Bergsturz im Bergell: «Einige Bewohner von Bondo haben resigniert»
Aktualisiert

Bergsturz im Bergell«Einige Bewohner von Bondo haben resigniert»

Felsstürze und Murgänge bedrohen das Südbündner Dorf Bondo weiterhin. Sprecher Christian Gartmann erklärt die Situation.

von
J. Furer / S. Ehrbar
Bondo

Der Sprecher des Krisenstabs, Christian Gartmann, zur Situation in Bondo und der Belastung der Bevölkerung. (Video: jen/ehs)

Der Bergsturz vom Freitagabend sei paradoxerweise eine «gute Nachricht», sagt Christian Gartmann, Sprecher des Krisenstabs im Bergell, zu 20 Minuten (siehe Video). «Wir hofften, dass die Felsmasse in Portionen abstürzt, sodass es keine grosse Schäden gibt», sagt Gartmann.

Die Situation zehre an den Nerven der Bevölkerung. Diese Leute sind nicht mehr in ihren eigenen Häusern und schlafen nicht mehr in ihren eigenen Betten», sagt Gartmann. Viele wüssten nicht, wann sie wieder zurückkönnten. «Diese Unsicherheit ist belastend.»

«Einige hatten nicht mal ihre Bankkarte dabei»

Die Menschen seien verunsichert und wollten wissen, wann sie wieder zurückkönnten. Die Helfer versuchten alles, um der Bevölkerung das Leben so einfach wie möglich zu machen. «Es ist aber eine sehr schwierige Situation, wenn man plötzlich aus dem eigenen Haus muss. Einige hatten nicht einmal Kleider oder ihre Bankkarte dabei», sagt Gartmann.

Einige Leute hätten resigniert und wollten nicht mehr zurück. «Sie wissen, dass sie in Bondo nicht mehr auf lange Sicht sicher leben können.» Zum Teil seien uralte Häuser beschädigt oder zerstört worden. Für sie sei die Situation sehr schwierig, denn sie könnten nie mehr nach Bondo zurück. Die Gemeinde setze alles daran, dass diese Leute nicht aus dem Bergell wegziehen müssten. In anderen Teilen des Tals werde geprüft, neue Häuser zu bauen.

«Die Solidarität ist der Sonnenschein»

Ein SMS-System ist aufgebaut worden, das die Bewohner jeden Morgen darüber informiert, wann sie wie lange in ihre Häuser zurückkehren können.

«Der Sonnenschein in diesen grauen Tagen ist die Solidarität, die das Bergell spürt», sagt Gartmann. Sowohl auf das Konto der Glückskette als auch auf jenes der Gemeinde seien grosse Beträge eingegangen. «Mittlerweile sind wir bei weit über 4 Millionen Franken», so der Sprecher.

Die Solidarität könne man aber nicht nur in Franken ausdrücken. Sie sei im ganzen Land sehr gross. «Sobald das Ereignis bekannt wurde, haben sich sofort freiwillige Helfer gemeldet. Andere haben ihre Wohnungen und Häuser angeboten. Ein grosser Teil der Evakuierten wohnt in Wohnungen, die gratis zur Verfügung gestellt wurden», sagt Gartmann. «Die Leute rücken zusammen.»

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