Aktualisiert 11.01.2012 09:54

Martin Neff«Einkaufstouristen sind keine armen Leute»

Letztes Jahr haben Schweizer Einkaufstouristen in Deutschland für 4 bis 5 Mia. Fr. eingekauft. Das werde auch die nächsten Jahre so bleiben, meint CS-Chefökonom Martin Neff.

von
Leo Hug
CS-Chefökonom Martin Neff zu Schweizer Einkaufstouristen. Foto: keystone

CS-Chefökonom Martin Neff zu Schweizer Einkaufstouristen. Foto: keystone

Herr Neff, vernichten die Einkaufstouristen Jobs im Schweizer Detailhandel?

Martin Neff: Der Milliardenabfluss kann nicht durch inländisches Umsatzwachstum kompensiert werden. Das schlägt natürlich auf die Beschäftigung durch.

Sind Einkaufstouristen arme Leute, die sich die Schweizer Preise nicht leisten können?

Weit gefehlt! Sie stammen aus allen Schichten und wollen schlichtweg den günstigeren Preis. Die Haltung, aus Prestigegründen mehr für das Gleiche zu bezahlen, ist auch in der Schweiz nicht mehr in.

Was kaufen wir im Ausland ein?

Vor allem Lebensmittel, aber auch Elektronik und Haushaltsgeräte. Grundsätzlich wird nichts ausgelassen. Ich habe in Konstanz Schweizer Autos mit Waschmaschinen auf dem Dach gesehen.

Aus welchen Regionen der Schweiz kommen die Schweizer Einkaufstouristen?

In Konstanz sieht man Autokennzeichen aus Luzern oder auch Solothurn. Die Leute ­reisen auch von weiter her an, weil sie gemerkt haben, dass es sich lohnt.

Könnte ein Wechselkurs von 1.30 Franken den Einkaufs­tourismus ausbremsen?

Nein, dafür bräuchte es eine deutlich höhere Wechselkurs-Untergrenze. Der Einkaufstourismus wird in den nächsten Jahren 3 bis 5 Milliarden Franken ausmachen.

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