Aktualisiert 24.02.2020 03:33

Schweizer Student in Mailand«Einige schieben Panik und wollen nach Hause»

In Norditalien schliessen Universitäten wegen des Coronavirus. Ein Schweizer in Mailand erzählt, dass vereinzelt Austauschstudenten bereits abreisen wollen.

von
pam

Der Coronavirus-Ausbruch in Norditalien hat auch Auswirkungen auf die dortigen Universitäten: So hat die renommierte Bocconi-Universität in Mailand ihren Studierenden am Sonntag mitgeteilt, dass sämtliche Vorlesungen und sonstigen Angebote bis am 29. Februar gestrichen werden. «Anlässe, Seminare und Treffen in dieser Woche sind abgesagt oder werden verschoben.» Man entschuldige sich für die Umstände, da es sich jedoch um eine Notsituation handle, sei diese Massnahme nötig.

Der Schweizer Paolo Di Stefano studiert Banking & Finance und verbringt seit Januar ein Austauschsemester in Mailand. Im Studentenheim, in dem er zusammen mit 200 weiteren Austauschstudierenden lebt, sei die Stimmung nach der Schliessung der Uni angespannt. «Vereinzelt schieben Kollegen Panik und wollen wieder nach Hause reisen.»

Studentenwohnheim teilweise geschlossen

Eine Gruppe habe sich zudem heute in den Supermarkt aufgemacht, um Atemschutzmasken zu kaufen. «Diese sind schon an vielen Orten ausverkauft.» Betroffen von Massnahmen ist auch das Studentenwohnheim: «Der Gemeinschaftsraum sowie der Lernraum wurden geschlossen, die dortigen Wasser-Dispenser sind nicht mehr zugänglich.» Die Verwaltung habe geraten, Wasser in Flaschen zu kaufen.

Angst vor dem Coronavirus hat Di Stefano trotzdem noch nicht. In der Millionenstadt Mailand habe es bisher seines Wissens noch keine Ansteckung gegeben. «Das Beste ist wohl, abzuwarten und diese Woche jetzt zu Hause zu bleiben», so Di Stefano. Wenn die Zahl der Ansteckungen und Todesfälle noch zunehmen werde, könne die Uni weiter geschlossen bleiben, glaubt er. «Wir erhalten wohl Hausaufgaben für nächste Woche.» Sein Auslandsemester endet Ende Mai. «Ich gehe davon aus, dass sich die Situation bis dann wieder beruhigt hat.»

Not-Massnahmen eingeleitet

Die italienische Regierung will die Ausbreitung des Coronavirus im Norden des Landes mit Notverordnungen stoppen und hat die am stärksten betroffenen Städte abgeriegelt. «Das Betreten und Verlassen dieser Gebiete ist verboten», sagte Regierungschef Giuseppe Conte. Betroffen seien zunächst knapp ein Dutzend Orte südöstlich von Mailand mit etwa 50'000 Einwohnern sowie Vo' im benachbarten Venetien mit rund 3000 Bewohnern.

Neben Universitäten wurden in zehn Gemeinden der Lombardei auch Schulen und ein Grossteil der Geschäfte vorübergehend geschlossen. Rund 50'000 Einwohner sind aufgerufen, möglichst zuhause zu bleiben. Grossveranstaltungen wie Gottesdienste, Karnevalsfeste und Sportevents wurden verboten. Auch in Venetien wurden Massnahmen vorbereitet, die eine weitere Ausbreitung des Virus verhindern sollen. Alle Sportveranstaltungen wurden abgesagt.

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