Aunty B. -All-In - «Einmal geleckt werden kostet mich fünf Franken»
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Aunty B. -All-In«Einmal geleckt werden kostet mich fünf Franken»

Aunty B. testet ein «Lecktuch»: Ein Stück Latex zur Abdeckung von Vulva und Vagina, das vor allem beim Oralsex Gebrauch findet - oder besser gesagt, finden sollte. Denn die Beschaffung ist gar nicht so einfach.

von
Aunty B.
Julia Ullrich
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Aunty B. macht sich auf die Suche nach einem «Lecktuch». 

Aunty B. macht sich auf die Suche nach einem «Lecktuch».

Aunty B.  
Um sich als Frau vor der Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit (STI) zu schützen, wurden Latex-Tücher für oral-genitale Kontakte entwickelt.

Um sich als Frau vor der Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit (STI) zu schützen, wurden Latex-Tücher für oral-genitale Kontakte entwickelt.

Aunty B. 
Doch die Beschaffung ist gar nicht so einfach. Weder Migros noch Coop haben die Latexschutztücher im Sortiment. 

Doch die Beschaffung ist gar nicht so einfach. Weder Migros noch Coop haben die Latexschutztücher im Sortiment.

Aunty B. 

Darum gehts

  • Safer-Sex heisst genau genommen auch: Kondom an, beim Oralverkehr. Das wissen viele noch aus dem Aufklärungsunterricht.

  • Um sich als Frau vor der Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit (STI) zu schützen, wurden Latex-Tücher für oral-genitale Kontakte entwickelt.

  • Aunty B. hat das Lecktuch getestet. Dabei hat sich gezeigt: Die Beschaffung ist schwierig und der Preis hat es in sich.

«Ganz ehrlich, ich habe schon erotischere Begriffe als ‹Lecktuch› gehört. Im Fachhandel werden die Dinger als ‹Latex-Tuch für oral-genitale Kontakte› verkauft, beispielsweise unter dem Namen ‹Oralsafe›. Dies ist kein neues Produkt für Zahnhygiene, sondern soll vor Geschlechtskrankheiten schützen. Gedacht ist es für den Oralverkehr an der Frau. Denn auch beim Lecken kann man sich mit Chlamydien und anderen unschönen Erregern anstecken.

Das Lecktuch wird an die Vulva, beziehungsweise den Anus gehalten, damit kein direkter Kontakt von Mund zu Geschlechtsteil entsteht. Klingt safe, doch die Vorstellung ist für mich mega abturnend. Erogene Zonen werden durch den Plastikfetzen hindurch bestimmt nicht angeregt. Plötzlich habe ich ein schlechtes Gewissen, schliesslich verlange ich von einem Mann auch, dass er beim Sex ein Kondom trägt, um mich (und sich) zu schützen. Klar, Gummis sind in unseren Köpfen auch viel präsenter und ich kriege sie gefühlt an jeder Ecke. Trotzdem beschliesse ich, mich meinen Vorurteilen zu stellen und dem Lecktuch eine Chance zu geben.

«Kein einziges Detailhandelsgeschäft hat ein Frauen-Präventiv im Angebot»

Ich mache mich bei den hiesigen Detailhändlern auf die Suche, doch ohne Erfolg. Weder Coop noch Migros haben ein Latex-Tuch im Sortiment, meistens muss ich den ratlosen Verkäuferinnen und Verkäufern zuerst erklären, was ich überhaupt will. Selbst die Apothekerin muss nachschauen, wo Lecktücher erhältlich sind. Obwohl ich ziemlich schamfrei bin, bin ich froh um meine türkise Perücke.

Darum bekommt man die Latex-Tücher fast nirgendwo

Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigen sowohl Migros Zürich als auch Coop, dass beide Datailhändler keine Latexschutztücher im Sortiment haben. «Von Seite der Kundinnen und Kunden bestand bisher keine Nachfrage», sagt Annabel Ott, Mediensprecherin der Migros. Auch Coop verweist darauf, sich nach den Bedürfnissen seiner Kundinnen und Kunden zu orientieren.

Es ist, als wäre das Lecktuch ein entfernt bekanntes Utensil, das niemand benutzt. Wie eine Etagère: Schon mal gehört, aber keine Ahnung, wo man das Teil kauft. Doch die Apothekerin gibt mir einen Tipp mit auf den Weg: ‹Fragen Sie im Erotik-Shop nach›» Und tatsächlich, hier werde ich fündig. Für 40 Franken bekomme ich acht Tücher. Ganz schön teuer, wenn ich bedenke, dass ich die gleiche Anzahl Kondome für ein Viertel des Preises kaufen kann. Einmal geleckt werden kostet mich also fünf Franken. Und ob ich damit einen Orgasmus kriege, ist alles andere als sicher.

«Mein erster Gedanke: Ihhhhh!»

In der Packung findet sich eine simple Erklärung zur Anwendung. Bevor ich das Latex-Tuch an die Vulva respektive den Anus halte, soll ich die entsprechende Stelle mit Gleitgel befeuchten. Danach halte ich das Latex-Tuch fest, während ich oral verwöhnt werde. Mein erster Gedanke: «Ihhhhh!» Anstatt durch seine Haaren zu wuscheln, ziehe ich dann also das Latex-Tuch zurecht. Wie ein Bettlaken. Naja. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen.

Ich packe das Tuch aus und bin im ersten Moment positiv überrascht. Das Lecktuch präsentiert sich zwar in der Farbe Eierschale-Unerotika, fühlt sich in der Hand jedoch angenehm weich an. Ich möchte wissen, worauf sich mein Gegenüber einlassen würde. Also halte ich es an meinen Unterarm und lecke einmal daran. Trotz des neutralen Geschmacks werde ich das Gefühl nicht los, an einem Plastiktischtuch zu lecken. Ein absoluter Liebestöter. Ich weiss, dass es auch Latex-Tücher mit Geschmack gibt, kann mir aber kaum vorstellen, dass das einen grossen Unterschied machen würde.

«Ich könnte das Latex-Tuch nutzen, aber ohne wäre es definitiv besser»

So ertappe ich mich bei einem Gedanken, denn ich sonst nur von Männern kenne und eigentlich verabscheue: Ich könnte das Tuch zwar nutzen – aber ohne wäre es definitiv besser. Mit verzogenem Mund packe ich die Latex-Tücher wieder ein. Das Produkt bräuchte dringend ein Upgrade. Streng genommen kommen Frauen, die Oralsex geniessen und dabei gut vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie Chlamydien, Syphilis und Gonorrhö geschützt sein wollen, nicht am Gummituch vorbei. Ob sie das wirklich tun, wage ich aber zu bezweifeln. Ich schmeisse meine Packung in die Nachttischschublade. Man kann ja nie wissen.»

Wer ist eigentlich Aunty B. ?

Aunty B. teilt einmal pro Monat Erfahrungen aus ihrem Leben. 

Aunty B. teilt einmal pro Monat Erfahrungen aus ihrem Leben.

Privat

Aunty B. ist 29 Jahre alt und stürzt sich immer wieder in spannende Abenteuer rund um die Themen Liebe, Dating und Sex. Tabus zu knacken, ist ihre grösste Leidenschaft! Dein Lieblings-Tantchen nimmt dich mit auf ihre Reise und lässt dich an Geschichten und Erfahrungen teilhaben, die du sonst nicht zu Ohren bekommst. Einmal pro Monat kannst du hier die neuesten Erfahrungen der Single-Frau nachlesen. Hast du eine Idee, was Aunty B. als Nächstes ausprobieren oder testen soll? Dann schreib es an: onelove@20minuten.ch

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