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Paris Fashion WeekEinheitsbrei bei den Fashionistas

Beim Schaulaufen der Eitelkeiten an der Pariser Fashion Week wollen alle dasselbe: wahnsinnig einzigartig sein. Doch das Modevolk scheitert oft kläglich.

von
Lucien Esseiva

Jedes Jahr spielt sich das gleiche Spektakel an der Fashion Week Paris ab. Fashionistas aus aller Welt stürmen die französische Metropole, im Gepäck haben sie Koffer, die so gross wie Lastwagen sind. Modeblogger, Modefotografen, Modekonsumenten oder einfach Modeliebhaber bevölkern Paris und verändern das Stadtbild. Besonders das Trendquartier Marais wird seit dem 23. September von einer Welle von durchgestylten Menschen überflutet.

Worum geht es in dieser Woche eigentlich? Um Mode? Um die Frühling- und Sommer-Kollektionen der Designer? Oder einfach nur darum, sich zu zeigen und irgendwie doch ein bisschen dabei zu sein? Denn eine Einladung für eine Show der grossen Designer zu bekommen, ist als Normalo quasi unmöglich. «Selbst Chefredaktorinnen von grossen Modemagazinen müssen manchmal um einen Platz in der Front Row betteln. Als Privatperson bekommt man erst eine Einladung, wenn man im Millionenbereich shoppt», weiss Martina Loepfe, Fashion Director von 20 Minuten Friday.

Herausputzen, warten, hoffen

Und so steht man halt auf der Strasse herum, herausgeputzt und durchgestylt bis in die Haarspitzen und hofft, dass man von einem Modeblogger oder Streetstyle-Fotografen abgelichtet wird. Der Anspruch, der alle Anwesenden eint: individuell zu sein. Doch wirft man einen genauen Blick auf das Fashionvolk, dann fällt schnell auf, dass sich die Stilelemente immer und immer wiederholen. Hüte (je grösser, schräger, pharellesker, desto besser), Plateauschuhe und kleine Vintage-Designertaschen stehen hoch im Kurs. Auch immer wieder gern getragen: Pullis oder Shirts mit gross aufgedruckten Sprüchen oder Statements.

Das beste Beispiel für die Gleichschaltung des Fashion-Week-Publikums zeigt sich beim Concept-Store Colette an der Rue Saint-Honoré. Die durchgestylte Meute steht vor dem Shop Schlange und prügelt sich drinnen um die besten Stücke von Dries van Noten oder Comme de Garçons. Dabei sind die besten Zeiten des Hipster-Shops seit 15 Jahren vorbei. Trotzdem wollen alle ein Stück vom Kuchen und merken dabei nicht, dass sie alle das Gleiche kaufen.

So ist und bleibt die Fashion Week Paris das, was sie schon immer war: ein Highlight für ein paar wenige gut Betuchte. Und ein Becken voller Träume und Hoffnungen für viele.

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