nicht nur das: Er «rettete» die Ehre der Schweizer, denn sowohl Didier Cuche als auch Ambrosi Hoffmann verpatzten ihren Lauf, Youngster Carlo Janka steigerte sich zwar im Vergleich zu den Trainings, kam aber trotzdem nicht über den elften Rang hinaus.

«Es ist einer der schönsten Tage in meinem Leben», sagte ein sichtlich glücklicher Didier Défago nach seinem Triumph. «Ich habe schon so viele schöne Momente erlebt. Ich brauche noch ein paar Tage, um das zu realisieren.» Weniger glücklich erschien Top-Favorit Didier Cuche zum Interview mit «SF». «Ich habe meine Fahrt noch nicht gesehen, aber ich habe wohl bei der Linkskurve direkt nach der letzten Zwischenzeit die Kurve zu fest zugemacht», analysiert der Neuenburger, der sich mit Platz sechs und einem Olympischen Diplom begnügen muss. «Damit habe ich meine Geschwindigkeit getötet.» Doch Cuche zeigt sich kämfperisch: «Ich packe meine Chance jetzt im Super-G.»

«Einer der Vier musste ja gewinnen»

Seinem Teamkollegen mag der gescheiterte Favorit den Olympiasieg jedoch von ganzem Herzen gönnen: «Ich habe kein Problem damit, dass Défago zuoberst auf dem Podest steht», sagt Cuche. «Das ist schön für unsere Nation.» Auch Carlo Janka bläst ins gleiche Horn: «Es ist super fürs Team, dass Défago gewonnen hat.» Und Cheftrainer Martin Rufener bemerkt mit einem Augenzwinkern: «Einer der Vier musste ja gewinnen.»

Österreicher gehen leer aus

Kein Grund zur Freude gab es bei den Mitfavoriten aus Österreich. Mario Scheiber verpasste als Vierter das Podest haarscharf, Michael Walchhofer wurde gar nur Zehnter. «Ich bin irsinnig enttäuscht», sagt er. «Es ist sehr schwierig. Wenn man in der Favoritenrolle ist, will man mit der Brechstange fahren - und das war heute nicht das richtige Rezept.»

Richtig glücklich zeigte sich hingegen Silbermedaillengewinner Aksel Lund Svindal. «Ich bin sehr zufrieden, es ist ein sehr gutes Gefühl», so der Norweger. «Die Saison war bisher komisch für mich, es sind sehr viele schlechte Sachen passiert. Hier hatte ich aber ein gutes Gefühl. Ich habe auch an der Eröffnungsfeier teilgenommen, um den Olympia-Geist zu spüren.» Auch der drittklassierte Bode Miller freut sich über seine Medaille, trotzdem ärgert er sich auch ein wenig. «Ich bin glücklich», sagt der Amerikaner. «Aber um ehrlich zu sein: Ich hoffte, neun Hundertstel schneller zu sein.» Dann hätte Miller nämlich gemeinsam mit Défago die Goldmedaille gefeiert.

Deine Meinung