Sunrise-Chef: «Einige Besitzer fordern oft mehr Geld für Antennen»
Aktualisiert

Sunrise-Chef«Einige Besitzer fordern oft mehr Geld für Antennen»

Er hat für 500 Millionen seine Handymasten verkauft: Sunrise-Chef Olaf Swantee. Der CEO über den Deal, Roamingkosten und Abzocke bei Antennenstandorten.

von
S. Spaeth

Sunrise-Chef Olaf Swantee im Gespräch mit 20 Minuten.

Herr Swantee, Sie haben am Mittwoch den Verkauf von über 2200 Mobilfunkmasten angekündigt. Ist Sunrise in Geldnot?

Nein, Sunrise geht es sehr gut. Sie kennen bestimmt die Q1-Zahlen, die gegenüber den Vorquartalen einen sehr positiven Trend zeigen. Wir haben eine strategische Partnerschaft mit dem Netzwerkkonsortium angekündigt. Und ich bin unglaublich stolz, dass wir der erste Anbieter in der Schweiz sind, der eine solche Partnerschaft eingeht. Es unterstreicht unsere Innovationskraft.

Es gibt Beispiele anderer Firmen, die Infrastruktur zu billig verkauft und dann teuer zurückgemietet haben …

Im Telekombereich ist das Auslagern der passiven Infrastruktur, also der Betonsockel und der Metallkonstruktion, eine Erfolgsgeschichte. Das zeigt sich schon länger in anderen Ländern, beispielsweise Spanien oder Deutschland. Die technischen Teile der Antenne bleiben bei Sunrise.

Gibt man sich dem Verkauf der Sendemasten nicht in eine gefährliche Abhängigkeit von einem ausländischen Konsortium? Es dürfte nicht in deren Interesse sein, enorm viel Geld in die Antennen zu investieren …

Die Antennenbesitzerin Swiss Towers AG, die neu in ausländischem Besitz ist, hat jedes Interesse, in gute Standorte zu investieren. Mit der strengen Strahlungsregulierung, dem schwierigen Bauprozess und gleichzeitig explodierendem Datenwachstum sind gute Standorte sehr gefragt.

Wie viel zahlt Sunrise nun als Miete für die Antennenmasten pro Jahr?

Es gibt keinen Standardmietpreis, sondern es verhält sich wie im Wohnungsmarkt, wo die Lage, Region, Grösse entscheidend sind. Die Transaktion ist aber nicht einfach ein Verkauf mit Rückmiete. Wir haben mit Swiss Towers einen umfassenden Service-Vertrag, der die Standortmiete, aber auch Bau und Unterhalt sowie das Verwalten der Verträge umfasst. Weil wir das nun als Service beziehen, können wir uns voll auf den Qualitätsausbau konzentrieren.

Im Ausland ist es bereits Tatsache, dass Mobilfunkanbieter ihre Masten verkaufen und zurückleasen. Seit wann hatten Sie derartige Pläne?

Da ich viel in anderen Ländern gearbeitet habe, kannte ich dieses Geschäft schon. In der Schweiz war das bis jetzt kein Thema. Die Idee musste auch bei uns zuerst reifen. Im Januar gaben wir dann bekannt, dass wir eine solche Partnerschaft prüfen.

Sie haben sich auch schon über Landbesitzer geärgert, die zu viel Geld für die Antennenstandorte verlangen. Ist das nun nicht mehr Ihr Problem, weil die Antennen gar nicht mehr Sunrise gehören?

Auch wenn die Standorte nicht mehr in unserem Besitz sind, sind überrissene Mietpreise ein Ärgernis. Es gibt Standorteigentümer, die fordern jährlich 50 bis 100 Prozent höhere Mieten. Solche Landbesitzer wissen genau, dass sie einen für die Telekomanbieter kritischen Standort besitzen. Für teure Antennenstandorte bezahlen letztlich unsere Kunden. Deshalb wird auch Swiss Towers nicht jede Preistreiberei mitmachen, egal, ob der Antennenmast uns gehört oder nicht. Allenfalls werden die Verhandlungen abgebrochen – und dann hat ein Ort mal keine Abdeckung für eine gewisse Zeit.

Alle wollen schnelles Netz, aber niemand will neue Antennen. Warum ist die Ablehnung so gross?

Ich habe schon in Ländern gearbeitet, dort hat man ein Fest gemacht, als eine Mobilfunkantenne aufgestellt wurde. Denn endlich konnte die Bevölkerung kommunizieren. Für die Schweiz verlange ich keine Antennenfeste, aber für eine gute digitale Infrastruktur braucht es Antennen. Die Gesellschaft muss sich bewusst sein, dass eine schlechte digitale Infrastruktur ein Wettbewerbsnachteil ist. Worunter wir leiden, ist, die geringe maximal erlaubte Strahlungsenergie pro Antenne und die langwierigen und teuren Verfahren bei Antennenstandorten.

