Problem Elterntaxis - Einmal hat eine Mutter sogar eine Katze überfahren
Publiziert

Problem ElterntaxisEinmal hat eine Mutter sogar eine Katze überfahren

In Rickenbach b. Wil TG werden Kinder zunehmend von den Eltern per Auto in die Schule gefahren. Dabei kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Die Schulleiterin sieht keinen wirklichen Grund für die Elterntaxis.

von
Adriel Monostori
1 / 6
An der Primarschule in Rickenbach b. Wil TG werden teilweise Schulkinder per Elterntaxi in die Schule gebracht.

An der Primarschule in Rickenbach b. Wil TG werden teilweise Schulkinder per Elterntaxi in die Schule gebracht.

Primarschule Rickenbach
Da die Strasse an der die Schule liegt, eine Sackgasse, sehr unübersichtlich und eng ist und kaum Wendemöglichkeiten bietet, kommt es zu gefährlichen Situationen mit den Kindern.

Da die Strasse an der die Schule liegt, eine Sackgasse, sehr unübersichtlich und eng ist und kaum Wendemöglichkeiten bietet, kommt es zu gefährlichen Situationen mit den Kindern.

Primarschule Rickenbach
Einige Kinder standen auch schon unter Schock, als eine Mutter bei der Schule eine Katze überfahren hat.

Einige Kinder standen auch schon unter Schock, als eine Mutter bei der Schule eine Katze überfahren hat.

Primarschule Rickenbach

Darum gehts

  • An der Primarschule Rickenbach b. Wil TG gibt es immer mehr Elterntaxis.

  • Die Zufahrtsstrasse ist unübersichtlich und bietet kaum Wendemöglichkeiten.

  • Der Schulweg sei für die Kinder wichtig, um Erfahrungen zu sammeln.

  • Die Schulleiterin wünscht seitens der politischen Gemeinde mehr Unterstützung.

Bis zu zwanzig Eltern holen teilweise ihre Kinder an der Primarschule in Rickenbach b. Wil TG mit dem Auto ab. Platz gibt es in diesem Teil des Dorfes nicht viel. Einmal hat eine Mutter sogar eine Katze überfahren. Einige Kinder, die das beobachtet haben, standen danach unter Schock, berichtet die «Wiler Zeitung» (Bezahlartikel). Schulkinder seien bisher noch nie zu Schaden gekommen, doch die Elterntaxis nehmen zu. «Es ist ein Wunder, dass es noch nie einen Unfall gab», sagt Stephanie Schildknecht, Schulleiterin der Primarschule Rickenbach zu 20 Minuten.

Die Autozufahrt zur Primarschule Rickenbach liegt in einem unübersichtlichen Quartiersträsschen, welches von den Lehrpersonen und Anwohnern ebenfalls genutzt wird. Oft müssen Autofahrer rückwärts fahren oder private Hausplätze zum Wenden benützen, da es im engen Strässchen kaum Wendemöglichkeiten gibt. «Die Kinder stehen teilweise mitten auf der Strasse und müssen den Autos ausweichen.» Immer wieder beobachtet Schildknecht die Situation mit den Elterntaxis. «Die Kinder sind klein, die Autos sind gross und die Eltern sind zum Teil so mit dem Wenden und Manövrieren ihrer Autos beschäftigt, dass sie nicht auf die Kleinen achten», sagt die Schulleiterin. «Das grösste Chaos herrscht bei Schnee oder Regen.»

Zwischenfälle in Region als möglicher Grund

«Es gibt keinen wirklichen Grund für Elterntaxis in Rickenbach», sagt Schildknecht. Die Kinder müssen auf ihren Schulwegen oft keine grossen Distanzen zurücklegen. «Für die Kinder, die weiter weg wohnen gibt es einen Schulbus, welcher neuerdings neben morgens, mittags auch nachmittags fährt», fügt sie hinzu. Zudem wolle die Schulleitung den selbstständigen Schulweg fördern. «Die Kinder machen dort wichtige Erfahrungen. Oft gibt es auch schöne Erinnerungen, wie wenn man zum Beispiel auf dem Weg eine Schnecke findet. Das wollen wir den Kindern nicht vorenthalten», meint Schildknecht.

Kürzlich soll es jedoch in der Region zu Zwischenfällen mit unbekannten Personen gekommen sein. Dies könnte ein weiterer Grund sein, für den Anstieg der Elterntaxis. «Im Dorf hat sich vor rund einem Jahr rumgesprochen, dass ein Unbekannter im Quartier Kinder angesprochen habe. Die Polizei konnte ihn kurz darauf festnehmen», sagt sie. Die Kantonspolizei Thurgau bestätigt dies. Zu weiteren Meldungen sei es bislang nicht gekommen. Auch Briefe aus der Nachbarstadt Wil SG, welche die Eltern vor solchen unbekannten Personen gewarnt haben sollen, sowie ein Zwischenfall aus dem Hinterthurgau, haben für Unruhen gesorgt.

«Ich hoffe, dass die Eltern zur Einsicht kommen»

Schildknecht versteht, dass die Eltern die Kinder begleiten wollen. Dies sei aber auch zu Fuss möglich. «Eine Mutter begleitet ihr Kind jeweils zu Fuss, weil sie Zeugin davon wurde, wie ein Kind beinahe angefahren wurde. Andere Eltern konnte ich auch schon zur Einsicht bringen», erzählt die Schulleiterin. Das Problem sei jedoch noch nicht gelöst. «Ich hoffe, dass die Eltern zur Einsicht kommen und künftig auf Elterntaxis verzichten, damit es sicher nie zu einem Unfall kommt», sagt sie. Dazu wünscht sich die Schulleiterin seitens der politischen Gemeinde mehr Unterstützung, dass durch geeignete, verkehrstechnische Massnahmen der Elterntaxi-Dienst stark eingeschränkt werden kann, um so die Gefahren einzudämmen.

Bauprojekt wurde von Bürgern abgelehnt

«Wir wären gerne aktiv», sagt Ivan Knobel, Gemeindepräsident von Rickenbach b. Wil. Gefährlich werde es im Bereich der Primarschule vor allem beim Manövrieren. «Ein Halteverbot würde das Problem deshalb nicht lösen, damit wäre das Problem einfach an einem anderen Ort», sagt er. Es brauche einen sicheren Halte- und Wendebereich, doch dafür hat es derzeit zu wenig Platz. «Im Zusammenhang mit dem Pausenplatz-Projekt hätte man dies lösen können», sagt Knobel. Er betont, dass das Projekt ohne die politische Gemeinde gemacht wurde. «Da der Kredit bei der Schulgemeindeversammlung von der Bevölkerung abgelehnt wurde, geht es vermutlich länger, bis das Problem gelöst wird. Ich wäre froh, wenn die Schulgemeinde auf uns zukommen würde», sagt der Gemeindepräsident.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

44 Kommentare