40 Jahre Ryan Giggs: «Einfach immer weitermachen»
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40 Jahre Ryan Giggs«Einfach immer weitermachen»

Ryan Giggs ist 40 Jahre alt. Der in die Jahre gekommene «Poster Boy» ist Manchester United seit 23 Jahren treu und das will er auch noch eine Weile bleiben.

von
pre

Ryan Giggs erinnert sich noch gut an den wohl wichtigsten Tag seines Sportler-Lebens. Es war an seinem 14. Geburtstag, als «ich von meinem Kumpel nach Hause rannte, um die Ecke bog und den riesigen Mercedes sah», erzählt Giggs 26 Jahre später. Als der kleine Ryan die Haustür in Manchesters Vorort Salford aufstösst, redet ManUnited-Trainer Alex Ferguson gerade mit seiner Mutter. Mitgebracht hatte Ferguson seinen Spielerbeobachter Joe Brown und einen unterschriftsreifen Vertrag für Manchester United, der dem talentierten Jungen eine Karriere als Fussball-Profi garantieren sollte.

Seinen ersten Vertrag unterschrieb Giggs, der sieben Jahre zuvor mit seiner Familie aus dem walisischen Cardiff nach Greater Manchester gezogen war, aber noch mit dem Namen Ryan Wilson. Erst unter dem ersten Profi-Vertrag drei Jahre später war schliesslich Giggs zu lesen. «Giggsy», wie er von seinem Teamkollegen genannt wird, nahm nach der Scheidung seiner Eltern den Nachnamen der Mutter an. So lief der spindeldürre, aber wieselflinke Flügelflitzer am 2. März 1991 als Ryan Giggs zum ersten Mal in der Premier League auf.

«Giggs can twist your blood» («Giggs kann dir das Blut verdrehen»), sagte Ferguson damals über die Dribbelqualitäten seines neuen Schützlings. Schnell wurde der Teenager zur Stammkraft und bald auch zum Liebling der Fans. Auch die Titelseiten waren voll von ihm, die frisch gegründete Premier League hatte ihren ersten «Poster Boy» gefunden. Superdribbler Giggs wurde zur Galionsfigur der Liga, die sich endlich vom Ruf des englischen Kick-and-Rush-Fussballs lösen wollte. 1993 bekam er neben der Auszeichnung zum besten Jungspieler Englands auch den Bravo-Award.

Der erste «Glamour Boy»

Giggs hatte bereits einen millionenschweren Schuhvertrag, lukrative Sponsoren-Deals im Fernen Osten und Celebrity-Freundinnen, als sein designierter Nachfolger David Beckham die grosse Fussball-Bühne noch nicht einmal betreten hatte. Anders als «Becks» später fühlte sich Giggs in der Rolle des Teenager-Schwarms nie wohl. «Ich war in den Zeitungen, aber ich habe es nicht gemocht», sagte er dem «Daily Mirror» einst über diese Zeit. «Das Leben als Celebrity war einfach nichts für mich. Ich spürte, dass meine kommerzielle Arbeit meine eigentliche Arbeit zu beeinflussen begann und ich sagte ‹Nein›.»

Dank Beckham konnte sich Giggs wieder ganz aufs Fussballspielen konzentrieren. Mit der United gewann der Waliser in den kommenden Jahren alles, was es zu gewinnen gab: 13-mal den Premier-League-Titel, je viermal den FA und den League Cup, zweimal die Champions League, den Weltpokal und die Klubmeisterschaft. Mit der Nationalmannschaft lief es nicht so rund: 1994 verpasste Wales mit Stars wie Mark Hughes, Ian Rush, Gary Speed und Giggs die Qualifikation für die WM in den USA im letzten Spiel. Für den ManUnited-Superstar eine herbe Enttäuschung, bei Freundschaftsspielen liess er seine «Dragons» des Öfteren im Stich. Und so hat es Giggs bis zu seinem Nati-Rücktritt 2008 «nur» auf 64 Länderspiele gebracht.

Die Angst vor dem Verlieren

Bei den «Red Devils» spielt er immer noch, Jahr für Jahr verlängert er seinen Vertrag. Seinen Stil musste «Giggsy» aber anpassen. Mit 40 kann er sich nicht mehr so sehr auf seine Schnelligkeit verlassen wie damals, als er im Cup gegen Arsenal nach einem 50-Meter-Solo ein absolutes Traumtor erzielte (siehe Video unten). Geblieben ist allerdings seine Leichtfüssigkeit, dank der er auch als Graumelierter noch mit den Jungen mithalten kann.

2011 wählten ihn die Fans zum besten Spieler der Klubgeschichte. Nicht George Best, Eric Cantona, Cristiano Ronaldo, Bobby Charlton oder Roy Keane, sondern Giggs, der nie eine Rote Karte bekam und mittlerweile seine 24. Profisaison bei den «Red Devils» absolviert. «Ich werde nicht von der Lust am Gewinnen getrieben», erklärte Giggs einst, «sondern von der Angst vor dem Verlieren. Das Hochgefühl des Triumphes verfliegt schnell, du fährst in Urlaub, und wenn du zurückkommst, ist alles vergessen.» Nicht aber die Niederlagen, sie kriegt er nicht aus dem Kopf.

Der Unverwüstliche will weitermachen

Seine ewige Jugend erklärt er mit guten Genen und dem täglichen Yoga-Programm. «Der Trick ist, einfach immer weiterzumachen und nicht darüber nachzudenken», betont Giggs weiter. Und so macht der Oldie, der mittlerweile Co-Trainer von Ferguson-Nachfolger David Moyes geworden ist, einfach immer weiter. Beim 5:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen am Mittwoch absolvierte er seinen 142. Einsatz in der Champions League. Das ist ein Rekord, den Giggs sicherlich noch verbessern wird. Der Unverwüstliche liebäugelt nämlich damit, seinen im Sommer auslaufenden Vertrag noch einmal um ein Jahr zu verlängern. Warum eigentlich nicht?

Giggs' Wundersolo im FA-Cup-Halbfinal 1999 gegen Arsenal. (Quelle: Youtube)

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