Braucht die Mobilfunkbranche Hilfe von der Politik, um an wichtige Standorte und mehr Antennenleistung zu kommen?

Die Politik sollte sich auf jeden Fall mit dem Problem befassen. Es kann doch nicht sein, dass wir nicht genügend Sendeleistung einsetzen dürfen auf einer Antenne, um die Bedürfnisse abzudecken. Zudem dauern die Verfahren zu lange, um an einen Standort zu kommen. Ich fordere vernünftige Lösungen und vernünftige Preise und da brauchen wir politische Rahmenbedingungen.

Bekommen Sie als Sunrise-CEO eigentlich auch eine Mobilfunkrechnung?

Natürlich gibt es spezielle Konditionen für alle, die bei Sunrise arbeiten. Aber noch bevor ich vor rund einem Jahr bei Sunrise als CEO anfing, schloss ich in einem Shop in Zürich ein Abo ab. Ich wollte sehen, wie das läuft und wie lange der Prozess dauert. Die Mitarbeiterin wusste nicht, dass ich der künftige CEO bin. Der Abo-Abschluss dauerte nur 8 Minuten, in Zukunft wollen wir aber noch schneller sein. Die Monatsrechnung dieses Abos beläuft sich auf 65 Franken, was dem Abo Sunrise Mobile Unlimited entspricht.

Viele Leute ärgern sich über Roaming-Tarife. Können Sie das verstehen?

Niemand erhält gerne Rechnungen. Für die sogenannte Region 1, worin alle Länder Europas und die USA enthalten sind, haben wir gute Datenpakete, wo man für den Preis einer Tasse Kaffe ein Datenpaket erhält. Zudem haben wir soeben die Preise pro MB halbiert, was zeigt, dass der Wettbewerb funktioniert. Es gibt noch ein paar wenige Länder, wo die Kunden vorsichtig sein müssen wie Kuba oder Afrika, wo ein lokaler Anbieter aufgrund der Monopolsituation überrissene Tarife verlangen kann.

Werden wir es noch erleben, dass in Europa Roaming gänzlich abgeschafft wird? In der EU laufen solche Bestrebungen.

Die Preispakete müssen einfach ähnlich sein, wie wenn sich ein Kunde in seinem Heimatland befindet. In den EU-Ländern senken wir die Preise regelmässig und es sind absolut gute Roamingpreise. Und in Ländern, in denen uns Monopolanbieter keine akzeptablen Preise offerieren, bieten wir es gar nicht an. Viele Kunden denken, dass solche exorbitante Preise von Sunrise kommen, was natürlich falsch ist.

Obwohl Sunrise sich rühmt, das beste Netz zu haben, ist Telefonieren im Zug oft ziemlich mühsam. Wann haben Sie dieses Problem im Griff?

Gute Verbindungen aus einem fahrenden Zug sind noch immer die grösste Herausforderung, denn der Zug ist eine mit vielen Leuten gefüllte Stahl-Box, die erst noch sehr schnell unterwegs ist. Leider sind noch nicht in allen Wagen Signalverstärker, die alle unsere Frequenzbänder verstärken, montiert. Die SBB ist zwar dran, doch es dauert halt lange. Wir haben in den letzten Jahren viel Geld in Antennen entlang von Zugstrecken und in Tunnel investiert.

Olaf Swantee ist niederländischer/schweizerischer Doppelbürger und seit Mai 2016 Chef des Schweizer Telekomkonzerns Sunrise. Der 51-jährige Manager ist mit einer Schweizerin verheiratet und ist Vater von drei Kindern. Seine berufliche Laufbahn führte ihn erst in den IT-Bereich, bevor er bei Orange in die Telekommunikationsbranche wechselte. 2013 wurde Olaf Swantee bei den World Communication Awards zum CEO des Jahres erkoren.

Olaf Swantee ist niederländischer/schweizerischer Doppelbürger und seit Mai 2016 Chef des Schweizer Telekomkonzerns Sunrise. Der 51-jährige Manager ist mit einer Schweizerin verheiratet und ist Vater von drei Kindern. Seine berufliche Laufbahn führte ihn erst in den IT-Bereich, bevor er bei Orange in die Telekommunikationsbranche wechselte. 2013 wurde Olaf Swantee bei den World Communication Awards zum CEO des Jahres erkoren.

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