KANDER-DRAMA: Einer muss schuld sein
Aktualisiert

KANDER-DRAMAEiner muss schuld sein

Zwei Tage nach dem tragischen Unglück auf der Kander, welches fünf Soldaten das Leben kostete, rückt die Schuldfrage immer mehr in den Vordergrund. Kommandant M., der das Unglück überlebt hat, gerät dabei ins Zentrum der Kritik. Unklar bleibt auch die Rolle seiner «Swiss Army Group», mit der er Tage zuvor einen ähnlichen Anlass durchgeführt hatte.

von
Gregor Patorski

Armeechef Roland Nef sprach gestern in einer ersten Reaktion vom Schicksal, «das es nicht gut mit uns meine». Doch heute setzt in Armee und Medien bereits die Suche nach einem Schuldigen ein. Und dabei rückt der 29-jährige Kommandant der Lufttransport-Sicherungskompagnie 3 M. ins Zentrum des Interesses. Dieser überlebte das Unglück mit einem Kieferbruch und liegt zur Zeit noch im Spital.

Im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» äussert sich Korpskommandant Walter Knutti dahingehend, dass jeder Kommandant einen Auftrag habe und entsprechende Kompetenzen diesen Auftrag auszuführen. «Damit übernimmt er auch die Verantwortung», so Knutti.

Was die Armee noch verklausuliert zur Sprache bringt, klingt im Boulevardblatt «Blick» bereits eindeutiger. Auf der Frontseite titelt er: «Kommandant M.: Er führte die Soldaten in den Tod». Daneben ein kaum unkenntlich gemachtes Bild des Militärangehörigen.

Bevor der so Beschuldigte überhaupt vernommen werden konnte, wird ihm hier die Schuld am Tod seiner fünf Kameraden untergeschoben. M. habe zuviel «wertvolle Minuten verstreichen» lassen, nachdem er sich selber glücklich ans Ufer retten konnte. Zeit die den Rettungskräften womöglich gefehlt habe, wird unterstellt. M. konnte sich nicht zu den Vorwürfen äussern: Nach seiner Kiefer-OP liegt er nicht vernehmungsfähig im Spital.

Korpskommandant Knutti ist mit Schuldzuweisungen etwas vorsichtiger: «Die Verantwortlichen müssen die Chance haben, sich in einer fairen Untersuchung zu äussern.»

Unklare Rolle der «Swiss Army Group»

Ein weiterer Punkt der vom «Blick» ins Spiel gebracht wurde, ist die Rolle die der Verein von M. spielt, einer Gruppe von Offizieren und Unteroffizieren, die sich mehrmals im Jahr zu Gruppenanlässen wie 9-Stunden-Märschen oder eben Riverrafting trifft. Die letzte Aktion fand am 30. Mai und 1. Juni statt. Auf dem Programm standen «Schulung, Abseilen und Umgang im und am Wasser. Verhalten im Schlauchboot». Dieser Treff ging ohne Probleme über die Bühne. Die offizielle Truppe von M., die «LT Si KP 3» half mit, den Anlass zu organisieren. Vorgestern Donnerstag sollte die Übung offenbar auch im Rahmen der Armee als Kaderanlass seiner Kompanie wiederholt werden. Wie jetzt bekannt ist mit tragischem Ende. Dennoch muss die Frage gestellt werden, inwieweit hier ein Privat- mit einem Militäranlass verquickt wurde.

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