Hypnose-Therapie : Eingebildetes Magenband kann gefährlich werden
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Hypnose-Therapie Eingebildetes Magenband kann gefährlich werden

Virtuelle Magenbänder per Hypnose als neue Abnehmmethode? Psychiatrieklinik-Direktor Erich Seifritz klärt über Möglichkeiten, Risiken und Nebenwirkungen auf.

von
gbr
Therapeutin Caroline Vuille bei ihrer gefragten neuen Therapiemethode: Per Hypnose setzt sie einer Patientin ein virtuelles Magenband ein.

Therapeutin Caroline Vuille bei ihrer gefragten neuen Therapiemethode: Per Hypnose setzt sie einer Patientin ein virtuelles Magenband ein.

Die Genfer Ernährungsberaterin und Hypnosetherapeutin Caroline Vuille setzt stark übergewichtigen Patienten in der Privatklinik Efficium ein virtuelles Magenband ein: In ihrer Praxis könne man mit dieser «Operation» bis zu drei Kilogramm pro Monat abnehmen. Und das neue Verfahren führe bei rund 80 Prozent der Patienten zum Erfolg, so die Hypnotiseurin.

20 Minuten hat Erich Seifritz, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich gefragt, ob die Methode mit dem virtuellen Magenband bekannt und anerkannt sei. Seifritz bestätigt: «Hypnosetherapie ist eine komplementärmedizinische Massnahme, für die in wissenschaftlichen Studien eine gewisse Wirksamkeit bei der Gewichtsabnahme nachgewiesen werden konnte.»

Virtueller OP-Effekt nicht auszuschliessen

Ist es wirklich möglich, Menschen per Hypnose zu suggerieren, dass sie eine Magenband-OP hinter sich haben? «Das ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen, wobei darüber keine wissenschaftlichen Studien existieren», sagt Seifritz. Allerdings gebe es keine Untersuchungen über die Wirkung der Methode – weshalb auch keine Angaben über eine allfällige Nachhaltigkeit der Hypnose gemacht werden könne.

«Gewichtsreduktion ist eine therapeutisch sehr komplexe Herausforderung, welche in der Regel biologische, psychologische und soziale Massnahmen erfordert», so Seifritz. Deshalb hält er die angebliche Wirksamkeit von 80 Prozent «für unwahrscheinlich, wobei bei dieser Behauptung die Kriterien für Wirksamkeit nicht einmal definiert werden.»

Risiken und Nebenwirkungen auch bei Hypnose möglich

«Die allgemeine Wirksamkeit der Hypnose-Therapie ist individuell sehr unterschiedlich», erklärt Seifritz weiter. «Es kann durchaus Menschen geben, bei welchen eine solche Behandlung wirksam ist.» Nicht ausser Acht lassen dürfe man – wie bei jeder Therapie – auch den Placeboeffekt. Der Klinikdirektor warnt: «Hypnosetherapie kann Nebenwirkungen haben und bei gewissen Patienten durchaus sehr gefährlich sein. Es empfiehlt sich daher eine ärztliche Abklärung vor Beginn eines solchen Heilversuchs.»

Professor Dr. Erich Seifritz ist Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.

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