Kalter Krieg als Game: Einfach mal einen Atomkrieg lostreten
Aktualisiert

Kalter Krieg als GameEinfach mal einen Atomkrieg lostreten

In «Supreme Ruler: Cold War» können Hobby-Strategen den Konflikt zwischen den Supermächen USA und UdSSR nachspielen. Dabei lässt das Game nicht nur Anfänger völlig im Stich.

von
Jan Graber

Einfach den roten Knopf drücken und einen Nuklearkrieg auslösen. Dann passiert wenigstens etwas: Es kracht und donnert, eine Alarmsirene geht los und die Anzeige springt mit einem Satz von Defcon 4 auf Defcon 1 - höchste Alarmstufe also. Adrenalin pumpt; die Welt versinkt in Schutt und Asche. Gebracht hats – ausser der kurzen Befriedigung – gar nichts.

Willkommen in «Supreme Ruler: Cold War», der dritten Ausgabe der geopolitischen Strategiespiel-Reihe. «Supreme Ruler» ist eines dieser Games, die nicht nur Anfänger, sondern auch manchen hellen Kopf zur Weissglut treiben. Denn das Game stellt nicht nur Anforderungen auf beinahe akademischem Niveau an die Spieler, sondern lässt Genre-Anfänger völlig im Regen stehen. Einverstanden: Deswegen gleich den roten Knopf zu drücken und die virtuelle Welt in Asche zu legen, ist kindisch. Aber nachvollziehbar.

Informations-GAU

In «Supreme Ruler» sieht sich der Spieler mit einer Welt konfrontiert, die fertig gebaut ist. Die meisten Staaten verfügen bereits über ein ansehnliches militärisches Potenzial; der Spieler hat eine Weltkarte vor sich, die voller Flaggen, Sterne, Symbole und Zeichen hängt.

Nur weiss er nicht, was damit anzufangen ist. Kein Hinweis klärt über die Spielmechanik oder die Ziele des Games auf. Ein Griff zur Verpackung bringt ebenfalls nichts, das Faltblatt verrät nur, wie das Game installiert werden muss. Die Suche nach einem Tutorial innerhalb des Spiels bleibt genauso erfolglos wie ein Blick ins Internet. Zwar stellt der Publisher Paradox ein paar Video-Tutorials zur Verfügung. Deren Informationsgehalt ist jedoch – gelinde gesagt – lächerlich. Ein geschriebenes Handbuch sucht man vergebens.

Versuch und Irrtum

Bleibt das Klicken ins Spielfeld, um zu schauen, was passiert. Befindet sich die Maus über einer Ortschaft oder einer baulichen Struktur springen Popups auf, gefüllt mit Informationen: Truppenstationierungen, Industriekomplexe, Produktionsdaten und vieles mehr. Was damit anzufangen ist, bleibt ein Rätsel. Der Blick an den Bildschirmrand, wo Informationen dargestellt werden, hilft ebenso wenig: Unzählige Produktionszahlen, Einkommens- und Ausgabenrechnungen und vieles mehr lassen sich abrufen. Die Flut der Zahlen überfordert, wirtschaftlich Desinteressierte wenden sich spätestens jetzt ab.

Allen anderen bleibt nur die Möglichkeit, sich mühselig durchs Spiel zu klicken, in der Hoffnung, der Spielmechanik mittels Versuch und Irrtum auf die Schliche zu kommen.

Fazit: Eine Geduldprobe

Kurzum: «Supreme Rule»-Spieler werden mit einem hochkomplexen Game ohne Hilfe und Hinweise alleine gelassen. Nur wer bereit ist, mit stoischer Geduld die Möglichkeiten des Spiels selbst auszuloten, wird am Ende mit einem Erlebnis belohnt, das das feine Gleichgewicht der Mächte auf neue Weise vor Augen führt. Der Tester hatte die Geduld dazu nicht. Stattdessen hat er lieber den roten Nuklearknopf gedrückt und sich kindisch über das Krachen der Einschläge und das Tröten des Defcon-Alarms gefreut.

Gameplay-Trailer:

Release-Trailer:

Das Spiel ist am 22. Juli für PC erschienen

«Supreme Ruler: Cold War»

Die Welt im Jahr 1949, am Rand des kalten Krieges. Die Supermächte USA und U.D.S.S.R. kämpfen um die Vergrösserung ihrer Einflusssphäre. Beide Mächte verfügen über beängstigendes nukleares Vernichtungspotenzial. China mischt ebenfalls mit und im fernen Osten um Korea und Vietnam beginnt es bereits zu brodeln. «Supreme Ruler: Cold War» versetzt den Spieler mitten hinein in diese hochgradig gefährdete Welt. Das Ziel besteht darin den Einflussbereich des Landes zu erweitern, dessen Geschicke gelenkt werden.

Spiel um die Macht

Spieler haben die Wahl, ob sie sich im Singleplayermodus oder in der Kampagne versuchen möchten. Die Kampagne versetzt sie in die Position einer der beiden Supermächte USA oder Sowjetunion. Sie versuchen darin, den Machtbereich der Nation auszubauen – durch militärische Drohung, Diplomatie, Hilfszahlungen oder Unterstützung bei Konflikten. Ist die Macht genügend gross, kann der Gegner in die Knie gezwungen oder nuklear vernichtet werden.

Alternativ zur Kampagne stehen Szenarien oder ein Sandkastenspiel zur Auswahl. Ersteres stellt Spielern eine Aufgabe wie zum Beispiel die Eroberung einer feindlichen Nation innerhalb einer vordefinierten Zeit. Im Sandkastenspiel lenkt der Spieler hingegen die Geschicke eines der damals real existierenden Länder und versucht, zum Beispiel als kleiner Fisch wie die Schweiz im Haifischbecken seine Position zu behaupten.

Deine Meinung