Brand in Steckborn TG: «Einige besitzen nur noch das, was sie anhaben»
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Brand in Steckborn TG«Einige besitzen nur noch das, was sie anhaben»

In der Altstadt von Steckborn TG standen in der Nacht mehrere zusammengebaute Häuser in Flammen. 30 Personen verloren ihr Hab und Gut. Sie haben alle eine neue Unterkunft gefunden.

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ij/mlü/pat

Anwohner meldeten gegen 2.45 Uhr Rauch aus einem Mehrfamilienhaus in der Altstadt von Steckborn TG. Die Feuerwehren Steckborn, Frauenfeld und Kreuzlingen waren rasch vor Ort und bekämpften den Brand in mehreren zusammengebauten Häusern. Sechs Liegenschaften wurden teilweise zerstört, 30 Bewohner verloren ihr Obdach, ihr Hab und Gut.

Drei Personen in einer Wohnung hätten den Brand bemerkt und sofort Alarm geschlagen, erklärte Roger Forrer, Stadtpräsident von Steckborn, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Deshalb hätten die rund 30 Bewohner die sechs Liegenschaften noch rechtzeitig verlassen können.

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Drei Personen ins Spital gebracht

Drei Personen wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Spital gebracht. Sie waren vom Feuer eingeschlossen worden und konnten sich nicht selbst befreien. «Sie standen am Fenster und schlugen gegen die Scheiben», sagt Reto Fischer von der Feuerwehr Steckborn. Sie mussten mit Hilfe eines Hubretters befreit werden. Ein Hund namens Leon kam beim Brand ums Leben, wie die Polizei bestätigt.

«Alles brannte lichterloh»

Ein Leser-Reporter berichtet, das Feuer sei in einem Dachstock ausgebrochen und habe dann auf weitere Gebäude übergegriffen. «Alles brannte lichterloh, die Rauchentwicklung war enorm», so der Mann. Der Leser-Reporter gibt an, selbst einmal in einem der brennenden Häuser gewohnt zu haben. Der Dachstock ist komplett aus Holz,wie er sagt. Sein Kollege habe gerade noch seinen Laptop aus der Wohnung retten können und sei dann auf die Strasse gerannt.

Anwohner wurden evakuiert

Die Bewohner der umliegenden Häuser mussten aufgrund der Rauchentwicklung durch die Kantonspolizei Thurgau und die Feuerwehren vorübergehend evakuiert werden. Sie konnten im Gemeindehaus und in einem Restaurant untergebracht und betreut werden. Ein Anwohner berichtet gegenüber 20 Minuten, wie er um etwa 3.30 Uhr von den Einsatzkräften in Sicherheit gebracht wurde. Er habe zusammen mit 60 bis 100 anderen Personen bis 6 Uhr morgens im Gemeindehaus ausharren müssen. «Die Leute waren alle aufgelöst und die Betroffenen sind in einem Schockzustand», sagt er. Er selbst habe das Feuer zuvor von seiner Terrasse aus beobachtet.

Solidarität ist gross

Stadtpräsident Roger Forrer zeigt sich betroffen: «Es ist erschütternd» sagt er. Die Leute hätten unter Schock gestanden, schilderte er die Situation. Sie hätten in der Nacht ihr Hab und Gut verloren und seien teilweise nur in Trainerhosen geflüchtet.

Die Solidarität unter den Einwohnern sei sehr gross. Es gebe bereits zahlreiche Hilfsangebote aus der Bevölkerung: Kleider oder Spielsachen würden vorbeigebracht, ein Spendekonto wurde eingerichtet. «Einige haben nur noch das, was sie gerade anhaben. So etwas ist schrecklich, und das gerade noch vor Weihnachten», sagt Einwohner Harkan Sevigli (45). «Solch eine Tragödie wünscht man keinem. Ich wünsche den Familien viel Glück für die Zukunft», sagt Anwohner Ruedi Vetsch (55).

Bis am Montagnachmittag hatten alle Opfer eine neue Unterkunft gefunden. «In Steckborn gibt es viele Ferienwohnungen, über 20 Wohnungen wurden uns angeboten. Wir sind überwältigt», sagt Roger Forrer. Es könne Monate bis Jahre dauern, bis die Häuser wieder bewohnbar seien, sagt Forrer.

Einige Gebäude standen unter Denkmalschutz

Die Aufräumarbeiten dauern laut Kapo Thurgau rund zwei Tage. Die Seestrasse in Steckborn bleibt zur Zeit wegen den Nachlöscharbeiten gesperrt. Eine Umleitung ist signalisiert.

160 Einsatzkräfte waren vor Ort. Die Brandursache ist noch immer unklar. Bei den betroffenen Liegenschaften handelt es sich um ältere Gebäude, die teilweise unter Denkmalschutz standen. (ij/mlü/pat/sda)

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