31.07.2020 13:20

Enkeltrick geht schief

Einjährige Freiheitsstrafe für Trickbetrügerin

Die 21-Jährige war als Geldabholerin an einem Betrugsversuch beteiligt, der am Misstrauen des Opfers gescheitert war.

von
Dominic Wipfli
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Das Luzerner Kriminalgericht verurteilte am Freitag die Trickbetrügerin zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten.

Das Luzerner Kriminalgericht verurteilte am Freitag die Trickbetrügerin zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten.

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Die 21-Jährige war als Geldabholerin an einem Betrugsversuch beteiligt.

Die 21-Jährige war als Geldabholerin an einem Betrugsversuch beteiligt.

KEYSTONE/URS FLUEELER
Die Tätergruppe, in der die Beschuldigte in der untersten Hierarchiestufe mitwirkte, sei «recht dilettantisch» vorgegangen…

Die Tätergruppe, in der die Beschuldigte in der untersten Hierarchiestufe mitwirkte, sei «recht dilettantisch» vorgegangen…

Gerichte Luzern

Darum gehts

  • Durch Misstrauen des Opfers scheiterte der Enkeltrick.
  • Die Trickbetrügerin muss voraussichtlich nie ins Gefängnis.
  • Die Beschuldigte hatte in der Schweiz bislang ein blankes Strafregister. Im Ausland wurde sie aber mehrmals wegen Enkeltrickdelikten verurteilt.
  • Die Beschuldigte sagte gegenüber der Polizei aus, sie habe mitgemacht, weil sie unter Druck gesetzt worden sei.

Das Luzerner Kriminalgericht hat am Freitag eine 21-jährige Trickbetrügerin zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten verurteilt.

Weil die Tat misslang, wurde die Beschuldigte nur wegen versuchten Betrugs in Mittäterschaft verurteilt. Zudem wurde die Polin wegen Verstössen gegen das Ausländerrecht für schuldig befunden.

Das Urteil ist rechtskräftig. Es ist im abgekürzten Verfahren zustande gekommen, was heisst, dass die Beschuldigte die ihr vorgehaltenen Taten und die vom Staatsanwalt beantragte Sanktion akzeptiert hat. Sie war schon 2019 nach Polen zurückgeführt worden und war von der Teilnahme am Prozess dispensiert.

Nicht ihr erster Betrugsversuch

Die Beschuldigte hatte in der Schweiz bislang ein blankes Strafregister. Im Ausland wurde sie aber mehrmals wegen Enkeltrickdelikten verurteilt. Es komme deswegen nur eine unbedingte Freiheitsstrafe in Frage, sagte die Richterin.

Das Opfer des Betrugsversuchs hatte am Morgen des 5. Juni 2019 einen Telefonanruf einer angeblichen Nichte erhalten, die 180'000 Franken für einen Wohnungskauf benötigte. Es erkannte den Betrugsversuch und gab an, nur 120'000 Franken zu besitzen. Minuten später meldete sich ein angeblicher Notar, der neben dem Geld auch noch Schmuck forderte.

Es folgten weitere Telefonanrufe, unter anderem von einem angeblichen Polizisten. Am Mittag teilte der angebliche Notar dem Opfer mit, dass vor dem Haus seine Mitarbeiterin warte, um das Geld abzuholen. Das Opfer füllte eine Tasche mit Gegenständen und übergab diese im Treppenhaus der Beschuldigten. Diese verliess das Haus und wurde kurz darauf festgenommen.

Wer die anderen Mitglieder der Betrügerbande sind, ist nicht bekannt. Die Beschuldigte sagte gegenüber der Polizei aus, sie habe mitgemacht, weil sie unter Druck gesetzt worden sei. Ihr sei ein Entgelt von 300 bis 400 Franken versprochen worden.

Beschuldigte muss wohl nie ins Gefängnis

Für den gescheiterten Enkeltrickbetrug muss die Täterin damit voraussichtlich nie ins Gefängnis. Weil sie sich nicht in der Schweiz befinde. Dass die Strafe, die von der Beschuldigten akzeptiert worden war, wohl nie vollzogen werden kann, irritierte die Einzelrichterin.

Vielleicht hätte die Beschuldigte bei einem Prozess im normalen Verfahren mit einer milderen Strafe rechnen können. Für Betrug verurteilt werden kann nur, wer arglistig vorgegangen ist. Die Arglist könne bejaht werden, aber nur knapp, sagte die Richterin. Die Tätergruppe, in der die Beschuldigte in der untersten Hierarchiestufe mitwirkte, sei «recht dilettantisch» vorgegangen und habe «recht fadenscheinige Lügen» benutzt.

Zur zwölfmonatigen Freiheitsstrafe sagte die Richterin, das Gericht könne damit leben. Sie bezeichnete aber die Einsatzstrafe von zehn Monaten als hoch. Diese Strafdauer wurde für die Verstösse gegen das Ausländergesetz und wegen der negativen Täterinnenkomponente um je einen Monat erhöht.

(SDA)

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