Playoff-Vorschau Teil 3: Einlaufen für Zug, Ehrenrunde für Biel

Aktualisiert

Playoff-Vorschau Teil 3Einlaufen für Zug, Ehrenrunde für Biel

Der EV Zug hat gegen Biel zum ersten Mal unter Doug Shedden die Chance, im Viertelfinal Kräfte fürs Halbfinale zu sparen. Biel ist einer der krassesten Aussenseiter aller Zeiten.

von
Klaus Zaugg
Für Topskorer Damien Brunner und seinen EV Zug wäre ein Scheitern gegen Biel eine grosse Überraschung.

Für Topskorer Damien Brunner und seinen EV Zug wäre ein Scheitern gegen Biel eine grosse Überraschung.

Die Geschichte lehrt uns: Hüte Dich vor dem 8. der Qualifikation! In den letzten sieben Jahren ist der Qualifikationssieger viermal in den Viertelfinals gescheitert: Lugano 2005 (gegen Bern), Bern 2006 (gegen Kloten), 2008 (Fribourg) und 2009 (Zug). Hochmut kam vor dem Fall.

Aber dieser Blick zurück zeigt auch gleich, warum diesmal selbst einem hochmütigen Zug gegen Biel keine Gefahr droht: Die vermeintlichen «Riesentöter» Bern, Kloten, Fribourg und Zug waren keine Aussenseiter. Sondern Titanen, die nach einer Krise die Playoffs im allerletzten Moment doch noch geschafft hatten und - aufgeputscht durch den erfolgreichen Schlussspurt - in der Qualifikation mit hohem Adrenalingehalt durch die Viertelfinals stürmten.

Die Hochzeitsnacht lässt sich auch nicht wiederholen

Der EHC Biel im Frühjahr 2012 ist also nicht mit dem SCB von 2005, dem Kloten von 2006, dem Fribourg von 2008 und dem Zug von 2009 vergleichbar. Biel ist einer der krassesten Viertelfinal-Aussenseiter aller Zeiten.

Selbst Biels «Hockeygott» Kevin Schläpfer räumt im kleinen Kreis ein, dass es fast unmöglich ist, die Batterien nach dem Saisonhöhepunkt noch einmal zu laden. So wie es auch nicht möglich ist, die Hochzeitsnacht mit allem Drum und Dran in der gleichen Woche zu wiederholen. Der 8. Platz ist Biels Erlösung, die alle Emotionen ermatten lässt. Weil das Saisonziel erreicht worden, ja ein Traum in Erfüllung gegangen ist.

Höchstens ein Sieg für Biel

Die Playofs gegen Zug werden für Biel zu einer Ehrenrunde «im scharfen Schuss». Spätestens nach fünf Spielen ist diese Serie zu Ende – und das ist gut für Biel: Bei der geringen offensiven Feuerkraft (114 Tore in der Qualifikation) müsste nämlich Reto Berra gegen Zugs offensive Feuerwalze (173 Tore) eine der grössten Torhüterleistungen unserer Hockeygeschichte vollbringen – und dann wäre der Abgang in die NHL nicht mehr zu verhindern. Biel hat in der Qualifikation weniger Tore zugelassen (128) als Zug (131) und ist mit einer durchschnittlichen Grösse von 184 Zentimetern eher noch robuster als die Zuger (181 cm). Aber der «Schläpfer-Riegel» (1-1-3) reicht selbst bei hoher Disziplin nur für ehrenhafte Niederlagen, einen geordneten Rückzug nach dem Muster von Marignano und höchstens zu einem Sieg.

Erstmals wird das Viertelfinale für den EVZ unter Trainer Doug Shedden ein Einlaufen für die Halbfinals. Dreimal hintereinander war mit dem Kanadier im Halbfinale Lichterlöschen. Weil die Viertelfinals gegen Bern (2009/6 Spiele), die ZSC Lions (2010/7 Spiele) und Servette (2011/6 Spiele) zuvor zu viel Kraft gekostet hatten.

Das vorzeitige Ende der Ära Shedden

Eigentlich sind bereits mehr als vier Spiele für Zug eine Enttäuschung. Weil dann, wenn mehr als vier Spiele notwendig werden, erneut Energie verbraucht wird, die im Halbfinale fehlen wird. Nach dem zweiten Qualifikationssieg nach 1998 muss Zugs Ziel der Titel sein. Die Serie gegen Biel ist das Einlaufen für die grossen Heldentaten im Halbfinale und im Finale. Ein Scheitern der Zuger gegen Biel wäre die grösste Sensation seit Einführung der Playoffs (1985/86) und das Vorzeitige Ende der «Ära Shedden» in Zug. Und diese Vorschau die grösste Fehlprognose seit 83 Jahren.

Am 21. Oktober 1929 sagte Professor Irving Fisher (1867 – 1947), vielleicht der grösste Ökonom, den Amerika je hervorgebracht hat: «Die Aktienkurse haben, so sieht es aus, ein permanent hohes Niveau erreicht.» Drei Tage später riss der grösste Börsencrash aller Zeiten die ganze Weltwirtschaft in den Abgrund und vernichtete auch Professor Fishers Vermögen.

Prognose: Zug setzt sich in vier Spielen durch.

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