Freilaufender Hund: Einfangen dauerte zu lange – Vanille erschossen

Aktualisiert

Freilaufender HundEinfangen dauerte zu lange – Vanille erschossen

Obwohl eine professionelle Hundefängerin eingeschaltet worden war, wurde eine ausgebüxte Hündin erschossen. Die Behörden wollten nicht länger zuwarten.

von
ann
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Hündin Vanille büxte mit Freundin Blanche aus - nur einen Tag nachdem sie in die Schweiz gekommen war.

Hündin Vanille büxte mit Freundin Blanche aus - nur einen Tag nachdem sie in die Schweiz gekommen war.

Die scheue Hündin stammt aus La Réunion und war es gewohnt, auf der Strasse zu leben.

Die scheue Hündin stammt aus La Réunion und war es gewohnt, auf der Strasse zu leben.

Weil man freilaufende Hunde nicht dulden wollte, wurden sie zum Abschuss frei gegeben. Am Tag, an dem es die professionelle Hundefängerin schaffte, Blanche zu fangen, wurde Vanille erschossen.

Weil man freilaufende Hunde nicht dulden wollte, wurden sie zum Abschuss frei gegeben. Am Tag, an dem es die professionelle Hundefängerin schaffte, Blanche zu fangen, wurde Vanille erschossen.

Vanille und Blanche sind Strassenhunde aus La Réunion, die am 24. Juni – einen Tag nachdem sie in die Schweiz gekommen waren – von ihrem Pflegeplatz in Wattwil SG ausbüxten. Drei Wochen später, am 15. Juli, wurde Vanille von einem Jäger erschossen – obwohl es keinen Hinweis gegeben hatte, dass die Hunde wilderten oder aggressiv waren. Die Behörden interessierte nicht, dass sich die Besitzerin Sabrina S.* bemüht hatte, die Hunde einzufangen, und dafür sogar eine professionelle Hundefängerin engagiert hatte.

Bereits zwölf Tage nach dem Ausreissen von Blanche und Vanille wurde Besitzerin S. in Anwesenheit von zwei Polizisten unter Druck gesetzt. «Sie sagten mir, ich müsse eine Verzichtserklärung unterschreiben.» Man versicherte ihr, dies sei kein Todesurteil über die Hunde. Diese würden sowieso abgeschossen, ob sie unterschreibe oder nicht. Heinz Brecht, der Tierschutzbeauftragte der Gemeinde Wattwil, musste ebenfalls unterschreiben: «Uns wurde versichert, die Unterschrift sei reine Formsache.»

«Behörden haben sonst Verständnis»

Dank dieser Verzichtserklärung war aber offenbar der Weg zum Abschuss frei. Besonders bitter ist dabei für die Besitzerin, dass Vanille an dem Tag von einem Jäger erschossen wurde, an dem es gelang, Blanche einzufangen. S. versuchte noch vergeblich, den Wildhüter zu erreichen, um ihm vom erfolgreichen Einfang von Blanche zu berichten.

Hundefängerin Nadja Rodel von «Hund entlaufen, wir suchen» sagt dazu: «So etwas habe ich noch nie erlebt. Normalerweise haben die Behörden Verständnis, dass das Einfangen eines verängstigten Hundes Zeit braucht. Das ist nicht in Ordnung.»

Das Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen, das für den Abschuss zuständig ist, will sich zum Fall nicht äussern. «Wir müssen zuerst den Sachverhalt abklären.»

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