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Shopping im AuslandEinfuhrsteuer soll den Einkaufstourismus ausbremsen

Einkäufe im Ausland sollen in Zukunft besteuert werden. Der Nationalrat hat einer entsprechenden Motion zugestimmt. Das soll Schweizer zum Einkauf im eigenen Land animieren.

von
Barbara Scherer
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Der Nationalrat will den Einkaufstourismus ins  grenznahe Ausland bremsen. 

Der Nationalrat will den Einkaufstourismus ins grenznahe Ausland bremsen.

imago/Ralph Peters
Bisher können Schweizer bis zu 300 Franken einkaufen, ohne eine Einfuhrsteuer zahlen zu müssen.

Bisher können Schweizer bis zu 300 Franken einkaufen, ohne eine Einfuhrsteuer zahlen zu müssen.

imago/Ralph Peters
Diese Wertfreigrenze soll nun herabgesetzt werden.

Diese Wertfreigrenze soll nun herabgesetzt werden.

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Darum gehts

  • Bisher können Schweizer bis zu 300 Franken Waren im Ausland kaufen, ohne es zu versteuern.

  • Eine Motion will das ändern und so den Einkauf ennet der Grenze ausbremsen.

  • Experten sind sich uneinig, ob das den Einkaufstourismus weniger attraktiv macht.

Wer im Ausland für bis zu 300 Franken einkauft, wird von der ausländischen Mehrwertsteuer befreit und bezahlt auch keine Einfuhrsteuer. Das soll sich nun ändern: Der Nationalrat hat einer entsprechenden Motion der Finanzkommission zugestimmt.

Denn jährlich fliessen etwa 10 Milliarden Franken ins Ausland. Das schadet dem hiesigen Detailhandel. Die Motion will dem Einkaufstourismus entgegengewiren. So soll die Wertfreigrenze herabgesetzt werden. Das heisst, Einkaufstouristen müssten in Zukunft ihre Ware bereits unter 300 Franken versteuern.

Wie tief die Wertgrenze sein soll, definiert die Motion nicht. Allerdings gibt es den Vorschlag, diese an die Ausfuhr-Bagatellgrenze des Herkunftslandes anzupassen.

Das ist die Bagatellgrenze

Bei der Bagatellgrenze handelt es sich um den Mindesteinkaufsbetrag im Ausland, der pro Geschäft oder pro Rechnung erreicht werden muss, damit die Mehrwertsteuer zurückerstattet wird. In Frankreich beträgt diese 175 Euro und in Österreich 75 Euro. In Deutschland gibt es erst seit Anfang 2020 eine Bagatellgrenze von 50 Euro – erst ab diesem Einkaufspreis erhalten Einkaufstouristen einen grünen Ausfuhrzettel. Wird die neue Motion vom Bund angenommen, müssten Schweizer ihren Einkauf in Zukunft also ab 50 Euro in der Schweiz versteuern.

Der Bundesrat lehnt den Vorstoss ab: Laut Finanzminister Ueli Maurer löst dieser das Problem des Einkaufstourismus nicht. Der starke Franken und die höheren Löhne sowie Preise in der Schweiz fielen viel mehr ins Gewicht, so sein Argument.

Das sieht auch Detailhandelsexperte Marc C. Riebe so: Die Herausforderung sei das Preisgefüge in der Schweiz. Nur wenn die Preise in der Schweiz sinken würden, verliere der Einkaufstourismus wirklich an Attraktivität.

Denn obwohl Schweizer mehr verdienen, seien die Lebensunterhaltskosten sehr hoch. «Am Ende vom Tag haben Schweizer im Durchschnitt nicht viel mehr Geld für den Einkauf als Deutsche.» Daher würden weder eine tiefere Wertgrenze noch das Wegfallen der Mehrwertsteuer den Grossteil der Schweizer vom Einkauf im Ausland abschrecken.

Einkauftourismus ist auch ein Erlebnis

Dass eine Senkung der Wertfreigrenze wenig Einfluss auf den Einkaufstourismus hat, bestätigt Wirtschaftspsychologe Christian Fichter: «Dazu ist das Preisimage von Deutschland zu gut.» Das Einkaufen im Ausland würde sich nämlich immer noch lohnen.

«Oft gehen die Leute auch nicht nur aus finanziellen Gründen ins Ausland einkaufen», erklärt Fichter. Bei vielen Schweizern sei der Einkaufstourismus zur Gewohnheit geworden. Zudem sei der Ausflug über die Grenze ein Erlebnis, das vielen Spass macht.

Auch die Mehrwertsteuer habe nur bedingt Einfluss auf das Einkaufsverhalten. So wollte der deutsche Finanzminister Olaf Scholz (SPD) ursprünglich eine Grenze von 175 statt nur 50 Euro einführen. Um die Mehrwertsteuer zurückzubekommen, müssten Schweizer dann teurer einkaufen. «Das würde aber nur dafür sorgen, dass Schweizer weniger oft, dafür teurer im Ausland einkaufen gehen», sagt Fichter.

Jede Hürde macht Einkaufstourismus unattraktiver

Anders sieht das Stefan Michel, Marketingprofessor an der IMD Business School in Lausanne: Eine Senkung der Wertfreigrenze könnte den Einkaufstourismus abschwächen. Denn jede finanzielle Hürde mache den Einkauf im Ausland unattraktiver. «Muss man schon für kleine Einkäufe eine Einfuhrsteuer bezahlen, wird der Einkauf im Ausland erschwert: Es ist dann vielleicht plötzlich bequemer, hierzulande einzukaufen.»

Würde zusätzlich keine Mehrwertsteuer zurückbezahlt, könnte das sogar einen Grossteil vom Einkauf im grenznahen Ausland abhalten. Nur gewisse Produkte würden auch in diesem Fall im Ausland günstiger bleiben. «Für den Alltagsgebrauch wäre der Einkauf ennet der Grenze dann aber sehr unattraktiv», so Michel.

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1180 Kommentare
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Au Balsiger

06.11.2020, 23:23

Wieso müssen wir in der CH für das gleiche Produkt das doppelte bis dreifache bezahlen? Ist mir sogar einige Male passiert, dass ein CH-Produkt in der CH hergestellt in D weniger kostet als bei uns. Verkehrte Welt...? Wir bezahlen sowieso für alles viel zu viel. Beim Einkaufen muss man sogar den Parkplatz abstottern; in D, F oder Italien habe noch nie in einem Einkaufszentrum/Supermarkt fürs Parkieren bezahlen müssen. Und zur Zeit dürfen nur Grenzkantone in D einkaufen...aber für D ist doch die ganze CH Risikoland. Und was machen denn all die D Autos bei uns sogare weit weg von der Grenze (Innerschweiz)? Nota bene..nicht nur Schilder aus Konstanz oder Lörrach/Waldshut sondern aus ganz D. Sie dürfen bei uns kommen aber wir nicht zu ihnen? Unverständlich...Gruss aus der InnerCH

DerDikator

06.11.2020, 21:40

Wenn man das ganze mal von der Struktur betrachtet stehen folgende Faktoren klar: Der Bürger wird das Geld aus der Tasche gezogen: Die Mieten : extrem hoch. Die KK : Obligatorisch und extrem hoch. Billag Strom Telefon Internet: Teurer wie nirgends. Alles das wird uns auferlegt und JETZT DAS NOCH!! Sind wir hier in eine Art Gefängnis?

Zitat zum Nachdenken

06.11.2020, 20:49

Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen zurück. ... Wo immer ein Tier in den Dienst des Menschen gezwungen wird, gehen die Leiden, die es erduldet, uns alle an.